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Reaktionen zum DFB-Aus : „Ich bin fassungslos, was geht hier ab?“

Enttäuschung, so weit das Auge reicht: ein deutscher Fan nach dem WM-Aus in Qatar Bild: dpa

Nach dem enttäuschenden deutschen Aus bei der WM in Qatar reagieren Fans mit Häme und Fassungslosigkeit. Außer dem Bundestrainer stehen auch die Debatten abseits des Platzes in der Kritik.

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          Trotz des 4:2-Siegs gegen Costa Rica ist die deutsche Nationalmannschaft nach der Vorrunde bei der Fußball-Weltmeisterschaft ausgeschieden. Viele Zuschauer hatten schon während des Spiels kommentiert, dass das Weiterkommen nicht gegen Costa Rica, sondern bereits gegen Japan verspielt worden sei.

          Janina Hardung
          Redakteurin für Social Media.

          „Auch wenn es heute Mängel gab. Deutschland hat alles getan, um weiterzukommen. Dass sich Spanien am Ende mit einer Niederlage gegen Japan abfindet, daran konnten wir leider nichts ändern. Wären wir heute mit dem 4:2 weitergekommen, wäre Deutschland mit Lob überschüttet worden“, schreibt eine Nutzerin.

          Auf der Suche nach Erklärungen für das Aus vermischen sich dabei sportliche Einschätzungen mit Mutmaßungen, die Gründe für das Aus seien eher abseits des Platzes zu suchen. Zwischen Schadenfreude, Wut, Trauer und Enttäuschung sind fast alle Emotionen abgebildet. „Ich bin nicht sauer, nur enttäuscht“, schreibt beispielsweise ein Twitter-Nutzer. „Ich bin fassungslos, was geht hier ab?“, kommentiert ein anderer.

          In die Kritik gerät auch Bundestrainer Hansi Flick, der in der Startformation im Vergleich zum Spanien-Spiel lediglich auf einer Position gewechselt und Leroy Sané für Thilo Kehrer gebracht hatte. Mittelstürmer Niclas Füllkrug, der wie schon gegen die Spanier nach seiner Einwechslung traf, hatte dagegen zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen. Nun wünschen sich einige sogar Konsequenzen. „Natürlich muss die Ausbildung besser werden. Aber auch aus diesem Kader muss man mehr rausholen. Wenn man aber nicht die formstarken Spieler aufstellt (Götze, Füllkrug, Hummels ist daheim), sondern lange verletzte beziehungsweise angeschlagene (Müller, Sané, Goretzka), wird man bestraft“, bemängelte ein Twitter-Nutzer.

          Besonders über Füllkrug wurde viel diskutiert. Aufgrund seiner Leistung im Spiel gegen Spanien waren sich einige Zuschauer sicher, dass er von Beginn an auf dem Platz stehen wird: „Mit welcher Berechtigung bringt Flick vom ersten Spiel an Füllkrug konsequent nicht als Startspieler, den einzig wirklichen Mittelstürmer und den besten Stürmer der Liga? Da ist kein einziger Führungsspieler in der Mannschaft. Und kein Leistungsprinzip, keine Hierarchie“, schreibt ein Nutzer auf Twitter. Ähnlich sieht es dieser Nutzer: „Wir hatten einen guten Kader dabei. Vor dem Spiel war klar, dass wir sieben bis acht Tore schießen müssen, um es aus eigener Kraft zu schaffen. Dann spielt er mit Müller vorne, der in zwei Spielen keinen einzigen Torschuss gehabt hat. Havertz und Füllkrug in 30 Min drei Tore!“

          Aber nicht nur Hansi Flick steht jetzt in der Kritik, auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff ist nach Auffassung einiger Nutzer angezählt: „Ich möchte überhaupt nicht sagen, dass Bierhoff, Flick, usw. wegmüssen, aber Khediras Verteidigung ist schon leicht absurd. Khedira: ,Oliver und Hansi Flick sind sehr ehrlich, sehr selbstkritisch.‘ Das ist doch kein Argument, sie zu behalten.“

          Oft wurde in den vergangenen Wochen aber gar nicht die Leistung auf dem Platz, sondern vieles neben dem Spielfeld diskutiert. Fast die Hälfte der Deutschen hätte sich von der Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Qatar ein klareres Zeichen für Menschenrechte gewünscht. Das geht aus dem aktuellen Deutschland-Trend der ARD hervor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. 48 Prozent der Befragten geht die Art und Weise, wie der Deutsche Fußball-Bund und das Nationalteam bislang zu den politischen Verhältnissen und der Menschenrechtslage im Gastgeberland Stellung bezogen haben, nicht weit genug.

          Dieser Trend ist auch im Netz zu lesen, bei manchem Zuschauer ist deshalb die Schadenfreude nun groß. „Nachdem die Mannschaft gesagt hat, dass sie sich ,nur noch auf Fußball konzentrieren wollen‘, haben sie sich glaube ich nicht mehr auf Fußball konzentriert!“, schreibt ein Nutzer. „Dieser Weg war wahrlich kein leichter, sondern steinig und schwer, aber letztlich hat sich Deutschland für den Boykott der WM der Schande entschieden. Guten Heimflug“, wünscht ein weiterer.

          Im Vorfeld des letzten Vorrundenspiels der Deutschen stand auch die französische Schiedsrichterin Stéphanie Frappart im Fokus der Zuschauer. Sie ist die erste Schiedsrichterin, die bei einer Fußball-Weltmeisterschaft der Männer eingesetzt wurde. Seit sie für das Spiel nominiert wurde, diskutieren und kommentieren Fußballfans diese Entscheidung. Die meisten Twitter-Nutzer sehen darin einen wichtigen und richtigen Schritt für mehr Gleichberechtigung – auch im Sport. „Heute um 20 Uhr wird Geschichte geschrieben. In einem arabischen Land tanzen 22 Männer nach der Pfeife einer Frau! LET'S GO Stéphanie Frappart“, schreibt eine Twitter-Nutzerin.

          Und eine Nutzerin glaubt sogar: „Mit einer Frau als Trainerin wäre das nicht passiert.“

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