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Spanien im Finale : Eine runde Nation

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Fußball vereint: Spanien präsentiert sich vor dem WM-Finale so einig wie selten Bild: dpa

Vor dem Finale der Fußballweltmeisterschaft zeigt sich die spanische Nation so einig wie selten. Sogar in Bilbao sind die roten Trikots ausverkauft. Die nach Unabhängigkeit strebenden Katalanisten hatten indes am Samstag ihren großen Tag mit einer Kundgebung, an der mehr als eine Million Menschen teilnahmen.

          Es gab am Sonntag nicht viele Orte im spanischen Vielvölkerstaat, die sich erfolgreich zur patriotismusfreien Zone erklärten. Das katalanische Girona und das baskische Hernani gehörten mit Einschränkungen dazu. Wenigstens behaupteten dort separatistische Provinzpolitiker, dass ihnen das Endspiel jener „fremden“ spanischen Nationalmannschaft im fernen Südafrika völlig einerlei sei. In der Praxis bedeutete das aber nur, dass mancher vorsichtige Nachbar einfach den Ton seines Fernsehers leiser stellte, um diskret zu genießen und sich dabei nicht als bis in die Seele verdorbener „Españolist“ zu entlarven.

          Ansonsten war die Nation rund wie selten. Sogar aus Bilbao wurde berichtet, dass in den Geschäften die roten Trikots ausverkauft seien. Mancher eloquente Sportler trug seinen Teil zu dem Kickerfest der Einheit bei. Da war der clevere Torwart Iker Casillas, den die Zusammensetzung der Mannschaft an einen gelungenen „gemischten Salat“ erinnerte. Da war der milde Trainer Vicente del Bosque, der sagte, dass man einen solchen Teamgeist doch „dem ganzen Land wünschen“ würde. Und wer, außer ganz verblendeten Regionalnationalisten, wollte Carles Puyol, der die Spanier gegen Deutschland ins Finale geköpft hatte, noch immer diesen „Akt von Landesverrat“ vorwerfen? Denn Puyol war ja nicht der einzige Katalane in del Bosques Aufgebot. Sieben der 24 nominierten Spieler zählten dazu. Der halbe FC Barcelona rannte im Hemd der „Roten“. Und wer da sagte, dass eine katalanische Nationalmannschaft es auch allein weit bringen könnte, hatte irgendwo recht.

          Doch selbst in Barcelona zeigte sich verschämt auf manchem Balkon eine gelb-rote spanische Fahne, die immerhin die gleichen Farben hat wie katalanische „Senyera“. Auch der Bürgermeister Jordi Hereu, der den Fans während des gesamten vorangegangenen Turniers die Freuden des sogenannten Public Viewing verwehrt hatte, ließ sich am letzten Tag dazu bewegen, doch noch ein paar Großleinwände im Freien aufzustellen.

          Mehr als eine Million Katalanisten demonstrierten am Wochenende gegen das Urteil des Verfassungsgerichts

          Die beleidigten Katalanisten, denen das spanische Verfassungsgericht vor knapp zwei Wochen den Rang einer rechtsgültigen eigenständigen „Nation“ abgesprochen hatte, hatten indes am Samstag ihren großen Tag mit der größten Kundgebung in der Geschichte der Region. Mehr als eine Million Menschen versammelten sich unter einem Fahnenmeer und dem Motto „Wir sind eine Nation. Wir entscheiden“, um dagegen zu protestieren, dass das Gericht nach vierjährigen Beratungen ihr neues Autonomiestatut in einigen Punkten beschnitt.

          Ein katalanischer „gemischter Salat“ auf den Straßen

          Politisch gesehen war es ein katalanischer „gemischter Salat“, der da auf die Straße ging. Darin fanden sich eher gemäßigte Separatisten wie die ehemaligen Ministerpräsidenten Jordi Pujol und Pasqual Maragall, harte Katalanisten wie der Parteivorsitzende von Esquerra Republicana Joan Puigcercós, der ohne Umschweife die volle Unabhängigkeit forderte, und der ungelenke Balancekünstler und gegenwärtige sozialistische Regierungschef José Montilla – ein „hereingeschmeckter“ Andalusier.

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