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4:2 nach Elfmeterschießen gegen Holland : Argentinien bittet Deutschland zum Tango

  • -Aktualisiert am

Wahnsinn im Elfmeterschießen: Argentiniens Torwart Sergio Romero Bild: REUTERS

Deutschland trifft im WM-Finale auf Argentinien: Nach drögen 120 Minuten siegen die Südamerikaner im Elfmeterschießen gegen Holland. Held des Abends ist Torwart Romero, der zweimal hält.

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          Quälend lange hat es am Mittwochabend in São Paulo gedauert, ehe endlich feststand, mit wem es die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag (21.00 Uhr / Live in der ARD und im WM-Ticker bei FAZ.NET) beim Weltmeisterschaftsendspiel in Rio de Janeiro zu tun bekommen wird. Das große Los in einem freudlosen zweiten Halbfinale zog am Ende Argentinien, das zum dritten Mal nach 1978 und 1986 Weltmeister werden kann.

          Maxi Rodriguez trifft, Sergio Romero hält - Argentinien ist im Finale Bilderstrecke

          Die Mannschaft setzte sich nach einem 0:0 über 120 Minuten im Elfmeterschießen mit 4:2 durch, verwandelte alle vier Strafstöße und hatte in Torhüter Sergio Romero ihren Helden, der zwei Elfmeter der Niederländer durch Ron Vlaar und Wesley Sneijder parierte. Damit kann Argentinien am Sonntag die Tradition verteidigen, dass noch nie ein europäisches Team auf südamerikanischem Boden den Titel gewinnen konnte.

          Taktische Finesse und Variabilität

          Der Finalgegner aber brauchte sich vor dem Fernsehschirm keine akuten Sorgen zu machen. Nicht nur, weil das Team von Bundestrainer Joachim Löw tags zuvor Gastgeber Brasilien beim 7:1-Triumph in Belo Horizonte gedemütigt hatte, mehr noch weil den Argentiniern über die Dauer der WM die Offensivpower gefehlt hat, mit der man den Turnierfavoriten in Bedrängnis bringen könnte. Ob sich unter diesen Umständen ein attraktives Endspiel im Duell mit den deutschen Turnierfavoriten entwickelt?

          Ein atemraubendes Spektakel, wie es die Deutschen am Tag zuvor in Belo Horizonte in Szene gesetzt hatten, war in Sao Paulo von vornherein nicht erwartet worden. Das bedeutete aber nicht, dass sich beide Teams und das Publikum zunächst gelangweilt hätten. Die Niederlande unter Trainer Louis van Gaal und Argentinien unter Alejandro Sabella stehen bei diesem Turnier auch für taktische Finessen und Variabilität in allen Mannschaftsteilen. Das demonstrierten beide Mannschaften in einem Spiel der sich oft ändernden Formationen mit einer Konzentration, die 45 Minuten lang hüben wie drüben so beharrlich gewahrt wurde, dass sich niemand einen groben Schnitzer erlaubte.

          Robben versus Messi

          So sahen die Zuschauer ein ausgeglichenes Duell, in dem die Südamerikaner spielerisch leichte Vorteile besaßen, daraus aber auch keinen Funken schlagen konnten. Irgendetwas fehlte also in diesem vorzugsweise im Mittelfeld ausgetragenen Zweikampf zweier ausgefuchster Aufgebote.

          Der große Zweikampf zwischen den beiden vielleicht besten Spielern dieser WM, Arjen Robben (drei Tore) und Lionel Messi (vier), ließ in der ersten Halbzeit auch noch auf sich warten. Der niederländische Rechtsaußen, der beim FC Bayern München wie in der Elftal in dieser Spielzeit beständig für Glanz und Furore gesorgt hat mit seinen Tempoläufen wurde meist im Ansatz gebremst und aufgehalten, in der ersten Halbzeit, zählten die Statistiker gar nur sechs Ballkontakte für Robben. Messi, der aus dem Stand eher zu kurzen Sprints ansetzt, zeigte etwas mehr, ohne dabei wie so oft wenigstens einen Moment seiner großen Kunst am Ball auskosten zu können.

          Wenn Spitzenfußball zum Geduldsspiel wird

          Es wirkte noch zu vieles minimalistisch zwischen den auf ihre Konterchancen wartenden Niederländern und der gut ausbalancierten argentinischen Mannschaft, die jedes ihrer bisher fünf WM-Spiele mit gerade mal einem Törchen Vorsprung gewonnen und die Methode, aus wenig viel machen zu können, zum Stilprinzip erhoben hat.

          Das Spiel passte also zum herbstlichen Regenwetter: Es mutete in der ersten Hälfte ziemlich unterkühlt an. Also wärmten sich vor allem die argentinischen Fans mit ihren schönsten Kampfgesängen auf, da auch nach der Pause zunächst alles wie zuvor schien. Also spotteten die Argentinier über die Brasilianer und ihre Niederlage vom Vortag. Auf dem Rasen war es, als ob beide Mannschaften nach dem deutschen 7:1-Triumph über Brasilien demonstrieren wollten, dass Spitzenfußball manchmal auch zum Geduldsspiel wird, das allen Beteiligten viel Toleranz und ein gehobenes Maß an Genügsamkeit abfordert.

          Entschlossenheit im Elfmeterschießen

          Zuschauerfreundlich war das Lauern auf den einen Patzer und das Spekulieren auf die entscheidende Sekunde jedenfalls nicht. Diesem Hin und Her zweier Endspielkandidaten ohne Weltmeisterformat zuzusehen, wurde zusehends anstrengender. Es tat sich einfach zu wenig, abgesehen von dem einen oder anderen Zusammenprall der Köpfe, worunter vor allem der Argentinier Javier Mascherano und der Niederländer Daryl Janmaat litten.

          Da inzwischen die in den ersten 45 Minuten noch erkennbare Präzision im Zusammenspiel auch noch verloren gegangen war, verkam das etwas andere WM-Halbfinale zweier Spielverderber mehr und mehr zum öffentlichen Ärgernis. Einen Aufreger gab es dann doch noch kurz vor der Verlängerung, als sich Robben einmal in eine Torschussposition gebracht hatte und von Mascherano, dem besten Argentinier, in letzter Sekunde aufgehalten wurde.

          In der Verlängerung rafften sich beide Teams zunächst zu etwas mehr Action in ihren drögen Darbietungen auf, ohne es dabei zu übertreiben. Also musste an diesem Abend mit vielen Nullerträgen und wenig Risikobereitschaft das abschließende Elfmeterschießen logischerweise entscheiden. Und dabei zumindest zeigte Argentinien die Entschlossenheit, die dem Team zuvor über zwei Stunden abgegangen war. Wie 1986 in Mexiko-Stadt und 1990 in Rom wird die Weltmeisterschaft am kommenden Sonntag zwischen Argentinien und Deutschland entschieden werden.

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