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2:0 gegen Uruguay : Frankreich demonstriert Stärke

  • -Aktualisiert am

... Raphael Varane nach einem Standard per Kopf zur Stelle war und zur französischen Führung einnickte. Bild: EPA

Frankreich zieht ohne Schwierigkeiten ins Halbfinale ein. Dabei hilft auch Uruguays Torhüter. Und für einen Franzosen bedeutet sein Tor eine Wiedergutmachung für ein gegen Deutschland verlorenes Kopfballduell.

          3 Min.

          Vor vier Jahren verlor Raphael Varane im WM-Viertelfinale von Rio das entscheidende Kopfballduell gegen Mats Hummels. Frankreich verlor 0:1, Deutschland wurde Weltmeister. Nun ist Deutschland lange zu Hause und Frankreich nur noch einen Schritt vom Endspiel entfernt – weil der Verteidiger von Real Madrid diesmal, in Nischni Nowgorod, das nötige Köpfchen hatte. Mit seinem Führungstor gegen Uruguay (40. Minute) brachte er Frankreich auf den Weg ins Halbfinale, den Antoine Griezmann mit dem Tor zum 2:0-Endstand unter Mithilfe von Torwart Fernando Muslera vollendete.

          Fussball-WM 2018

          Während andere lateinamerikanische Team bei der WM bisher gut hingelangt hatten, allen voran die hyperaggressiven Kolumbianer gegen England, waren ausgerechnet die schon immer als besonders hartleibig geltenden Uruguayer als das bisher fairste Team ins Viertelfinale eingezogen: mit einer einzigen Gelben Karte aus vier Spielen. Doch der Weg ins Halbfinale sollte kein Weichspülgang für die Franzosen werden. Schon nach einer Minute wand sich der Erste am Boden: Mittelstürmer Olivier Giroud, getroffen von Gegenspieler José Gimenez.

          Nach 14 Minuten traf der Uruguayer dann den Ball, er verlängerte per Kopf eine Ecke in den Fünfmeterraum der Franzosen, wo Torwart Hugo Lloris knapp vor Cristhian Stuani klärte, dem Ersatzmann für den verletzten Torjäger Edinson Cavani, der den Uruguayern sichtlich fehlte. Außer bei gelegentlichen Standards blieben sie offensiv völlig mittellos.

          Ein Standard ebnet den Weg

          Im Gegenzug lieferte Giroud eine Kopfballvorlage auf den freistehenden Kylian Mbappé. Doch das Timing beim Kopfball gehört, wie man sah, noch nicht zu den Stärken des neuen Wunderknaben, der mit dem Ball am Fuß nur schwer zu stoppen ist, wie er beim 4:2 gegen Argentinien gezeigt hatte. Ohne Druck segelte sein Versuch im Bogen auf das obere Tornetz. Nach weiteren zwanzig Minuten kam Mbappé dann einmal richtig auf Touren, war aber nicht nur zu schnell für die Gegner, auch für seine Mitspieler. Seine Hereingabe von rechts vors Tor schoss ins Leere, weil keiner seinem Flankenlauf hatte folgen können.

          Während die hinten betonharten Uruguayer vorn mangels Cavani nur das Hoffen auf Standards hatten, mühten sich die Franzosen um spielerische Lösungen. Allen voran Antoine Griezmann, der aber zu oft noch das allzu Besondere versuchte, immer wieder Hacke, Spitze, No-Look-Pässe, und das stets zu ungenau, um das Bollwerk mit einer Blitzkombination zu knacken. Dann aber lieferte Griezmann die Vorlage zur französischen Führung, indem er das Standard-Konzept der Uruguayer übernahm.

          Nach einem rüden Foul von Rodrigo Bentancur am Bayern-Profi Corentin Tolisso, der den gesperrten Blaise Matuidi vertrat, drehte er den Freistoß aus dem rechten Halbfeld mit links Richtung Tor, wo seine uruguayischen Mitspieler und Freunde von Atlético Madrid rund um den Abwehrchef und Patenonkel von Griezmanns Tochter, Diego Godin, bereit standen, auch diesen Ball entschlossen zu entsorgen. Doch mitten hinein ins himmelblau dominierte Bild flitzte das weiße Trikot von Varane, der einziger dem Ball entgegen spurtete. Er erwischte ihn knapp vor Matias Vicino und köpfte ihn über den Scheitel des ins Leere springenden Uruguayers ins untere linke Eck.

          Vier Minuten später wiederholte sich dieser Ablauf beinahe, nur seitenverkehrt: Freistoß für Uruguay von halbrechts, diesmal Martin Caceres per Kopf, auch aufs linke untere Eck, aber Torwart Lloris wehrte im Hechtsprung mit einer großen Parade ab, worauf Godin den hochspringenden Abpraller nicht mehr kontrollieren konnte und aus kurzer Entfernung über das Tor schoss. Es sollte die beste Chance der Südamerikaner bleiben.

          Nach der Pause mühte sich Uruguay meist mit langen Bällen auf Barca-Stürmer Luis Suarez, der sich jedoch ohne den kongenialen Partner Cavani erfolglos abarbeitete. Und gerade als Trainer Oscar Tabárez nach einer Stunde mit zwei neuen, offensiveren Spielern zur Jagd auf den Ausgleich blasen wollte, landete der Ball bei einem scheinbar verebbten französischen Konter im Rückraum bei Griezmann, der aus zwanzig Metern einen harmlos scheinenden, genau auf Muslera fliegenden Schuss abgab – doch der berechnete den Ball völlig falsch und ließ ihn zum 2:0 durch die Finger gleiten. Griezmann jubelte nur verhalten aus Respekt vor seinen uruguayischen Freunden. „Ich habe deshalb nicht
          gejubelt, weil ich früher von einem Trainer in Uruguay unterstützt wurde. Ich habe großen Respekt vor Uruguay. Für mich war es normal, nicht zu jubeln.  „Ich liebe Uruguays Kultur und Uruguay als Land““, sagte Griezmann, der zugleich die Ambitionen der „Equipe tricolore“ unterstrich: „Wir haben ein Team, das jedem Gegner weh tun kann. Wenn wir uns auf unser Spiel konzentrieren, haben wir großartige Chancen auf den Sieg.“

          Schlechte Nachrichten vor Anpfiff: Der angeschlagene Edinson Cavani musste mit Wadenproblemen passen. Für ihn stürmte Cristhian Stuani. Bilderstrecke

          Außer einem knapp verzogenen Nachschuss von Cristian Rodriguez nach einer zu kurz abgewehrten Ecke (64.) kamen die Uruguayer dem Anschlusstreffer nicht mehr nahe. „Wir sind alle sehr enttäuscht, wir hatten nicht das nötige Glück“, sagte Uruguays Nationaltrainer Oscar Tabarez. „Wir haben in den ersten 20 Minuten einen großen physischen Aufwand betrieben, aber kein Kapital daraus geschlagen. Das hatte sicherlich einen Einfluss auf das Ergebnis. Die Jungs haben alles gegeben."

          Die Erhöhung auf 3:0 verpasste Tolissio mit einem zu hohen Schlenzer (73.). Und Frankreich etabliert sich immer mehr als Schreckgespenst aller Latinos: zum zehnten Mal hintereinander haben sie in einem WM-Duell gegen ein Team aus Südamerika nicht verloren.

          „Ich bin sehr stolz. Es herrscht große Freude. Wir haben etwas Großes schon gegen Argentinien geleistet, uns heute nochmal gesteigert. Ich bin froh, Franzose zu sein. Für uns ist es auf jeden Fall keine WM der verpassten Chancen“, sagte der französische Nationaltrainer Didier Deschamps.

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