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Portugals 3:3 gegen Spanien : „Er ist der beste Spieler der Welt“

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Drei Treffer mitten ins spanische Herz: Cristiano Ronaldo war der Mann des Spiels beim 3:3 zwischen Portugal und Spanien. Bild: EPA

Drei Treffer gegen den großen Rivalen Spanien: Cristiano Ronaldo war der Mann des Spiels beim sehenswerten Remis zwischen dem Europameister von 2016 und dem Weltmeister von 2010. Mit seinem ersten Tor gelingt ihm zudem eine weitere großartige Leistung.

          Das Duell der Nachbarn von der iberischen Halbinsel hatte zwar Spannung versprochen, aber dass Spanien und Portugal im schwülwarmen Sotschi phasenweise derart mitreißenden Fußball bieten würden, war allein wegen der Ereignisse in den vergangenen Tagen nicht unbedingt zu erwarten – vor allem nicht von der WM-Mannschaft, die vorab für die meisten Schlagzeilen sorgte.

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          Spanien ließ sich vom Trainerwechsel kaum beirren, musste sich jedoch trotz Überlegenheit mit einem 3:3 gegen Portugal – oder besser gegen Cristiano Ronaldo – begnügen. Als erst vierter Spieler nach Pelé, Uwe Seeler und Miroslav Klose erzielte Ronaldo auch bei seiner vierten WM-Teilnahme ein Tor. „Ich habe immer an mich geglaubt. Dafür arbeite ich seit vielen Jahren. Wir haben uns dem Kampf gestellt. Wir wollen bis zum Ende dabei sein“, sagte der Dreifach-Torschütze nach dem Spiel. Abwehrspieler Cedric fügte an, Ronaldo gebe der Mannschaft „eine unglaubliche Sicherheit. Er ist der beste Spieler der Welt, das hat er nochmals allen bewiesen.“

          Der Europameister von 2016 überzeugte spielerisch hauptsächlich in der Anfangsphase, zählt jedoch dank der drei Tore seines Superstars weiter wie auch der Gegner zu den Favoriten auf den Turniersieg. Die Spanier hinterließen den reiferen Eindruck, hielten auch im ersten Spiel unter Interimstrainer Fernando Hierro ihre Serie und sind nun seit 21 Partien ungeschlagen. Am Freitag schafften sie es, durch Diego Costa (24., 55.) zweimal einen Rückstand aufzuholen, ehe Nacho (58.) sogar die Führung gelang. Aber am Ende stand die Schuss-Kunst von Ronaldo (4., 44., 88.) dem Sieg im Weg.

          Vor dem Anstoß war bekannt geworden, dass sich der 33-Jährige im Verfahren der Steuerhinterziehung mit der spanischen Behörde geeinigt hatte. Das zuständige Gericht bestätigte, dass der Profi eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung erhält. Zudem muss er 18,8 Millionen Euro nachzahlen. Ronaldo soll sich in vier Steuerdelikten schuldig bekennen. Die Bewährungsstrafe versuchen Ronaldos Anwälte in einer Geldstrafe umzuwandeln. Ronaldo wird Steuerhinterziehung von 14,7 Millionen Euro vorgeworfen. Er soll Einnahmen aus Bild- und Werberechten über ein verzweigtes Firmennetzwerk mit Sitzen auf den britischen Jungferninseln und in Irland am Fiskus vorbeigeschleust haben. Am Abend machte er nicht den Eindruck, als würde ihn die juristische Angelegenheit über Gebühr irritieren.

          Es war viel spekuliert worden nach dem spanischen Trainerwechsel kurz vor Beginn der WM, wie sehr die Entlassung von Julen Lopetegui (nachdem Real Madrid dessen Verpflichtung bekannt gegeben hatte) und die folgende Installierung des Verbands-Sportdirektor Hierro als Chefcoach die Konzentration der Spieler beim Debüt beeinträchtigen würde. Es waren knapp drei Minuten gespielt, da schien sich anzudeuten, dass die Aufregung der Verfassung der Mannschaft nicht zuträglich gewesen sein könnte: Ronaldo setzte sich zum ersten Mal in Szene, womöglich angestachelt von den Pfiffen der spanischen Fans.

          Er bewies schon bei seiner zweiten Ballberührung, warum sich der Gegner vor allem ihn als Feindbild ausgesucht hatte. Ronaldo drang mit Tempo in den Strafraum ein und wollte an seinem Madrider Klubkollegen Nacho vorbei. Der Spanier stellte ihm jedoch ein Bein – und Ronaldo fiel formvollendet zu Boden. Den fälligen Strafstoß übernahm der Kapitän selbst und dabei ließ er Torhüter David de Gea keine Chance.

          Das erwartete Top-Duell: Von Beginn an lieferten sich beide Mannschaften packende Zweikämpfe. Bilderstrecke

          Die Spanier fingen sich nach dem Schock des Rückstands schnell, kombinierten sich fortan sicher durchs Mittelfeld und manchmal auch bis in den Strafraum. Portugal konterte geschickt, aber ohne Glück. Einmal scheiterte Goncalo Guedes (17.), danach Bruno Fernandes (22.). Abgesehen von Andres Iniestas Solo auf der linken Seite mit anschließendem Pass in die Mitte zu David Silva, dessen Schuss aber abgeblockt wurde, kam Spanien vorerst nicht wie erhofft voran, dafür klappte es rustikal: Diego Costa erkämpfte sich im Duell mit Pepe den Ball, wobei er den Verteidiger mit dem Arm am Hals traf. Anschließend tanzte er Jose Fonte aus und schoss zum 1:1 ein. Weil für den Video-Schiedsrichter – anders als für die Portugiesen und neutrale Zuschauer – offensichtlich kein Foul vorlag, zählte der Treffer. Kurz danach schoss Isco den Ball mit Wucht an die Querlatte, von dort sprang er auf, aber nicht hinter die Linie.

          Die Portugiesen standen nun sehr tief, sie kamen kaum einmal mehr zu Vorstößen. Dass sie trotzdem mit einem 2:1 in die Pause gingen, verdankten sie dem spanischen Torhüter: Ronaldo zog aus 17 Metern ab, allerdings weder hart noch plaziert – de Gea ließ ihn durchrutschen (45.). Die schmeichelhafte Führung hielt nur kurz, dann vollendete Costa einen von Silva getretenen Freistoß zum 2:2, wenig später merzte Nacho sein Missgeschick gegen Ronaldo wieder aus – mit einem satten Volleyschuss aus 16 Metern. Der Ball sprang vom linken Innenpfosten an den rechten und dann zum 3:2 ins Tor. Damit nicht genug: Ein sehenswerter Freistoßtreffer von Ronaldo beendete kurz vor Schluss in einer unterhaltsamen Partie, die Lust auf mehr machte, den spanischen Traum vom Auftakterfolg.

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