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2:1 gegen Nigeria : Argentinische Achterbahn ins Achtelfinale

Einmal die Welt umarmen: Messi zeigt es mit seinem Tor allen Kritikern Bild: Reuters

Lange haben Argentinien und ihr Weltstar das vorzeitige Aus bei der Fußball-WM vor Augen. Die Erlösung gelingt erst wenige Minuten vor Schluss. Doch im Achtelfinale wartet nun der nächste Brocken.

          3 Min.

          Argentinien ist von den vielen Halbtoten dieser WM wiederauferstanden – spät, aber noch gerade rechtzeitig. Der Verteidiger Marco Rojo traf mit einem Volleyschuss in der 86. Minute zum 2:1-Sieg gegen Nigeria, der die nur vor der Pause überzeugenden Argentinier vor dem Aus in der Vorrunde bewahrte. Sie treffen nun im Achtelfinale auf Frankreich. Lionel Messi hatte den Favoriten mit seinem ersten Turniertor in Führung gebracht (15. Minute), Victor Moses mit einem Foulelfmeter ausgeglichen (48.).

          Fussball-WM 2018
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Wir werden Argentiniens beste Version sehen bei dieser WM“, hatte der schwer angezählte Trainer Jorge Sampaoli angekündigt. Das war auch nicht sehr schwer nach den schwachen Darbietungen gegen Island (1:1) und Kroatien (0:3). Doch diesmal hatte Sampaoli bei seinem Personalroulette einen wirklichen Treffer gezogen. Unter den fünf Spielern, die gegenüber der Blamage gegen die Kroaten neu ins Team kamen, war Enver Banega. Und der Stratege vom FC Sevilla zeigte Argentiniens Team bei seinem ersten WM-Starteinsatz neue Wege auf. Allerdings bedurfte es dazu auch eines Gegners, der sie freimachte.

          Als die Nigerianer nach einer von beidseitiger Nervosität und zahlreichen Fehlpässen geprägten ersten Viertelstunde mit ihrer Viererkette recht lose verteilt weit aufgerückt waren, trat Messi dynamisch an, fand das richtige Timing, mit dem er die Abwehr durchbrach, um nicht im Abseits zu sein, während Banega aus der eigenen Hälfte den langen Ball in den Lauf des Superstars schlug.

          Messi nahm den Ball gekonnt ohne Tempoverlust mit dem Oberschenkel an, nahm ihn mit dem linken Fuß mit und überwand aus halbrechter Position Torwart Francis Uzohu hoch mit einem Rechtsschuss ins lange Eck. Er ging auf die Knie und richtete die Augen und Hände zum Himmel, der in der gewaltigen weißen Dachkonstruktion des St. Petersburger Stadions nur ein kleines blaues Rechteck ist – ein weiß-blaues Bild, wie es auch die in deutlicher Überzahl auf den Rängen dominierenden Fans der „Albiceleste“ boten.

          Endlich, nach den Spielverderbern aus Island und Kroatien, ein Gegner, mit dem man spielen konnte. Die Nigerianer wirkten bis zur Pause harmlos, ohne Spannung, ohne Zug zum Tor – ohne all das, was Messi zum ersten Mal zeigte bei dieser WM. Nach 27 Minuten spielte er Gonzalo Higuaín an, der den Mittelstürmerposten von Sergio Agüero übernommen hatte – der Torjäger von Juventus Turin scheiterte im Eins-zu-eins-Duell an Torwart Uzoho, dem besten Nigerianer, der dabei vom Knie des Argentiniers getroffen wurde, nach längerer Behandlungspause aber weiterspielen konnte.

          Uzohu brauchte seinen klaren Kopf für die nächste brenzlige Situation. Nach 32 Minuten wieder ein feiner Steilpass von Banega, worauf der Mainzer Leon Balogun dem enteilten Angel di Maria, zurück ins Team rotiert, in die Hacken trat. Das bedeutete Gelb für den Verteidiger und Freistoß für den Superstar, in perfekter Position, halblinks, 18 Meter vor dem Tor. Messi zirkelt ihn links aufs lange Eck, vom Tor wegdrehend, aber wohl perfekt gezielt – wäre nicht Francis Uzohu mit den Fingerspitzen, vielleicht auch nur den Fingernägeln noch streifend herangekommen. So prallte der Ball vom Pfosten zurück.

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          Bis zur Pause hatten die matten Nigerianer Torwart Franco Armani, für den gegen Kroatien glücklosen Willy Caballero ins argentinische Tor gekommen, nicht ein einziges Mal ernsthaft prüfen können. Doch drei Minuten nach Wiederanpfiff schenkten die Argentinier ganz von allein den Ausgleich her. Ein Ball kam in den Strafraum, vier Argentinier waren in Ballnähe, kein Gegenspieler, trotzdem gaben sie eine Ecke her. Als sie hereinkam, klammerte Mascherano sich allzu offensichtlich an Balogun, der Mainzer stürzte zu Boden, der türkische Schiedsrichter Cuneyt Cakir entschied auf Elfmeter. Moses verwandelte sicher und zeigte zwei Flickflacks.

          Einem weiteren Elfmeter für Nigeria, als Rojo sich den Ball selbst an den Arm köpfte, verweigerte Cakir dagegen nach Ansicht der Videobilder die Anerkennung (75.) – er wertete das Handspiel als unabsichtlich.

          Sampaoli, dessen konsterniert wirkendes Team bis dahin in der zweiten Halbzeit keine Gefahr erzeugt hatte, zog die letzte Karte und brachte Agüero. Doch weder er traf noch Higuaín, der aus 14 Metern über das Tor schoss und den Torschrei zehntausender Weiß-Blauer ersterben ließ (80.). Nachdem Ighalo aus spitzem Winkel frei vor dem Torwart die Entscheidung für Nigeria verpasst hatte (82.), war es der nach vorn geeilte Verteidiger Rojo, der seinen Angreifern zeigte, wie es geht. Eine Flanke von rechts setzte er volley flach ins rechte Eck und wurde augenblicklich zum Fundament eines Turms aus menschlichen Leibern. Plötzlich konnte alle Argentinier nach dieser Befreiung nicht mehr voneinander lassen.

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