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Schlechte TV-Quoten bei WM : „Turnier wird in Deutschland nicht so gut angenommen“

  • Aktualisiert am

Kein Straßenfeger: Deutschland traf im ersten WM-Spiel auf Japan. Bild: dpa

Weniger als zehn Millionen TV-Zuschauer sehen beim ersten WM-Spiel der Nationalelf gegen Japan zu. Selbst Partien zur besten Sendezeit werden kaum eingeschaltet. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

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          Die ganz große Euphorie löst die WM in Deutschland bislang nicht aus. Scheinbar haben viele Fußball-Fans den Aufruf „Boycott Qatar“ ernst genommen und wollen nicht allzu viel mit diesem Turnier in Berührung kommen. Zumindest zeigt dies ein Blick auf die TV-Einschaltquoten. Die liegen seit Beginn auf einem mäßigen Niveau. Selbst das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft verfolgten keine 10 Millionen Zuschauer in der ARD.

          9,23 Millionen. So viele Menschen schalteten, um genau zu sein, am Mittwochnachmittag bei der 1:2-Pleite gegen Japan ein, um mit Hansi Flick und seinem Team mitzufiebern. Das entspricht zwar einem Marktanteil von 59,7 Prozent, doch die Zahlen liegen meilenweit hinter vergleichbaren Werten von früheren Weltmeisterschaften.

          „Bisher ist das Zuschauerinteresse deutlich geringer als sonst bei einer Fußball-WM“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky dem Sport Informations Dienst. „Das letzte Mal, dass ein WM-Spiel mit deutscher Beteiligung weniger als 10 Millionen Zuschauer gesehen haben, ist über 30 Jahre her.“ Dies zeige, dass „das Turnier in Deutschland nicht so gut angenommen wird". Allerdings haben auch „viele Menschen“ das deutsche Spiel im Stream verfolgt. Zudem überträgt auch MagentaTV alle Partien live. Allerdings machen ihnen die Quoten „sehr nachdenklich“, so Balkausky.

          Fußball-WM 2022

          Eine endgültige Bilanz zum Zuschauerinteresse werde das Erste nach der Fußball-WM ziehen. Balkausky: „Es liegen ja noch dreieinhalb Sendewochen vor uns bis zum Finale, in denen sich das Interesse, abhängig natürlich auch vom Erfolg des DFB-Teams, durchaus noch steigern kann. Große Sprünge erwarte ich allerdings nicht mehr.“

          Vor vier Jahren in Russland hatten das 0:1 zum Auftakt gegen Mexiko in Moskau noch 25,97 Millionen (Marktanteil: 81,6 Prozent) im ZDF gesehen. Das EM-Finale der Frauen-Nationalmannschaft im Sommer verfolgten durchschnittlich 17,9 Millionen und damit fast doppelt so viele wie nun die Männer.

          Die Gründe dafür sind vielschichtig. Neben der ungewohnten Jahreszeit, die eigentlich für einen durchschnittlich höheren Fernsehkonsum steht, überlagern politische Themen die Sportveranstaltung.

          „Die ersten drei WM-Tage im ZDF waren geprägt vom Spagat zwischen der angemessenen Berichterstattung über die ersten Gruppenspiele und der Aufbereitung der kritischen Themen rund um dieses Turnier“, sagte ZDF-WM-Teamchef Christoph Hamm. Die massive Diskussion um die „One Love“-Binde löste scheinbar ebenfalls bei vielen ohnehin schon kritischen Fans noch mehr Unmut aus.

          Fussball-WM 2022

          Die niedrigen Zahlen hatten sich aber bereits abgezeichnet. Nur das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Qatar und Ecuador (0:2) knackte an den ersten vier Tagen die Fünf-Millionen-Marke. Selbst der Auftakt des Titelverteidigers Frankreich gegen Australien (4:1) zur besten Sendezeit lockte nur 4,96 Millionen Fans vor die Fernsehgeräte. Dies waren knapp drei Millionen weniger als beim reichweitenschwächsten Spiel zur gleichen Zeit 2018.

          Bezeichnend war aber der Montag. Während zur besten Sendezeit im ZDF das Duell zwischen den USA und Wales (1:1) zu sehen war, erzielte die ARD selbst mit einer Krimi-Wiederholung von 2013 eine höhere Einschaltquote und Reichweite.

          Das ZDF jedenfalls gibt noch nicht auf und setzt die Hoffnungen in den zweiten Auftritt der deutschen Mannschaft am Sonntag gegen Spanien (20.00 Uhr MEZ, im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und MagentaTV). „Dieser Fußball-Klassiker in der Primetime dürfte weiteren Aufschluss geben, wie dieses Turnier bei den deutschen Fernsehzuschauerinnen und -Zuschauern angenommen wird“, sagte Hamm, der auf „stark gestiegene“ Abrufzahlen der Event-Livestreams verwies. Balkausky hingegen erwartet keine „großen Sprünge“ mehr, auch wenn noch „dreieinhalb Sendewochen vor uns liegen“.

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