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Paolo Guerrero : Ein wahrer Boulevardprofi aus Peru

  • -Aktualisiert am

Paolo Guerrero (rechts) leidet unter dem vorzeitigen WM-Aus Perus. Bild: AFP

Auch wenn das Vorrunden-Aus schon nach zwei Spielen feststeht, ist die WM-Teilnahme ein großer Erfolg für Peru. Maßgeblich dafür ist Paolo Guerrero, der schon für einige handfeste Skandale sorgte.

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          Als Paolo Guerrero 2002 als 18-Jähriger von Alianza Lima zum FC Bayern München wechselte, galt er als das größte peruanische Talent, sogar als eines der größten Talente Südamerikas. Der FC Bayern hatte mit Claudio Pizzaro den besten Peruaner im Sturm, den das Land jemals hatte, und der junge Paolo galt zu Hause schon als sein Nachfolger.

          Fussball-WM 2018

          Guerrero entwickelte sich im Regionalliga-Kader der Bayern, seine 21 Tore in 23 Spielen waren der Beweis dafür, dass er es nach oben schaffen könnte. Aber für ganz oben reichte es für den „Plünderer“, wie er in seiner Heimat genannt wird, nicht. Bei den Profis wurde er meist nur als Joker eingesetzt, und obwohl er immer wieder entscheidende Tore erzielte, entschied sich der FC Bayern, den 1,85 Meter großen Mittelstürmer für 2,5 Millionen an den Hamburger SV zu verkaufen. In der Hansestadt wurde aus dem netten Peruaner von nebenan ein wahrer Boulevardprofi. In seinen sechs Jahren erzielte er zwar 51 Tore in 183 Spielen, aber die meisten Schlagzeilen machte er durch handfeste Skandale.

          2009 war Guerrero in Peru bei einer Länderspielreise unterwegs. Gegen Ecuador drehte er durch, als die Fans ihn als „schwul“ verspotteten, eine beliebte Beleidigungsformel in Südamerika. Beim nächsten Länderspiel gegen Uruguay musste er mit Rot vom Platz, als er einen Elfmeter verschuldete und anschließend den Schiedsrichter wüst beschimpfte. Sechs Spiele Sperre waren die Konsequenz. Ein weiteres Problem: Guerreros panische Flugangst stellte den HSV vor große Probleme. Immer wieder musste er Flüge abbrechen oder stieg erst gar nicht ein, einmal musste ein Flugzeug seinetwegen sogar nach halber Strecke umdrehen.

          Kurz nach der Rückkehr gleich der nächste Skandal: Nach einem 0:0 gegen Hannover verlor Guerrero wieder die Nerven und warf seine Trinkflasche auf einen Fan. Die Flasche traf den Fan am Kopf, und Guerrero erhielt eine Sperre von fünf Spielen, dazu eine Strafe von 100.000 Euro, die er ohne Murren akzeptierte. Im März 2012 dann eine ganz hässliche Szene, als Guerrero den damaligen Torhüter des VfB Stuttgart, Sven Ullreich, brutal umtrat. Experten forderten eine monatelange Sperre, und kurz darauf war das Thema Deutschland für den Peruaner erledigt. Er wechselte nach Brasilien zum Traditionsverein Corinthians São Paulo. Dort wurde er 2012 Klubweltmeister, als sein Kopfballtreffer im Finale beim 1:0-Sieg über den FC Chelsea das goldene Tor bedeutete.

          Ein heißblütiger Latino in Sotschi: Paolo Guerrero.

          Seit 2015 spielt Guerrero bei Flamengo Rio de Janeiro, und als man gerade glaubte, es werde ruhig um das Enfant terrible, die nächste Nachricht: Nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Argentinien am 5. Oktober 2017 wurde Guerrero positiv auf ein Abbauprodukt von Kokain getestet. Er wurde für zwölf Monate gesperrt, wodurch er eigentlich die WM in Russland verpasst hätte. Die Fifa halbierte die Sperre, wogegen die Welt-Anti-Doping-Agentur erfolgreich Berufung beim Sportgerichtshof einlegte. Weil Guerrero bis vors Schweizer Bundesgericht zog, wurde die Sperre ausgesetzt, so dass er in Russland spielen kann. Guerrero hat inzwischen wieder sein Comeback bei Flamengo gegeben und hätte beim 2:0-Sieg des Klubs aus Rio fast ein Tor erzielt.

          Für Peru ist der WM-Start einer der größten Erfolge seiner Fußballgeschichte. In der Qualifikation spielte Guerrero eine Schlüsselrolle. Mit fünf Treffern war er erfolgreichster Torschütze und half erheblich dabei mit, das Andenland zum ersten Mal seit 1982 wieder für ein WM-Turnier zu qualifizieren. Hinter dem heißblütigen Latino Guerrero, so berichten seine Freunde, verstecke sich ein liebenswürdiger Junge. Guerrero weiß, dass er in seiner Karriere viele Fehler gemacht hat, dass er härter an sich hätte arbeiten können, aber er ist heute noch einer der besten Stürmer Südamerikas. Die WM-Teilnahme, auch wenn Peru das Achtelfinale schon vor dem abschließenden Duell mit Australien an diesem Dienstag (16.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und bei ARD One) verpasste, ist der Höhepunkt seiner langen und alles andere als stromlinienförmigen Karriere.

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