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2:1 gegen Kolumbien : Brasilien gewinnt - und verliert Neymar

WM-Aus: Neymar kann nicht mehr weiterspielen wegen eines Wirbelbruchs Bild: AFP

Der deutsche Halbfinalgegner heißt Brasilien. Der Gastgeber setzt sich mit 2:1 gegen Kolumbien durch. Allerdings muss er gegendie DFB-Elf auf Neymar verzichten, der einen Wirbelbruch erleidet. Auch Kapitän Thiago Silva fehlt am Dienstag.

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          Als im Dezember vergangenen Jahres die Gruppen dieser Weltmeisterschaft ausgelost worden waren, war eines schnell klar gewesen. Im Halbfinale könnte es zu einem traumhaften Aufeinandertreffen kommen – zwischen dem WM-Gastgeber Brasilien und dem deutschen Team. Und nun, nach dem schwer erkämpften 2:1-Sieg der Brasilianer im Viertelfinale gegen Kolumbien, wird es am Dienstag in Belo Horizonte (22.00 Uhr / Live im WM-Ticker bei FAZ.NET) tatsächlich zu diesem Schlagerspiel kommen.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Zuschauer in Fortaleza feierten den Halbfinaleinzug ihrer Mannschaft zwar frenetisch, aber spielerisch überzeugen konnten ihre Lieblinge in diesem Kampfspiel nicht. Am Ende rettete sich Brasilien über die Zeit, muss aber gegen Deutschland auf Superstar Neymar verzichten. Der 22 Jahre alte brasilianische Offensivspieler erlitt bei einem bösen Tritt des Kolumbianers Zuniga per Knie in den Rücken kurz vor Schluss einen Wirbelbruch am dritten Lendenwirbel. Ersten Meldungen zufolge werde er von der Verletzung in absehbarer Zeit genesen, aber nicht vor Ende des WM-Turniers. Die Ausfallzeit wird auf vier bis sechs Wochen geschätzt Zudem wird auch Kapitän Thiago Silva fehlen, der seine zweite Gelbe Karte sah.

          Brasilien ist im Halbnfinale: Dem Himmel sei Dank - und Torschütze David Luiz Bilderstrecke
          Brasilien ist im Halbnfinale: Dem Himmel sei Dank - und Torschütze David Luiz :

          Neymar oder James Rodríguez – welcher der beiden Superstars würde diesem Spiel seinen Stempel aufdrücken? Das schien die Frage vor dieser Partie zu sein, doch die frühe Antwort war dann überraschend. Es war nämlich Thiago Silva, der dieser Begegnung eine erste Richtung gab, als er schon nach sieben Minuten zur brasilianischen Führung traf. Die Art und Weise aber, wie dieser Treffer zustande kam, legte den Verdacht nahe, dass die kolumbianische Abwehr bei der Videovorbereitung entweder nicht genau zugeschaut hatte oder Trainer Pekermann diese Szene übersehen hatte.

          Denn wie schon im Achtelfinale war ein Eckball von Neymar, diesmal allerdings ohne Kopfballverlängerung, an den hinteren Pfosten geflogen, und dort durfte sich der brasilianische Kapitän über ungewöhnlich viel Freiraum freuen. Aus fünf Metern drückte er den Ball über die Linie, weil Kolumbiens Mittelfeldspieler Carlos Sanchez überhaupt nicht reagiert hatte.

          Auch in der Folge aber spielten weder Neymar noch James Rodríguez eine so dominante Rolle wie in den Spielen zuvor – beide schienen gut abgeschirmt und konnten sich nur selten in Szene setzen. Wer Fußballzauber zwei südamerikanischer Mannschaften erwartet hatte, musste sich getäuscht sehen, allerdings traten ja auch eher fast zwei komplette Europa-Auswahlen gegeneinander an: 19 der 22 Spieler in der Anfangsformation spielen in Spanien, Frankreich, Italien, England oder Russland, und nur weil der gesperrte Wolfsburger Luiz Gustavo zusehen musste, fehlte zunächst die deutsche Note.

          Auf dem schwer bespielbaren Rasen wurde statt mit Spielkunst mit großer Kampfkraft und Leidenschaft agiert, und fast folgerichtig wurde der bullige Hulk zum auffälligsten Spieler der Brasilianer. Der Stürmer von Zenit St. Petersburg vergab allerdings die einzige Chance, die durch einen Spielzug zustande kam, als er nach einem Doppelpass mit Neymar an Ospina scheiterte.

          Der kolumbianische Torhüter stand in der wild geführten ersten Halbzeit mehrfach im Mittelpunkt, in der der spanische  Schiedsrichter Velasco erstaunlicherweise ohne Gelbe Karte auskam. Brasiliens Schlussmann Júlio César musste nur kurz nach der Führung eingreifen, als Cuadrado ihn von der Strafraumgrenze prüfte. So sehr sie sich auch mühten, zu mehr gefährlichen Offensivaktionen kamen die Kolumbianer gegen die neuformierte brasilianische Abwehr zunächst nicht, in der Dani Alves seinen rechten Außenposten an Maicon verloren hatte.

          Kapitän fehlt im Halbfinale

          Nach dem Wechsel war dann auch die Bundesliga mit im Spiel – der Neu-Dortmunder Ramos verstärkte den Angriff der Kolumbianer. Viele Fouls verhinderten allerdings weiterhin größeren Spielfluss – die erste Gelbe Karte verteilte Velasco aber, als Thiago Silva einen schnellen Abschlag von Torwart Ospina verhinderte. Diese Verwarnung aber hat Folgen – der brasilianische Kapitän wird gegen Deutschland fehlen.

          Alles aber schien für den Beginn der großen Party auf den Rängen bereitet, als mit David Luiz auch der zweite Innenverteidiger getroffen hatte. An einem Tag, an dem Neymar nicht besonders viel gelang, durfte auch der 50-Millionen-Einkauf von Paris St. Germain einen Freistoß treten – normalerweise ist dies nur dem Superstar vorbehalten. Doch sein Stellvertreter tat das in der 69. Minute aus fast dreißig Metern so gekonnt, dass Ospina vergeblich flog. Die Zuschauer feierten ihre Mannschaft schon enthusiastisch, aber James Rodríguez wurde zum Stimmungstöter. Erst spielte er Bacca im Strafraum frei, der von César gefoult wurde – den fälligen Elfmeter (80.) nutzte er dann selbst zum Anschlusstreffer.

          So wurde es inklusive Nachspielzeit eine lange Viertelstunde für die brasilianische Mannschaft, die versuchte, dieses 2:1 über die Zeit zu retten. Es hätte noch schwerer werden können, wenn der Schlussmann für seine Notbremse die mögliche Rote Karte gesehen hätte. So aber gelang es schließlich, auch wenn kurz vor Ende der regulären Spielzeit Neymar nach einem Foul von Zuniga, der ihm mit dem Knie in den Rücken gesprungen war, vom Platz getragen werden musste. Brasilien wird sich nun erst einmal sammeln müssen.

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