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Kroatien im WM-Viertelfinale : Japan verzweifelt an Livaković

Kroatiens Torhüter Dominik Livaković hielt drei Elfmeter der Japaner. Bild: Reuters

Es war kein berauschendes Fußballfest, dafür Spannung über 120 Minuten. Erst im Elfmeterschießen kegelt Kroatien Deutschland-Bezwinger Japan aus dem Wettbewerb. Im Viertelfinale wartet wohl ein schweres Los.

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          Die Einschaltquoten unter deutschen Nationalspielern dürften sich auf kaum messbarem Ni­veau bewegt haben. Japan als Gruppenerster im Achtelfinale gegen Kroatien, während man selbst zu Hause auf dem Sofa sitzt, das hätte sich wohl kaum einer träumen lassen vor dieser Weltmeisterschaft. Falls doch jemand aus Verlegenheit oder Versehen am Montag im Nachmittagsprogramm zugeschaltet haben sollte, wird sich das Vorrunden-Aus nach dem 1:2 zum Auftakt gegen Japan bestimmt noch bitterer angefühlt haben. Denn Fußball zum Fürchten war es nicht, was da auf beiden Seiten gespielt wurde und nach ei­nem 1:1 nach 90 Minuten in die erste Verlängerung dieser WM ging. Daizen Maeda hatte Japan von 42.500 Zuschauern im Stadion al-Janoub in Führung gebracht (43. Minute), Ivan Perišić (55.) ausge­glichen.

          Fußball-WM 2022
          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Weil danach trotz kroatischer Vorteile nichts Nennenswertes mehr passierte, stand Elfmeterschießen auf dem Spätprogramm. Das wurde zu einer klaren Sache für Kroatien, Torwart Dominik Livaković parierte die Strafstöße Nummer eins (Minamino), zwei (Mitoma) und vier (Yoshida), sodass sich der WM-Zweite von 2018 einen Pfostenschuss von Livaja leisten konnte, Pasalic setzte den Schlusspunkt zum 3:1. „Es ist der Instinkt und eine Analyse der Schützen“, sagte der 27 Jahre alte Torhüter von Dinamo Zagreb zu seinen drei Paraden. „Es waren keine perfekten Elfmeter, ich konnte sie gut parieren.“ Schon in Russland vor vier Jahren hatten sich die Kroaten als Spezialisten für Sonderschichten erwiesen, auf dem Weg ins Finale gingen sie zweimal ins Elfmeterschießen und einmal in die Verlängerung – dass der Weg diesmal ähnlich weit führen könnte, er­scheint allerdings schwer vorstellbar. Im Viertelfinale am Freitag geht es gegen Brasilien (im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM 2022 in Qatar und im ZDF).

          Die Japaner konnten ihren Überraschungserfolgen gegen Deutschland und Spanien hingegen keinen weiteren hinzufügen, auch, weil sie nach gutem Beginn zunehmend der Mut verließ. Der Sprung unter die letzten Acht bei einer WM blieb ihnen damit auch im dritten Anlauf nach 2010 und 2018 verwehrt. „Das Resultat ist unglücklich für uns. Aber die Spieler können zuversichtlich sein, weil sie auf der größten Bühne mitgehalten haben. Ich hoffe, sie machen so weiter. Der japanische Fußball kann weiter wachsen“, sagte Japans Nationaltrainer Hajime Moriyasu.

          Das Duell mit Beteiligung eines Bundesliga-Sextetts – Endo (Stuttgart), Doan (Freiburg), Kamada (Frankfurt), Yoshida (Schalke) sowie Kramaric (Hoffenheim) auf der einen und Gvardiol (Leipzig) auf der anderen Seite – begann auf mäßigem WM-Niveau mit Vorteilen für Japan. Das Team war defensiver auf- und eingestellt, aber gut organisiert und durchaus druckvoll auf dem Weg nach vorn. Nach drei Minuten erreichte eine Flanke von Endo in der Mitte Taniguchi, doch dessen Kopfball ging vorbei. Nach zwölf Minuten verpasste Maeda eine Hereingabe von Ito hauchzart, und dann bot sich auch Kamada die Gelegenheit, doch nachdem er Lovren aussteigen ließ, schoss er über das Tor.

          Die Kroaten hatten viel den Ball, konnten aber nur ab und an etwas damit anfangen. Zuerst war es Perišić, der nach einem Ausrutscher von Tomiyasu freie Bahn hatte, aber aus spitzem Winkel an Torwart Gonda scheiterte, nach einer knappen halben Stunde verpasste Kramaric eine Hereingabe. Kurz vor der Pause schlugen die Japaner dann doch zu. Nach einer kurz ausgeführten Eckballvariante von rechts schlug Doan den Ball vor das Tor, dort kam Yoshida vor Petkovic an den Ball, der wiederum vor den Füßen von Meaeda landete; aus kurzer Distanz hatte er keine Mühe.

          Kroatiens Torschütze Ivan Perisic
          Kroatiens Torschütze Ivan Perisic : Bild: dpa

          Nach der Pause erhöhten die Kroaten den Druck, das Tor zum 1:1 fiel dann aber wie aus dem Nichts. Lovren hatte einen Moment zu viel Zeit, aus dem Halbfeld zu flanken, der Ball erreichte Perišić punktgenau, dessen Kunst bestand darin, aus zwölf, dreizehn Metern per Kopf zu treffen. Danach bestimmten die Kroaten das Geschehen und hatten mehrmals die Möglichkeit, in Führung zu gehen. Inzwischen waren Asano (Bochum) neu für Japan und auf der anderen Seite Kramaric nicht mehr im Spiel. Ins letzte Risiko wollte zusehends keines der Teams mehr gehen. In der Verlängerung war nach knapp 100 Minuten für Modrić und Kovačić Schluss, Japan fand etwas von seinem Mut der Anfangsphase wieder und hatte noch eine gute Chance durch Mitoma (105.), dessen Schuss saß aber ebenso wenig wie der letzte der Kroaten durch Majer (120.).

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