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Walter Eschweiler im Gespräch : „Man sollte sich als Schiedsrichter nicht zu ernst nehmen“

Walter Eschweiler bei der WM 1982: „Die Rolle rückwärts war perfekt, an der Rolle vorwärts arbeiten wir noch.“ Bild: Picture-Alliance

Er war die „Pfeife der Nation“ und erlangte bei der WM 1982 mit seiner „Diplomatenrolle“ unfreiwillig Kultstatus. Schiedsrichter Walter Eschweiler im Gespräch über Peru, den Videobeweis und einen Anruf in der Halbzeit.

          2 Min.

          Als Schiedsrichter genoss Walter Eschweiler in den 1980er Jahren Kultstatus. Weltweit berühmt wurde die „Pfeife der Nation“ durch eine unfreiwillige Diplomatenrolle im WM-Spiel zwischen Peru und Italien 1982.

          Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Peru denken?

          Die Rolle rückwärts war perfekt, an der Rolle vorwärts arbeiten wir noch.

          Sie sind bei der WM 1982 von dem peruanischen Spieler José Velásquez umgerannt worden. Nun sind die Peruaner zum ersten Mal seit damals wieder bei einer WM dabei. Was raten Sie dem Schiedsrichter?

          Ach wissen Sie. Dieses Vorkommnis, wie es mir damals widerfahren ist, kann jedem Spieler und jedem Schiedsrichter in jedem Spiel widerfahren. Da haben sich damals die Laufwege von Velásquez und meiner Wenigkeit unglücklich gekreuzt. Und dann ist man hingefallen. Aber man steht ja direkt wieder auf.

          Sind Sie oft darauf angesprochen worden?

          Hunderttausend Mal. Das bringen sie auch immer wieder im Fernsehen. Ist ja auch eine köstliche Szene.

          Walter Eschweiler: „Die Leute wollen das Spiel sehen, nicht den Schiedsrichter“

          Ärgert es Sie, dass von Ihrer erfolgreichen Schiedsrichter-Karriere hauptsächlich diese Slapstick-Nummer in Erinnerung geblieben ist?

          Nein. Überhaupt nicht. Das nehme ich mit rheinischem Humor und voller Gelassenheit. Man sollte sich als Schiedsrichter ohnehin nicht zu ernst nehmen. Die Zuschauer kommen ins Stadion und wollen das Spiel sehen, nicht den Schiedsrichter. Wenn er nicht zu sehen war, war er am besten.

          Nun hat der Schiedsrichter auf dem Platz aber eine neue Konkurrenz durch eine Art Oberschiedsrichter bekommen. Was halten Sie von dem Videobeweis?

          Wenn der Videobeweis dem Fairplay dient, ist er in Ordnung. Wir haben aber gesehen, dass das noch nicht so klappt wie gewünscht. Da muss noch an den Details gearbeitet werden.

          Stört es Sie, dass der Mann auf dem Platz die Hoheit der Entscheidung abgenommen bekam?

          Aber die hat er doch noch. Der Schiedsrichter entscheidet immer noch in letzter Konsequenz. Nur hat er nun noch die Möglichkeit eines Videostudiums dazu bekommen. Aber sicherlich kam es in der abgelaufenen Saison zu Situationen, die konnte man nicht verstehen. Und es gab Entscheidungen, die waren nicht nachvollziehbar. Da steht der Schiedsrichter drei Meter daneben und entscheidet nach bestem Wissen auf Elfmeter, und dann kommt der Ruf aus Köln und es heißt, zwanzig Sekunden vorher sei etwas anderes schief gelaufen und dann wird der Mann auf dem Platz zurückgepfiffen. Das ist ärgerlich für alle Beteiligten.

          Entwarnung bei Außenminister Genscher: „Keine weiteren Folgen zu beklagen.“

          Sind Sie selbst noch als Schiedsrichter aktiv?

          Ja sicher, ich pfeife noch Promi-Spiele in aller Welt. Ich trainiere ja auch noch wie zu Bundesligazeiten.

          Wie werden Sie die WM in Russland verfolgen?

          Möglicherweise vor Ort. Das hängt aber noch von der großpolitischen Wetterlage ab.

          Sie sind immer noch im diplomatischen Dienst tätig?

          Es ist nun so, mir macht die Tätigkeit noch Freude. Man kann den Menschen und dem Fußball dienen und wenn ich gebraucht werde, bin ich da. Wissen Sie, dass mich bei dem angesprochenen Peru-Spiel Außenminister Genscher, mein damaliger Dienstherr, in der Halbzeitpause angerufen hatte, um sich nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen?

          Was haben Sie ihm geantwortet?

          Ich habe ihm geantwortet: „Lieber Herr Minister, außer dem eingebauten rheinischen Dachschaden sind keine weiteren Folgen zu beklagen.“

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