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1:1 gegen Russland : Algerien ist bereit zur „Rache“ für Gijon

  • Aktualisiert am

Held des Tages: Islam Slimani hat Algerien ins Achtelfinale geköpft Bild: REUTERS

1982 verhinderte ein deutsch-österreichischer Nichtangriffspakt Algeriens Weiterkommen bei der WM. 32 Jahre später hat Algerien als Gruppenzweiter von Gruppe H nun die Gelegenheit zur Revanche. Löw nennt den Gegner „unbequem“.

          32 Jahre nach der „Schande von Gijon“ bietet sich Algerien die Chance zur Revanche gegen Deutschland. Die Nordafrikaner schafften durch ein 1:1 (0:1) am Donnerstag im abschließenden Gruppenspiel gegen Russland in Curitiba den historischen Einzug ins WM-Achtelfinale und fordern nun am Montag (22.00 Uhr/live im F.A.Z.-Liveticker) in Porto Alegre die deutsche Nationalmannschaft heraus. Russland verpasste dagegen nach einer enttäuschenden Endrunde sogar sein Minimalziel und hat bis zur Heim-WM in vier Jahren noch viel Arbeit vor sich.

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          Vor 39.311 Zuschauern in Curitiba ebnete Islam Slimani den Nordafrikanern mit seinem Kopfballtor in der 60. Minute den Weg in die K.o.-Phase. Der Stürmer profitierte dabei von einem kapitalen Fehler des russischen Torhüters Igor Akinfejew, der eine Freistoßflanke unterschätzte. Der Keeper der Sbornaja, die früh durch Aleksander Kokorin in Führung gegangen war (6.), hatte schon im Auftaktspiel gegen Südkorea (1:1) böse gepatzt.

          Algerien mit sauberer Bilanz gegen Deutschland

          Damit kommt es im Achtelfinale zum pikanten Aufeinandertreffen Algeriens mit Deutschland. 1982 hatte ein „Nichtangriffspakt“ zwischen Deutschland und Österreich nach dem frühen 1:0 den Außenseiter trotz dessen 2:1-Auftaktsieges gegen die DFB-Auswahl noch aus dem Turnier befördert und für einen bitteren Beigeschmack gesorgt. Schon 1964 hatte Algerien am Neujahrstag in Algier gegen Deutschland 2:0 gewonnen und hat somit bei zwei Siegen in zwei Spielen die statistisch beste, allerdings auch nur bedingt aussagekräftige Länderspielbilanz aller Teams gegen Deutschland.

          Joachim Löw sieht in Algerien keine einfache Hürde auf dem Weg ins Viertelfinale.  „Bei einer Weltmeisterschaft gibt es keine
          Wunschgegner, auch keine einfachen Gegner, schon gar nicht in den
          K.-o.-Spielen“, sagte der Bundestrainer. „Dass die Algerier unbequem sind, haben sie bewiesen.Wir werden uns gut vorbereiten und freuen uns auf das Achtelfinale in Porto Alegre.“

          Torwart Manuel Neuer zollte dem künftigen Gegner Respekt: . „Man kennt ja die nordafrikanischen Mannschaften“, sagte er.  „Sie sind sehr agil, sie rennen rauf und runter, sind auch vom Einsatz her da. Am Ball können sie eigentlich alles.“

          Auch bei Algerien rechnet man mir einem spannenden Spiel gegen Deutschland und richtet den Blick bereits nach vorne. „Das wird hart. Deutschland ist sehr gut, sehr kompakt. Aber wir wollen gewinnen“, sagte der Spieler Nabil Bentaleb.

          Angefeuert von rund 7000 algerischen Fans schaffte die Mannschaft von Trainer Vahid Halilhodzic mit Leidenschaft und Einsatzbereitschaft das Weiterkommen - spielerisch konnte die Mannschaft jedoch nicht glänzen.

          Gegen Russland, das nach dem Führungstor wieder in seine defensive Spielweise verfiel, reichte es aber trotzdem. Das frühe WM-aus dürfte die Diskussionen um dessen Starcoach Fabio Capello weiter befeuern. Der Trainer machte den Schiedsrichter für das Ausscheiden seiner Mannschaft verantwortlich: „Ich bin enttäuscht. Ich rede nicht gerne über die Schiedsrichter, aber es wurde wieder ein Elfmeter nicht gegeben. Ich verstehe es nicht. Warum sind alle Schiedsrichter gegen uns?

          Russland führt

          Dabei hätte das Spiel für Algerien kaum schlechter beginnen können. Nach einer Flanke von Dimitri Kombarow stieg der 23 Jahre alte Jungstar Kokorin am höchsten und traf unhaltbar für Rais M’Bohli per Kopf ins Tor. Kokorin gehörte bereits in den ersten beiden Spielen zu den Lichtblicken. Die Nordafrikaner, die in der Phase wegen einer Kopfverletzung von Sofiane Feghouli in Unterzahl agierten, benötigten eine gute Viertelstunde um sich von dem Schock zu erholen. Dann aber übernahm Algerien die Kontrolle, richtiger Spielfluss kam bei den schlechten Platzverhältnissen aber nicht auf. Am gefährlichsten war das Team von Vahid Halilhodzic noch bei Kopfbällen von Slimani, der zweimal Russlands Keeper Igor Akinfejew prüfte (29. und 43.). Ansonsten versuchte es noch einmal Yacine Brahimi aus der Distanz (35.).

          Auf der Gegenseite sorgte Oleg Schatow mit einem 20-Meter-Schuss vor der Pause für Gefahr (26.). Kein hochklassiges, aber ein spannendes Spiel sahen die Zuschauer auch im zweiten Durchgang. Dabei hätte Aleksander Samedow nach Doppelpass mit Kokorin für die Vorentscheidung sorgen können, doch M’Bohli war zur Stelle. So ging der Schuss nach hinten los, wenngleich die Algerier meist nur bei Standards gefährlich waren. Und ein Freistoß auf Slimani, dem Unruheherd der Algerier, sorgte schließlich für den Ausgleich. Es war der Startschuss für eine packende Schlussphase. Die Russen legten ihre defensive Spielweise und drängten auf das erneute Führungstor. Doch die ganz großen Chancen gab es nicht mehr.

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