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Powersätze für Ahnungslose : So bluffen Sie sich durch die WM

Jetzt bloß nichts Falsches sagen. Und nicht den Müller auswechseln. Bild: Wonge Bergmann

Alle reden vom Fußball, nur Sie haben keine Ahnung? Verzagen Sie nicht! Wir haben Ihnen die schönsten Bemerkungen zusammengetragen, die Sie nebenbei fallenlassen können, ohne sich zu blamieren.

          Wenn die Fußball-WM beginnt, verschmelzen Freunde und Kollegen in der Kantine, in der Kaffeeküche oder vor dem Livestream wieder einmal zu Deutschlands größtem Trainerkollektiv. Wer dann nicht mitreden kann, für den beginnen einsame Zeiten. Wir verstehen das, uns geht es ebenso. Deshalb haben wir bei den Kollegen vom Sport nachgefragt und uns die schönsten Klugscheißersätze notiert, mit denen Sie garantiert immer gut dastehen. Wichtig ist nur, dass diese Sätze mit wissender Abgeklärtheit und innerem Schulterzucken vorgebracht werden müssen, denn man hat es ja immer schon gewusst, im Gegensatz zu den Leuten da auf dem Rasen, denen die richtige Vogelperspektive fehlt. Also: Keine Berührungsängste bei Sportvokabeln, einfach dazustellen und mitreden.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Andrea Diener

          „Ein Duell auf Augenhöhe.“

          Einsatz: Ein Allrounder, aber besonders gut eignet sich der Spruch für die Spiele der kleinen Unbekannten. Sie geraten in eine Bar, in der gerade Bosnien-Herzegowina gegen Iran läuft? Ihre Freunde verpflichten Sie, das Spiel Südkorea gegen Ecuador anzuschauen? Mit diesem Satz sind Sie gerüstet.

          Erklärung: Unabdingbar ist natürlich der richtige Blick zu diesem Spruch: Bierglas absetzen, gewichtig die Leinwand mustern und dann lässig mit dem Satz punkten.

          „Ob 4-4-2 oder 4-2-3-1 – Hauptsache, die Doppelsechs steht.“

          Einsatz: Vor dem Spiel oder zu Beginn des Spiels, wenn die Mannschaftsaufstellung eingeblendet wird.

          Erklärung: Fußball-Fans lieben Zahlen, deshalb ist dieser Satz schon etwas für den Fortgeschrittenen. Wer also mit Hardcore-Fans unterwegs ist, sollte wissen: Die Nummer sechs war ursprünglich die feste Trikotnummer des defensiven Mittelfeldspielers. Der ist für den Spielaufbau wichtig und fängt die Angriffe des Gegners ab. Im Falle von Deutschlandspielen kann die Doppelsechs gern mit den richtigen Namen unterfüttert werden, das sind bei uns Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger.

          „Deutschland ist halt eine Turniermannschaft.“

          Einsatz: Ab dem ersten Spiel der Deutschen.

          Erklärung: Egal, ob sich die Hälfte der deutschen Mannschaft noch kurz vor Abflug verletzt gemeldet hat, am Ende stand noch immer ein gutes Team auf dem Feld. Es verliert vielleicht eines der ersten Spiele, rappelt sich aber im Laufe der WM wieder auf und wird mit jedem Spiel immer stärker. Die Brasilianer waren vielleicht vor einem halben Jahr in Topform, aber „Deutschland ist …“ – genau, Sie wissen schon. Auf den Punkt topfit eben.

          „Man darf nur nie den Müller auswechseln.“

          Einsatz: Beim Auswechseln.

          Erklärung: Wenn Thomas Müller läuft, läuft auch das Spiel. Wird er ausgewechselt, kippt es. Als er bei der WM 2010 im Halbfinale gesperrt war, ging alles schief. Und wenn es läuft, so wurde uns glaubhaft versichert, dann liegt das eigentlich immer am Müller.

          „Den Lahm kann Löw ja überall einsetzen.“

          Einsatz: Bei der Mannschaftsaufstellung, wenn Lahm gezeigt wird. Beim Einwechseln, wenn Lahm gezeigt wird. Beim Spiel, wenn Lahm gezeigt. Kurzum, Philipp Lahm sollte irgendwie zu sehen sein. Sie wissen nicht, wer Lahm eigentlich ist? Suchen Sie nach der Trikotnummer 16.

          Erklärung: Philipp Lahm ist das Schweizer Taschenmesser unter den Nationalspielern, nämlich vielseitig einsetzbar. Er spielte schon als rechter Außenverteidiger, als linker Außenverteidiger und macht sich auch gut im defensiven Mittelfeld. Mit Lahm kann man nichts falsch machen.

          „Hauptsache, die Frisur sitzt.“

          Einsatz: Ist einer der Spieler verletzt? Haben die Deutschen ein Tor gefangen? Und wurde Müller auch schon ausgewechselt? Dann ist das Ihr Spruch.

          Erklärung: Sie kennen doch Jogi Löw. Das ist der mit den schicken Haaren aus der Nivea-Werbung. Seit David Beckham ist es für Fußballer zwar völlig in Ordnung, Wert auf ihr Äußeres zu legen. Aber dem Bundestrainer unterstellt man gern, die Haare schöner als die Mannschaft zu haben.

          „Alles, nur nicht Italien.“

          Einsatz: Wenn es um die Gegner für die K.O.-Runden geht.

          Erklärung: Italien ist Deutschlands Angstgegner Nummer eins, und das zu Recht: Bisher ist die Nationalmannschaft in jedem Turnier gegen Italien ausgeschieden. Für die Intonation des Satzes gibt es zwei Varianten: Unheilschwanger oder mit vor Entsetzen zitternder Stimme.

          „1:0 reicht doch, so sind die Spanier Weltmeister geworden.“

          Einsatz: Wenn die eigene Mannschaft das erste Tor schießt.

          Erklärung: Tatsächlich gelang es Spanien bei der letzten WM, sich mit dem Minimalaufwand von viermal 1:0 in allen K.O.-Spielen zum Weltmeistertitel durchzukicken. Diese Aussage lässt sich mit dem sogenannten Stevens-Axiom (nach dem niederländischen Trainer Huub Stevens) zur Erlangung gesteigerter Credibility ergänzen: „Die Null muss stehen“, also kein Gegentor das schöne Ergebnis trüben. (Wichtig ist dabei natürlich, dass die Null steht.)

          „Es ist  noch nie eine europäische Mannschaft auf dem amerikanischen Kontinent Weltmeister geworden.“

          Einsatz: Wenn europäische Mannschaften spielen, vor allem in den Finalspielen.

          Erklärung: Fußballfans denken sich immer gern wirre Naturgesetze zurecht, wenn die Logik versagt. Wenn man eine Niederlage nicht mit Trainerversagen, Tagesform und Schiedsrichter erklären kann oder will, dann ist eben der Kontinent schuld.

          Zum Schluss geben wir Ihnen noch zwei Sprüche mit auf den Weg, mit denen Sie immer richtig liegen:

          „Wir müssen aggressiver gegen den Ball spielen.“

          Einsatz: Immer, wenn die gegnerische Mannschaft besser ist.

          „Bei der Hitze kein Wunder.“

          Einsatz: Immer. Egal, was gerade gezeigt wird. Auch, wenn es die obligatorischen Bilder von Mädchen am Strand von Ipanema sind.

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