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1:0 gegen Marokko : Portugals einziges Konzept heißt Ronaldo

Hat nun schon vier Tore in zwei Spielen geschossen: Cristiano Ronaldo Bild: dpa

Marokko wirbelte, spielte aggressiv und gefällig, doch ganz vorne fehlte es an der Durchschlagskraft. Durch die Niederlage gegen Portugal ist die WM für die Nordafrikaner bereits vorbei. Wie es anders geht, zeigte Cristiano Ronaldo.

          Cristiano Ronaldo war gut drauf. Das hier ist meine WM, verriet seine Körpersprache schon in den Katakomben. Er klatschte Ballkinder ab, munterte Mitspieler auf, beulte beim Aufwärmen ein paar Mal das Netz aus, sang dann angemessen ergriffen die portugiesische Hymne. Und zeigte, keine vier Minuten nach Anpfiff des Spiels gegen Marokko, das, worauf es bei aller Show, allem Spektakel, allen Nebengeräuschen um „CR7“ wirklich ankommt, auch bei dieser Weltmeisterschaft. Mit einem wuchtigen Kopfball erzielte er den Treffer zum 1:0-Sieg des Europameisters Portugal und zu seinem vierten Turniertreffer.

          Fussball-WM 2018
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Damit ereilte Marokko schon am Mittwochnachmittag das sportliche Schicksal, als erste Mannschaft der Weltmeisterschaft 2018 ausgeschieden zu sein. Das letzte Gruppenspiel gegen Spanien kann daran nichts mehr ändern. Letztlich wurde den Nordafrikanern das späte Eigentor von Aziz Bouhaddouz, Stürmer des FC St. Pauli, beim 0:1 im ersten Spiel gegen Iran zum Verhängnis. Gegen Portugal mussten die Marokkaner sich nichts vorwerfen, außer vielleicht ihrer Abschlussschwäche und außer diesem einen schläfrigen Moment nach vier Minuten.

          Sie versuchten alles, spielten munter nach vorn, waren nicht die schlechtere Mannschaft. Nur hatten sie keinen Ronaldo. Der bekam es beim Siegtor ausgerechnet mit einem Marokkaner zu tun, der auch im portugiesischen Team hätte stehen können. Verteidiger Manuel da Costa hat einen portugiesischen Vater und spielte in den Jugend-Auswahlmannschaften für Portugal, entschied sich dann aber, der besseren Nominierungschancen wegen, für das Land seiner Mutter zu spielen. Beim Eckball sollte er Ronaldo decken, ließ sich aber, als João Moutinho nach einer kurzen Ecke flankte, mit einem kleinen Haken vom Weltstar narren und abhängen. Vier Minuten später bediente der Dortmunder Raphael Guerreiro Ronaldo am rechten Strafraumeck, der schoss aus 16 Metern und verfehlte das lange Eck knapp. Ein Ronaldo-Freistoß in die Mauer (32.) und ein Ronaldo-Pass auf Goncalo Guedes, der am flink ausgestreckten Arm von Torwart Monir El Kajoui nicht vorbeikam (39.) – das war die komplette Offensivausbeute des „Weltfußballers“ vor der Pause und damit die komplette der recht einfallslos agierenden Portugiesen.

          Aggressivität, Technik und Wille, aber keine Tore

          Die Marokkaner spielten etwas phantasievoller, fanden aber nie die nötige Durchschlagskraft. Am ehesten kam sie zunächst noch vom rechten Flügel durch Noureddine Amrabat, der nach 17 Minuten den Kopfschutz, mit dem er aufgelaufen war und der ihn wie einen Jockey hatte aussehen lassen, entnervt wegwarf und mit unbedeckter Glatze ein wenige Offensivglanz verbreitete. Nach einem Zweikampf mit Gueirrero reklamierte er vergeblich Elfmeter. Sein Trainer Herve Renard forderte energisch die Konsultation des deutschen Videoassistenten Felix Zwayer, erhielt vom amerikanischen Schiedsrichter Mark Geiger aber nur eine ernste Ermahnung.

          Die wacklige Abwehr der Portugiesen rettete sich in die Pause, nachdem in der Nachspielzeit der frühere Münchner Medhi Benatia die Kopfballverlängerung von Younes Belhanda knapp verpasste. Und hangelte sich nach Wiederanpfiff vor allem bei hohen Hereingaben nach Freistößen und Ecken des starken Hakim Ziyach von einer Verlegenheit in die andere. Die bis dahin beste Ausgleichschance durch einen Kopfballaufsetzer von Belhanda vereitelte Torwart Rui Patricio mit glänzender Parade (57.). Nach dem nächsten Freistoß schoss Benatia über das Tor (61.) und köpfte beim übernächsten vorbei (78.).

          Als Ziyach in der Schlussminute zwei Mann ausspielte und den Ausgleich auf dem Fuß hatte, streifte sein Schuss den Verteidiger Pepe und wurde davon über das Tor gelenkt. In der Nachspielzeit war es noch einmal Benatia, der nach einer Ecke über das Tor schoss. Es ist seit über hundert Jahren 7,32 Meter mal 2,44 Meter groß, war aber für die Marokkaner bei dieser Weltmeisterschaft zu klein.

          Und Ronaldo? Ein Schuss in die Wolken, ein Freistoß in die Mauer und ein Sturz im Strafraum mit vergeblichem Fordern eines Videobeweises – das war die Gesamtausbeute, die der Weltstar der Welt nach der Pause gönnte. Und damit auch die seines Teams. Portugal hatte ein einziges Konzept, es trug die Nummer sieben. Gegen diesen Gegner war das noch genug.

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