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Portugal demütigt die Schweiz : Ohne Ronaldo platzt der Knoten

  • -Aktualisiert am

Mann des Abends in Lusail: Goncalo Ramos erzielt drei Tore gegen die Schweiz. Bild: EPA

Portugal erreicht triumphal das WM-Viertelfinale: Gegen überforderte Schweizer sitzt der alternde Superstar Cristiano Ronaldo lange auf der Bank. Goncalo Ramos vertritt ihn spektakulär.

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          Eine der großen Diskussionen, die in der ersten Phase dieses Turniers geführt wurden, drehte sich um eine Frage, die alle CR7-Anbeter und vermutlich auch der Anführer dieses Kultes als eine gemeine Form der Blasphemie empfunden haben müssen.

          Ist es tatsächlich denkbar, dass die Nationalmannschaft Portugals ohne Cristiano Ronaldo besser ist als mit dem mittlerweile 37 Jahre alten Weltstar auf dem Rasen? Mancher Fan hoffte, dass Ronaldo selbst die Antwort geben würde, in Form vieler Tore.

          Doch es waren die Mitspieler, die beim entfesselten 6:1-Sieg der Portugiesen im Achtelfinale über die Schweiz für Klarheit sorgten: Ja, Portugal spielt derzeit reifer, dominanter und souveräner wenn Ronaldo auf der Bank sitzt und das Publikum nur mit Einblendungen auf den Videoscreens zum Kreischen bringt.

          Fußball-WM 2022

          Den Platz des vereinslosen und in allerlei Streitigkeiten verwickelten Stürmers hatte nämlich Goncalo Ramos eingenommen, und der wurde mit drei Treffern, einer Torvorlage und etlichen weiteren guten Aktionen zur dominierenden Figur dieses Spiels.

          Nach 17 Minuten erzielte Ramos mit einem trockenen Abschluss aus acht Metern in den kurzen Winkel das 1:0, in der 23. Minute musste Yann Sommer im Tor der Schweizer einen weiteren Schuss des Angreifers von Benfica Lissabon halten (23.), bevor Ramos kurz vor der Pause seine dritte gute Möglichkeit hatte.

          Nachdem Pepe eine Ecke zum 2:0 ins Tor geköpft hatte (33.), zerstörte Ramos nach 51 Minuten auch die letzten Hoffnungen der Schweizer, indem er einen Querpass von Diogo Dalot aus kurzer Distanz zum 3:0 durch Sommers Beine stocherte.

          So viel Energie und auch Gefahr wie Ramos in den 73 Minuten vor seiner Auswechslung hatte Ronaldo in keiner Sekunde des bisherigen Turniers ausgestrahlt. Allerdings spielte Ramos gegen Schweizer, die überhaupt keinen Weg in dieses Spiel hineinfanden. Granit Xhaka rannte im Mittelfeld permanent hinterher, die Stürmer Xherdan Shaqiri und Breel Embolo erhielten kaum Anspiele, über die Flügel entstand kein Druck und in der Defensive passierten gruselige Fehler.

          Ronaldo jubelt auf der Bank

          Fabian Schär hatte schon bei Ramos‘ 1:0 schlecht verteidigt, bevor er beim 2:0 abermals eine Mitschuld trug. Mehr als ein Törchen von Manuel Akanji nach einem Eckball (58.), als schon alles verloren war, brachten sie nicht zu Stande.

          Schon vorher hatten die Eidgenossen nämlich beim 0:4 ihre ganze rechte Abwehrseite entblößt, Borussia Dortmunds Raphael Guerreiro nutzte den Raum für sein erstes Turniertor (51.), der Vorlagengeber: Ramos. Ronaldo sah sich das alles von der Bank aus an, jubelte mit seinem Kollegen auch über Ramos‘ 5:1 (67.) und vielleicht machte er sich auch ein paar Gedanken über sein Verhalten.

          Seine Versetzung auf die Bank war wohl auch eine Reaktion auf seine angebliche Beschwerde nach einer Auswechslung im Spiel gegen Südkorea. Das habe ihm „ganz und gar nicht“ gefallen hatte Trainer Fernando Santos gesagt, und jede weitere Äußerung vermieden. Alles andere werde „intern geklärt“. Nun war die Konsequenz klar.

          Erst in der 73. Minute wurde Ronaldo dann doch ins Spiel geschickt, nachdem das Publikum immer wieder seinen Namen gerufen hatte. Aber das einzige Tor in dieser Phase mit CR7 auf dem Platz schoss Rafael Leao (90.+2). Selbst die Rückendeckung der Portugiesen in der Heimat scheint der alternde Profi mittlerweile verloren zu haben.

          In einer Umfrage der Zeitung „La Bola“ stimmten 70 Prozent der Teilnehmer der Forderung zu, Ronaldo nicht mehr aufzustellen. Die Portugiesen haben sich mit diesem Spiel tatsächlich über all den Ronaldo-Ärger, der wie ein dunkler Schatten über dem WM-Projekt liegt, hinweggesetzt und befinden sich plötzlich inmitten eines ganz wunderbaren Turniers. Ronaldos WM-Epos geht damit noch mindestens ein Spiel lang weiter, aber eine Hauptrolle wird er eher nicht mehr übernehmen.

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