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2:0 gegen Mexiko : Neymar führt Brasilien ins Viertelfinale

  • -Aktualisiert am

Auf Schultern getragen: Neymar wird von Paulinho erhöht Bild: AFP

Guter Neymar, schlechter Neymar: Beim cleveren 2:0 der Brasilianer gegen Mexiko zeigt der Star, was in ihm steckt. Als Torschütze und Vorbereiter, aber auch als Diva.

          Wenn sich Brasilien und Mexiko bei Fußball-Weltmeisterschaften begegnen, gibt es für die beste Nationalmannschaft Mittelamerikas nichts zu gewinnen. So auch am Montag in Samara, als die Südamerikaner wie gehabt zu Null gewannen und sich durch Neymars (51. Minute) und Firminos Treffer (88.) erwartungsgemäß in diesem Achtelfinalspiel der Fußball-Weltmeisterschaft durchsetzten.

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          Dank einer über weite Strecken der zweiten Hälfte überzeugenden Leistung empfahl sich der Rekordchampion beim 2:0-Erfolg als einer der ersten Anwärter auf den am 15. Juli in Moskau zu erobernden Titel. Erst einmal aber muss Brasilien am Freitag in Kasan sein Viertelfinale im Duell mit Belgien gewinnen.

          Vor allem Neymar und Willian glänzten an diesem verheißungsvollen Spätnachmittag von Samara vor rund 20.000 Fans der Selecao. Mexiko schied wie fast immer bei Weltmeisterschaften im Achtelfinale aus, trug aber gleichwohl viel zum gehobenen Unterhaltungswert dieser Begegnung bei.

          Angst vor der Fußball-Übermacht Brasilien haben die Mexikaner schon lange nicht mehr. Wer sechs der vergangenen neun Duelle mit dem fünfmaligen Weltmeister gewonnen hat, hat keinen Grund, sich zu verstecken. Und so bestimmten die Mittelamerikaner die ersten 25 Minuten mit ihrem auf Balleroberungen abzielenden Konterfußball, zu dem auch lange Bälle auf die geschwinden Flügelstürmer Lozano und Vela gehörten. Die große Gelegenheit für den Außenseiter, in seiner stärksten Phase vorzulegen, bot sich aber nicht. Mexikos starker Torwart Ochoa meinte: „Wir waren nach vorne unglaublich gefährlich, an der einen oder anderen Stelle hat uns die Präzision gefehlt.“ Die Brasilianer ließen sich bei allen offensiven Bemühungen von „El Tri“ nicht aus der Ruhe und der Reserve locken. Sie warteten auf den zündenden Moment, der die Verhältnisse verändern würde. Er kam aber erst nach der Pause.

          Brasilien zog das Tempo an, erhöhte den Druck, und sofort wuchs die Gefahr für die bis dahin nicht aus dem Lot gebrachten Mexikaner. Coutinhos Warnschuss (48.) konnte der gute Ochoa noch parieren, doch gegen den Führungstreffer Neymars war er machtlos. Der bei dieser WM von Spiel zu Spiel stärker werdende Angreifer leitete ihn persönlich ein – mit einem zauberhaften Hackenpass auf Willian, der den Ball anschließend so scharf vor Ochoas Tor spielte, dass ihn der herangerauschte Neymar nur noch über die Linie drücken musste.

          Der Titelkandidat hatte ein erstes Ausrufezeichen in dem nun von ihm bestimmten Spiel gesetzt. Wäre nicht Ochoa ein so reaktionsschneller Rückhalt seines Teams gewesen, es hätte rasch 2:0 oder 3:0 für Brasilien stehen können. So aber parierte er die Gewaltschüsse von Paulinho (59.) und Willian (64.). Da auch die Mexikaner bei ihren Gelegenheitsattacken zu erkennen gaben, dass sie sich in Samara nicht einschüchtern lassen wollten, gewann diese Auseinandersetzung zusehends an Qualität.

          Schnelle Beine: Wehe, wenn Neymar auf Touren kommt Bilderstrecke

          Die Brasilianer aber demonstrierten immer ansehnlicher, warum sie vier Jahre nach der 1:7-Halbfinalniederlage gegen Deutschland bei der WM im eigenen Land unter ihrem neuen Trainer Tite wieder auf festen Beinen stehen. Das galt für ein, zwei Minuten nicht im Fall Neymar, der von Layun am Fuß getroffen wurde (71.), sich danach aber heftig am Boden wälzte, als seien ihm gerade sämtliche Bänder gerissen. Der gute Schiedsrichter Rocco aus Italien fiel auf die schlechte Schauspieleinlage des in der Rolle des angetäuschten Schmerzensmanns nicht überzeugenden Neymar nicht herein und verwarnte Layun nicht. „Natürlich ist es furchtbar, wenn man einen Tritt bekommt. Das darf er nicht machen“, klagte der Brasilianer nach dem Spielende sichtlich gereizt. „Der Tritt war unsportlich. Sie haben schon vor dem Spiel zu viel gemeckert. Jetzt fahren sie nach Hause.“ Mexikos Trainer Osorio konterte nicht weniger scharf: „Es ist eine Schande für den Fußball“, sagte der kolumbianische Trainer von „El Tri“. „Das ist ein schlechtes Beispiel für die ganze Welt und all die Kinder vor dem Fernseher. Es sollte nicht so viel Schauspielerei geben.“

          Den besseren Neymar hatte das Publikum zuvor aber doch noch einmal gesehen, als der mal verspielte, mal divenhafte Star das 2:0 durch den eingewechselten Roberto Firmino formvollendet vorbereitete und der Torschütze den Ball nur noch ins Netz zu schieben brauchte. „Die Mannschaft ist für dieses tolle Spiel zu beglückwünschen“, kommentierte Neymar. „Man muss auch mal etwas einstecken können, das haben wir gezeigt. Wir haben eine hervorragende Abwehr, das ist unser Rückhalt.“

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