https://www.faz.net/-gtl-7red7

Scolari nimmt Schuld auf sich : „Schlimmste Niederlage aller Zeiten“

  • Aktualisiert am

Luiz Felipe Scolari: „Das Ergebnis fällt auf mich zurück“ Bild: AP

Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari entschuldigt sich beim brasilianischen Volk für das Debakel gegen Deutschland, meint aber auch: „Das Leben geht weiter, auch mein Leben geht weiter.“

          2 Min.

          In seiner bittersten Stunde hatte Luiz Felipe Scolari rot geränderte und feuchte Augen, aber Brasiliens Nationaltrainer wahrte die Fassung - und zeigte Größe. „Das ist die schlimmste Niederlage aller Zeiten. Das Ergebnis fällt auf mich zurück, ich bin der Verantwortliche“, sagte der 65-Jährige nach dem Halbfinal-Desaster des WM-Gastgebers gegen Deutschland unverblümt. Und ergänzte: „Dem brasilianischen Volk möchte ich sagen: Bitte entschuldigt diese Niederlage!“

          Selten hat der Herr mit dem grauen Schnauzer und der blauen Trainingsjacke so verloren ausgesehen am Spielfeldrand wie am Dienstagabend im Estádio Mineirão, als seine Mannschaft mit 1:7 unterging. Scolari wurde nach dem Abpfiff von deutschen Spielern wie Bastian Schweinsteiger getröstet, und schon in diesem Moment wusste „Felipão“, der „große Felipe“, genau, was die Brasilianer künftig mit seinem Namen verbinden würden. Den WM-Triumph von 2002, natürlich, aber jetzt erstmal für vielleicht viele Jahre das „Mineirazo“ von Belo Horizonte, das neben dem „Maracanazo“ einen Platz in der Historie des fußballverrücktesten Landes der Welt eingehen wird.

          Vergleichbar mit dieser Pleite wird nur die WM 1950 sein, als Brasilien mit dem 1:2 gegen Uruguay in der letzten Partie zu Hause den Titel verspielte. „Vielleicht wird es in die Geschichte eingehen, dass ich die schlimmste Niederlage für Brasilien zu verantworten habe“, erklärte Scolari. „Es war eine fürchterliche, eine katastrophale Niederlage, die schlimmste Niederlage aller Zeiten. Aber wir müssen lernen, damit umzugehen.“

          Richtig mitgezählt hat er: sieben Stück haben sein Jungs kassiert

          Die Superlative für das Desaster lieferte der Chefcoach selbst, wohlwissend, dass in den nächsten Tagen einiges auf ihn und sein Team einprasseln wird. Eine große Erklärung suchte er erst gar nicht. Nach dem frühen 0:1 und dann vier Toren in sieben Minuten - „da hatten wir die Kontrolle verloren“. Welche Rolle es gespielt habe, dass Superstar Neymar fehlte? Scolari schüttelte den Kopf. „Es gibt nicht irgendeinen Grund zu glauben, dass mit Neymar alles anders gewesen wäre. Der ist Stürmer, der ist nicht hinten.“

          „Der schlimmste Tag meines Lebens“

          Statt 200 Millionen Brasilianern den Traum vom sechsten WM-Titel, vom „Hexacampeão“, zu erfüllen, geriet der Abend zu einem einzigen Alptraum für den WM-Gastgeber. „Wenn ich zurückblicke auf mein Leben als Fußballspieler, als Trainer und als Sportlehrer, dann war das heute der schlimmste Tag meines Lebens.“

          So bleibt Vittorio Pozzo, der 1934 und 1938 mit Italien triumphierte, weiter der einzige Chefcoach, der zweimal mit einer Mannschaft Weltmeister wurde. Eineinhalb Jahre hatte Scolari standhaft und humorvoll die enormen Erwartungen Brasiliens für die Heim-WM getragen, einmal sogar im Scherz gesagt: „Wer war der letzte Trainer, der mit Brasilien die Weltmeisterschaft gewonnen hat? Ich. Wenn ich die WM diesmal nicht gewinne, dann werde das noch immer ich sein.“

          Auch wenn Brasilien am Samstag in Brasilia noch um den dritten Platz spielt: Scolaris Mission ist beendet. Sein Vertrag läuft - wie es beim brasilianischen Fußball-Verband (CBF) mittlerweile üblich ist - nach dem Endrundenturnier aus. Carlos Alberto Parreira, Weltmeistermacher von 1994, Technischer Direktor und Scolaris enger Vertrauter, glaubt nicht, dass dieser danach wieder ein Traineramt übernimmt. Er werde sich künftig wohl seiner Familie widmen. Scolaris Schwiegertochter erwartet den ersten Enkel für „Felipão“.

          Zu seiner Zukunft äußerte sich Scolari nicht. „Das Leben geht weiter, auch mein Leben geht weiter“, meinte er.

          Weitere Themen

          Dortmund muss auf Barcelona hoffen Video-Seite öffnen

          BVB in der Champions League : Dortmund muss auf Barcelona hoffen

          Dienstagabend geht es für Borussia Dortmund darum, ob das Team von Lucien Favre die Gruppenphase übersteht. Momentan punktgleich mit Inter Mailand, jedoch mit dem schlechteren Torverhältnis, muss der BVB auf ein gutes Ergebnis des FC Barcelonas bei den Italienern hoffen.

          Stuttgart dreht das Spiel dank Gomez

          3:1 gegen Nürnberg : Stuttgart dreht das Spiel dank Gomez

          Durch zwei nicht gegebene Stuttgarter Tore hatte das Spiel einen Hauch von Déjà-vu. Doch auch dank Mario Gomez dreht Stuttgart das Spiel und gewinnt gegen den 1. FC Nürnberg. Die Franken dagegen kriseln weiter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.