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Nationalmannschaft : Zarte Anzeichen für Widerstandskraft

Bild: AP

Die Neulinge bei der Nominierung des WM-Kaders sind keine große Überraschung. Durm, Goretzka und Co. sind die ersten Kandidaten zum Sitzenbleiben nach der Vorbereitung. Wichtiger ist Löws Fokus auf Führungsspieler. Ein Kommentar.

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          Von 30 auf 23 in 25 Tagen – das ist die vorweltmeisterliche Aufgabe, die sich der Bundestrainer mit der Nominierung seines vorläufigen WM-Kaders bis zur endgültigen Übermittlung der Spielernamen an den Internationalen Fußball-Verband selbst gestellt hat. Aber der deutsche Abzählreim nach dem ohne jede Vorfreude und Begeisterung abgespulten deutschen WM-Start in der DFB-Zentrale bis zum 2.Juni dürfte auch nicht der ganz große Aufreger werden. In Durm, Mustafi, Goretzka, Hahn, Meyer und Volland hat der Bundestrainer gleich sechs Profis mit insgesamt null Einsatzzeit in der Nationalelf nominiert – und Ginter als Nummer sieben bringt es auf gerade ein Minütchen. Mit diesen nur mit der Lupe oder gar nicht erkennbaren Arbeitsnachweisen ist das Gros der sieben deutschen Sitzenbleiber schon auf den ersten Blick ausgemacht.

          Je mehr Neulinge in Brasilien dabei wären, desto größer die Überraschung. Der personelle Erdrutsch findet bisher aber nur auf dem Papier statt, im Konjunktiv sozusagen. Und dabei dürfte es auch weitgehend bleiben, selbst wenn sich Durm und Volland nach Gomez’ Ausfall noch Chancen ausrechnen dürfen. Aber so viel Frische, sieben auf einen Streich, hat Löw niemals auch nur mal annähernd gewagt. Dafür gibt es bei diesem Kader auch keinen Grund – zumal der Bundestrainer nun erstmals wieder ausdrücklich den Wert von Erfahrung bei der WM hervorgehoben hat, nachdem seit Südafrika doch eigentlich nur noch junge, belastbare und schneller regenerierende Spieler als Maß der neuen und immer schnelleren Zeit gehandelt wurden.

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          Falls die Nationalelf nicht von weiteren Verletzungen heimgesucht wird – oder von einem Rückschlag Khediras –, dürfte personell fast alles beim Alten bleiben. Und dass der Madrider Mittelfeldspieler mit dem geflickten Kreuzband bei Löw ausdrücklich unter Artenschutz steht, hat zwar keinen guten, aber ebenfalls einen leicht nachvollziehbaren Grund. Denn Führungs- und Kämpfernaturen sind und bleiben in der DFB-Auswahl eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Diesem Mangel im Team der vielen Hochbegabten verdankt daher auch der größte Dortmunder Herzblutfußballer seine vorläufige Nominierung. Dabei hatte Kevin Großkreutz vor seiner Rückkehr im März gegen Chile mehr als drei Jahre keine Berücksichtigung mehr bei Löw gefunden.

          Die ausdrücklichen Hinweise des Bundestrainers bei der Nominierung auf Einsatzbereitschaft und Durchsetzungsfähigkeit im Stile Khediras und Großkreutz’ sind erste, wenngleich noch zarte Anzeichen, dass der defensiven und kämpferischen Widerstandskraft auch auf dem Spielfeld in Brasilien wieder größere Aufmerksamkeit geschenkt werden könnte. Zumindest rhetorisch sind das neue Zwischentöne im Löwschen Credo, das viel zu lange schon nur spielerische und technische Überlegenheit kennt.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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