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4:3 gegen Argentinien : Frankreich fliegt ins Viertelfinale

  • -Aktualisiert am

Frankreich fliegt ins Viertelfinale: Kylian Mbappé ist der Mann des Tages Bild: AFP

Der erste Viertelfinalteilnehmer der Fußball-WM in Russland steht fest: Frankreich setzt sich nach einem mitreißenden Spiel gegen Argentinien durch. Ein Bundesligaspieler sorgt für die Wende. Lionel Messi hat womöglich die WM-Bühne für immer verlassen.

          Es war ein Sieg der Jugend über die Erfahrung. Aber es war kein Triumph, denn dafür waren die im Durchschnitt dreißig Jahre alten Argentinier nach schwerfälligem Start in dieses extraordinäre Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft viel zu wehrhaft und stolz. Sie boten Frankreichs Himmelsstürmern und Tempobolzern mannhaft die Stirn, so dass rund 43.000 Zuschauer in der Kasan Arena am frühen Samstagabend einen selten intensiven Schlagabtausch mit dem Zeug zum WM-Klassiker zu sehen bekamen.

          Fussball-WM 2018

          „Es beginnt ein neues Turnier“, hatte der französische Torwart und Kapitän Hugo Lloris vor der Begegnung mit dem zweimaligen Weltmeister und mit Lionel Messi, dem viermaligen „Weltfußballer des Jahres“, gesagt. Und siehe da: Die Grande Nation und ihr manchmal ebenbürtiger Widersacher boten ein grandioses Spektakel mit vielen Volten, Treffern, an denen man sich nicht sattsehen konnte, und zirzensischen Einlagen, die das Publikum weltweit faszinierten. Am Ende gewann Frankreich 4:3 durch die Treffer von Griezmann (13. Minute/Foulelfmeter), Pavard, dem Stuttgarter Verteidiger (57.), sowie dem durch nichts und niemand aufzuhaltenden 19 Jahre alten Mbappé (64./67.). Pavard bedankte sich nach dem Spiel für seinen ebenso wichtigen wie traumhaft schönen ersten Länderspieltreffer bei seinem früheren Stuttgarter Trainer Hannes Wolf, der ihm „deutsche Disziplin vermittelt und ihm somit zur WM-Teilnahme verholfen habe“.

          Die Südamerikaner hielten nie aufgebend dagegen und waren kurz selbst davor, das Spiel in ihre Richtung zu drehen, als Di Maria (41.) und Mercado (48.) aus dem 0:1-Rückstand einen 2:1-Vorsprung gemacht hatten. Die Hoffnung trug aber nicht weit, dann kamen Frankreichs goldene acht Minuten. Dass der eingewechselte Agüero die Albiceleste noch einmal auf 3:4 heranbrachte (90.+3), schuf nur noch einen Moment der vergeblichen Hoffnung.

          „Es lebe Frankreich“

          Am Ende standen die Spieler wie eingefroren bei über dreißig Grad Celsius auf dem Feld im Kasaner WM-Stadion, das ein Spiel erlebte wie keines zuvor bei der Weltmeisterschaft in Russland. Auf Seiten der Gewinner schnappte sich Griezmann ein Mikrofon und rief voll Freude: „Es lebe Frankreich. Es lebe die Republik!“ Die Franzosen, im Schnitt 25 Jahre alt und damit das jüngste Team des Turniers, feierten ihren Sieg wie junge Hüpfer das mit ihrem Überschuss an Kraft und Vitalität gerne zu tun pflegen. Mbappé, zum „Man of the Match“ gekürt, wich der Frage, ob er einer der besten Spieler der Welt werden wolle, nicht aus. Direkt wie bei seinem Zug zum Tor antwortete er: „Dies ist die Gelegenheit, zu zeigen, was man kann und was die eigenen Fähigkeiten sind. Dafür gibt es keinen besseren Ort als eine Fußball-Weltmeisterschaft.“

          Symbolisch für diesen Abend mutete an, dass dieser Kylian Mbappé 1998 in Paris geboren ist, der französischen Hauptstadt, in der Frankreich am 12. Juli 1998 durch ein 3:0 gegen Brasilien zum ersten und bisher einzigen Mal Weltmeister geworden ist. „Ich bin froh“, sagte Trainer Didier Deschamps in Kasan, „dass Kylian Franzose ist.“ So leichtfüßig wie Mbappé, der Rechtsaußen von Paris Saint-Germain, die argentinische Abwehr umpflügte und so inspiriert die Équipe de France ihren Rückstand wettmachte und in einen eigenen Vorteil umwandelte, ist Frankreich eine der ersten Optionen auf den Gewinn des Titels am 15. Juli in Moskau.

          Deschamps, 1998 Kapitän der französischen Weltmeistermannschaft, war am Samstag „sehr stolz“ auf seine Jungs, die nach drei verhalten geführten Gruppenspielen diesmal ohne Tarnkappe auftraten und die Palette ihrer Qualitäten ausspielten. „Es war ein großes Match mit zwei großen Teams, und wir hätten noch mehr Tore schießen können“, hob Deschamps hervor. Der 49 Jahre alte Baske hatte zu keiner Sekunde die Befürchtung, dass sich seine Spieler vom argentinischen Zwischenspurt beeindrucken lassen würden. „Wir haben nie aufgegeben, haben viele gute Dinge gemacht“, sagte er, „und ein paar Sachen falsch.“ Deschamps wirkte an diesem Abend sehr glücklich. Im Gegensatz zu dem um seinen Job bangenden argentinischen Kollegen Jorge Sampaoli. Ihm waren die Spuren dieses Thrillers noch sehr deutlich anzumerken. Enttäuscht äußerte er sich darüber, „dass wir das Spiel gedreht und unseren Vorteil in diesem seltsamen Spiel binnen kurzem aus der Hand gegeben haben“.

          Gegen die Geschwindigkeit der Franzosen kamen die Südamerikaner letztlich nicht an. Sie durften zwar während der ersten Hälfte und nach dem 2:4-Rückstand das Spiel machen, ohne aus ihrem Ballbesitz gegen die konterstarken Franzosen entscheidend Kapital schlagen zu können. Über die Fehler, die das alternde Aufgebot in Russland gemacht hat und natürlich auch über die eigenen Schnitzer wollte Sampaoli verständlicherweise noch nicht im Detail sprechen. Was seiner Mannschaft nicht gelungen sei, sagte der Trainer auf Abruf jedoch recht deutlich. „Wir hatten den besten Fußballer der Welt – Lionel Messi – in unseren Reihen und haben ihm nicht die Situationen ermöglicht, die es ihm erlaubt hätten, seine Klasse auszuspielen.“

          Abgang mit Enttäuschung: Lionel Messi hat womöglich sein letztes WM-Spiel bestritten Bilderstrecke

          Messi war am zweiten Tor der Argentinier beteiligt, als sein Schuss von Mercado abgefälscht wurde, er hatte gegen Ende der Partie auch ein paar sehenswerte Momente, kam aber insgesamt bei diesem Turnier nie so in Tritt, wie es seiner Topqualität gemäß gewesen wäre. Star des Abends war nicht er, sondern ein junger Mann aus Frankreich, dem die Zukunft gehört: Kylian Mbappé.

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