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2:0 gegen Schweden : England siegt dank Lufthoheit

Dieses Mal trifft ein anderer Harry: Torschütze Maguire (Mitte) jubelt mit Kane (rechts) Bild: EPA

Zwei Kopfballtreffer helfen England zum Viertelfinalsieg gegen Schweden. Die „Three Lions“ erreichen erstmals seit 1990 wieder ein WM-Halbfinale. Schweden war in einem durchschnittlichen Spiel zu harmlos.

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          Der zweite englische Treffer brachte mächtig etwas in Bewegung. Auf der Tribüne hinter dem Tor, in das Dele Alli gerade getroffen hatte, verwandelte sich Optimismus sicht- und hörbar in grenzenlose Begeisterung. Die englischen Fans waren nun vollends im Glück – so wie in diesem Moment auch ihre Mannschaft, die das Halbfinale der Weltmeisterschaft schon vor Augen hatte in dieser 59. Minute. Eine halbe Stunde kämpfen und bangen mussten die „Three Lions“ zwar noch am frühen Samstagabend in Samara, sie brauchten auch – wieder einmal – die Torwartkünste von Jordan Pickford.

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          Am Ende bezwangen sie Schweden aber verdient 2:0 und spielen nun zum ersten Mal seit 1990 wieder um den Einzug in ein WM-Endspiel. „Es steht noch ein großes Spiel bevor, aber wir fühlen uns super“, sagte der erstmals bei dieser WM ohne Torerfolg gebliebene englische Mittelstürmer Harry Kane. „Wir genießen es mit unseren Fans zusammen, hier und zu Hause. Unser Land wird stolz auf uns sein.“

          Jetzt gilt es entschlossen zuzupacken. Am Mittwoch (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM) geht es in Moskau gegen Kroatien. „Der Zusammenhalt der Mannschaft war ganz speziell heute. Die Schweden war sehr gut organisiert, viele Jahre haben wir sie unterschätzt. Aber heute war unsere Einstellung auf gleicher Höhe wie ihre“, sagte Englands Nationaltrainer Gareth Southgate. Sein schwedisches Gegenüber Janne Andersson akzeptierte derweil die Niederlage anstandslos: „Wir haben es mit einem richtig guten Gegner zu tun gehabt. In der ersten halben Stunden hatten wir bis zum Eckball, der zum 1:0 geführt hat, die Kontrolle. Wir hatten drei exzellente Möglichkeiten in der zweiten Halbzeit. Manchmal ist der Gegner einfach besser, ich habe allergrößten Respekt."

          Vor der Pause hatte Harry Maguire das Team von Gareth Southgate in Führung gebracht (30.) – in einem lange schwierigen Spiel, das nicht richtig zur frischen englischen Abenteuerlust zu passen schien. Es lag nicht nur am gewonnenen Elfmeterschießen gegen Kolumbien: in der vergangenen Woche hatte sich noch einmal etwas verändert bei Southgate und seinem Team. Die ohnehin positive Stimmung hatte einen neuen Fokus bekommen, ein klares Ziel. England, das konnte man hören und spüren, war bereit, den Mantel der Fußballgeschichte zu ergreifen.

          Es war kein Übermut, sondern reiner Realismus. Seine junge Mannschaft, sagte Southgate, werde zwar in zwei Jahren besser sein. „Aber vielleicht bekommen wir diese Chance nicht wieder.“ Das englische Spiel in Samara allerdings folgte eher einem – von den Schweden aufgezwungenen – Zweckrationalismus. Sich von der Begeisterung womöglich hinwegreißen lassen, stand nicht auf Southgates Agenda.

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          Wenig Risiko, zu wenig Tempo, manche Ungenauigkeit – in einen Flow kamen die Engländer lange Zeit nicht. Sie hatten ihre erste gute Chance, als Kane Sterling Entscheidung und Ball abnahm, der Schuss ging einen knappen Meter vorbei (19.). Das Führungstor fiel humorlos: nach einer Standardsituation. Beim von Young getretenen Eckball war der 1,79 Meter große Forsberg der falsche Bewacher für den 14 Zentimeter längeren Maguire. „Wir haben das Spiel kontrolliert“, analysierte Maguire später treffend

          Die Engländer drängten nun auf das 2:0. Doch Sterling kam nicht an Torwart Olsen vorbei, der Nachschuss geriet, wieder mal, zu zögerlich (45.). Die zweite Hälfte begann mit einer Warnung für England. Beim Kopfball von Berg war Pickford gefragt. Als dann die schwedische Abseitsfalle versagte und Alli nach Flanke von Lingard einköpfte, schienen die Verhältnisse geklärt. Doch es bedurfte zweier herausragender Taten von Pickford, gegen Claesson (61.) und Berg (71.), um den Vorsprung zu halten. „Pickfords Vorstellung war superb und seine Rettungstat 20 Minuten vor dem Ende unglaublich", sagte Southgate.

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