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Niederlande in der Einzelkritik : Cillessen ist wirklich kein Elfmeterkiller

Vier Chancen, keine Chance: Jasper Cillessen hält keinen Elfmeter Bild: REUTERS

Robben schont sich lange. Van Persie ist kaum zu sehen, de Jong wie durch ein „Wunder“ dabei. Und van Gaal darf sich bestätigt fühlen: Cillessen ist nicht der richtige Torwart für das Elfmeterschießen. Die Niederländer in der Einzelkritik.

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          Die Entscheidung fällt erst im Elfmeterschießen. Dort scheitert Holland an Argentinien und trifft nun am Samstag im Spiel um Platz drei auf Gastgeber Brasilien. Die „Elftal“ in der Einzelkritik.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Jasper Cillessen: Stand nach seiner kuriosen Auswechslung vor dem Elfmeterschießen im WM-Viertelfinale gegen Costa Rica nun wieder im Tor. Hatte die Ruhe weg, als Higuain auf ihn zukam. Mit einer Finte bewies er fußballerische Klasse und ließ den Argentinier aussteigen. Zeigte das Kunststück auch in der Verlängerung gegen Agüero. Ansonsten war der Schlussmann von Ajax Amsterdam kaum gefordert. Als van Gaal den dritten Spieler ausgewechselt hatte, war klar: Cillessen darf diesmal auch in einem Elfmeterschießen mitmachen. Dort hielt er aber keinen der vier argentinischen Versuche.

          Stefan de Vrij: Beschränkte sich auf seine Abwehraufgabe als rechtes Glied der Dreierkette. Aufmerksam in den Duellen, wenn Argentinien mal in den Strafraum kam. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

          Ron Vlaar: Der Abwehrchef verursachte den Freistoß, durch den Messi zur ersten argentinischen Möglichkeit kam (15.). Sein einziger Volltreffer gelang ihm in der 24. Minute als er nach einer Ecke für Argentinien nicht den Ball, sondern den Kopf Garays mit dem Fuß traf. Ansonsten Ruhepol bei den Niederländern, stoppte Messi einmal mit einer gewagten, aber gekonnten Grätsche vor dem Strafraum. Verschoss gleich den ersten Versuch der Niederländer im Elfmeterschießen.

          Bruno Martins Indi: Hatte einige Probleme mit den quirligen Lavezzi und Higuain, der sich aus der Spitze immer wieder zurückfallen ließ. Argentinien brach meist über seine Seite durch. Als er Messi mit einem Bodycheck stoppte, hätte er schon die Gelbe Karte sehen müssen. Die bekam er als erster Spieler auf dem Platz kurz vor der Pause, als er abermals Messi unfair stoppte. Wurde nach der Pause durch Janmaat ersetzt.

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          Dirk Kuyt: Der einstige Offensivspieler muss mittlerweile rechts außen verteidigen in der „Elftal“. Tat dies zweikampfstark mit Offensivdrang auf der Robben-Seite, allerdings ohne Durchschlagskraft. Musste in der zweiten Halbzeit nach Janmaats Einwechslung die Seite wechseln und verteidigte fortan auf links. Dort agierte er souverän ohne große Akzente setzen zu können. Robust im Zweikampf mit Zabaleta in der Verlängerung, den der Argentinier nicht unbeschadet überstand. Traf im Elfmeterschießen.

          Georginio Wijnaldum: Prallte nach knapp einer halben Stunde mit Mascheranos Kopf zusammen, was dem Argentinier ins Taumeln bracht. Zum Glück konnten beide weiterspielen. Ansonsten sehr unauffälliges Spiel im halbrechten Mittelfeld. Fabrizierte vor allem Sicherheitspässe, hatte kaum Einfluss auf das niederländische Offensivspiel.

          Nigel de Jong: „Das Wunder ist wahr geworden. Der Geist ist stärker als der Körper“, schwärmte Trainer Louis van Gaal vor dem Spiel. Eineinhalb Wochen nach seiner Leistenverletzung kehrte der Mittelfeldabräumer doch noch auf die WM-Bühne zurück. „Ich denke nicht wirklich, dass es ein Risiko ist. Wenn es doch schief geht, haben wir Ersatz“, sagte van Gaal und setzte de Jong im linken Mittelfeld als Aufpasser für Messi ein. Wurde seinem Ruf als starker Zweikämpfer gerecht und nahm den argentinischen Star in Manndeckung. Nach einer Stunde war aber Schluss. Clasie ersetzte ihn.

          Daley Blind: Hatte wie Martins Indi einige Probleme auf seiner linken Abwehrseite mit Lavezzi und Co. Rückte nach Kuyts Seitenwechsel nach der Pause nach innen in die Dreierkette auf die Position des ausgetauschten Martins Indi und hatte dort nicht mehr so viel zu tun wie zuvor. Musste Pfiffe einstecken, als er einen leichten Ball unbedrängt zwanzig Meter am Mitspieler vorbei ins Seitenaus spielte.

          Wesley Sneijder: Hatte die erste Chance im Spiel. Sein Volleyschuss aus 18 Metern flog aber doch um einige Meter am Tor vorbei (12.). Versuchte mit klugen Pässen immer wieder Struktur ins niederländische Spiel zu bringen. Das gelang ihm indes nur selten. Wurde an der Seitenlinie von Demichelis böse getroffen, war danach sichtlich angeschlagen, kämpfte aber weiter bis zum Ende. Scheiterte allerdings im Elfmeterschießen.

          Robin van Persie: Klagte zuletzt über Magenprobleme, war aber doch einsatzfähig. Arbeitete auch immer wieder fleißig mit nach hinten. In seinen Offensivaktionen blieb er jedoch seltsam farblos. Entweder rutschte ihm der Ball vom Fuß, er verpasste das Abspiel oder klagte über mangelnde Hilfe der Kollegen als vorderste Angriffsspitze von Oranje. Als er es in der zweiten Halbzeit artistisch per Fallrückzieher versuchte, stand er im Abseits. Wurde nach 96 Minuten entkräftet durch Huntelaar ersetzt.

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          Arjen Robben: In der ersten Halbzeit hatte er nur sechs Ballkontakte, kam auf der linken Seite kaum zum Zuge. Es schien, als schone sich der Bayern-Angreifer. Nur wofür? In der 90. Minute wussten es alle: Nach einem Solo hatte er die große Chance zum Siegtreffer, wurde aber von Mascherano in letzter Sekunde gestoppt. Holte zudem die Gelbe Karte für Demichelis heraus. Zündete in der Verlängerung, als er die Kapitänsbinde vom ausgewechselten van Persie übernahm, nochmal den Turbo. Wurde aber nicht belohnt für die neue Antriebskraft. Verwandelte im Elfmeterschießen sicher.

          Daryl Janmaat: Kam nach der Halbzeit für den mit der Gelben Karte vorbelasteten Martins Indi und rückte auf Kuyts rechts Abwehrseite. Klärte stark vor Higuain, als der kurz nach der Pause einköpfen wollte. War auch ansonsten ein Gewinn für die niederländische Defensive mit gutem Stellungsspiel und robuster Zweikampfführung.

          Jordy Clasie: War der einzige Spieler im Kader von Bondscoach van Gaal, der noch keine WM-Minute beim Turnier in Brasilien hatte. Wurde nach gut einer Stunde für de Jong eingewechselt und brachte eine neue spielerische Note ins defensive Mittelfeld der Niederländer.

          Klaas-Jan Huntelaar: Der Schalker ersetzte in der Verlängerung van Persie in der Sturmspitze. Führte sich mit einem Fehlpass und einer Gelben Karte für ein Foul an Mascherano ein.

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