https://www.faz.net/-gaq-9c0xe

1:2 gegen Belgien : Das nächste brasilianische Trauma

  • -Aktualisiert am

Da helfen keine Bitten: Neymar und Brasilien sind an Belgien gescheitert Bild: AP

Der Weltmeister kommt aus Europa, aus der Fußball-WM wird eine Europameisterschaft: Belgien schaltet Brasilien um Superstar Neymar und somit das letzte Team aus Südamerika aus. Belgien klettert somit auf den Favoritenthron.

          Auch vier Jahre nach dem 1:7-Untergang der brasilianischen Nationalmannschaft im Halbfinale der Weltmeisterschaft im eigenen Land hat sich die Selecao von diesem Rückschlag noch nicht erholt. Als es bei der WM in Russland am Freitagabend in Kasan erstmals wirklich galt für die bis dahin unbesiegten Südamerikaner, war das Turnier auch schon vorbei für den fünfmaligen Weltmeister.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Die taktisch und strategisch klügeren Belgier, ab sofort ein erster Kandidat auf den WM-Titel, siegten nicht unverdient 2:1 durch ein Eigentor von Fernandinho (13. Minute) und den Treffer des überragenden Kevin De Bruyne (31.). Der eingewechselte Renato Augusto verkürzte für die leicht favorisierten Brasilianer noch auf 1:2 (76.), ohne damit die Wende einleiten zu können. „Meine Mannschaft hat unglaublich gekämpft“, sagte Roberto Martinez, der spanische Trainer der Belgier. „Das ist etwas ganz Besonderes, diese Jungs verdienen es, in der Heimat als etwas ganz Besonderes gefeiert zu werden."

          Die Brasilianer dagegen konnten ihre Enttäuschung kaum in Worte fassen. „Es ist ein trauriger Tag. Das erste Gegentor hat uns ein bisschen aus dem Konzept gebracht", sagte der ehemalige Leverkusener Renato Augusto. „Wir müssen beide Seiten der Medaille sehen. Wir hatten ein tolles Match, mit viel Ballbesitz und guten Chancen. Aber Belgien hat es geschafft, Tore zu schießen. Sie waren effektiver“, sagte Brasiliens Trainer Tite. „Courtois hat für mich den Unterschied gemacht."

          Fussball-WM 2018

          Neben De Bruyne trugen auch Torhüter Courtois mit sehenswerten Paraden und der fleißige Mittelstürmer Lukaku sowie der ballsichere Eden Hazard zum bisher größten belgischen Erfolg bei einer WM seit 1986 bei. Wenn Belgien auch noch das Halbfinale am Dienstag (20 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM) in Sankt Petersburg gegen die gegen Uruguay erfolgreichen Franzosen gewinnt, winkt in dem nun rein europäischen Turnier sogar goldener Lohn im Moskauer WM-Finale am 15. Juli. Die am Ende dem Ausgleich sehr nahen Brasilianer müssen weitere vier Jahre warten, um bei einer WM wieder ins Rampenlicht rücken zu können. „Entscheidend waren die acht defensiven Leute, so konnten wir drei vorne wirbeln", sagte de Bruyne. "Die erste Halbzeit war nahezu perfekt."

          De Bruyne offensiver

          Zur Eröffnung dieses attraktiven Viertelfinalduells gelang Martinez gleich mal ein Schachzug mit Tiefenwirkung. Der Spanier ließ den in den bisherigen Spielen eher im defensiven Mittelfeld positionierten De Bruyne von der Leine. Der frühere Bundesligastar von Werder Bremen und des VfL Wolfsburg und heutige Spiellenker des englischen Meisters Manchester City durfte endlich von dort sein Spiel aufziehen, wo er sich am wohlsten fühlt: im zentralen Mittelfeld hinter den Spitzen. Das sollte schon bald Wirkung zeigen beim fünfmaligen Weltmeister, dem vor der Pause nur die Anfangsoffensive gehörte, als Brasilien die Belgier schon am eigenen Strafraum in Pressingsituationen verwickelte und unter Druck setzte. Paulinho und Jesús aber vergaben ihre Gelegenheiten eine Spur überhastet. Die beste Chance besaß Innenverteidiger Thiago Silva, der den Ball nach einem Eckstoß von Neymar per Oberschenkel gegen den Pfosten bugsierte (8.).

          Weitere Themen

          Besser sein als die Männer Video-Seite öffnen

          Snowboarderin Anna Gasser : Besser sein als die Männer

          Ihre spektakulären Sprünge haben Anna Gasser berühmt gemacht. Als erster Frau gelang ihr ein „Cab Triple Underflip 1260“. Ihr Ansporn: Sie will nicht nur die beste Snowboarderin sein, sie will auch den Männern Konkurrenz machen.

          Topmeldungen

          Geht es Arbeitnehmern wirklich so schlecht?

          Ausgebeutete Arbeitnehmer? : Der Markt ist klüger als die SPD

          Arbeitnehmer haben heute so viel Macht wie selten zuvor. So manchen Arbeitgeber treiben sie gar zur Verzweiflung. Nur: Wer sagt das jetzt den Sozialdemokraten? Die sprechen weiter von Gerechtigkeitslücken, die geschlossen werden müssen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.