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Mode und Fußball : Nach dem Spiel ist vor dem Stil

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Edler Zwirn statt Trainingsanzug: Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm vor der Abreise nach Südafrika Bild: APN

Die Fußball-WM wird auch ein Mode-Event. Nie zuvor war der Look für Spieler so wichtig wie heute: Ein erfolgreicher Fußballer braucht eine erfolgreiche Erscheinung. Dabei haben auch Profisportler Problemzonen.

          Der Louis-Vuitton-Laden auf der Maximilianstraße öffnet eine halbe Stunde früher. In der Herrenabteilung liegen Outfits für Fußballprofi Christoph Metzelder bereit, die ich vorausgewählt habe. Metzelder ist zum Anprobetermin aus Madrid zu seinem neuen Ausstatter gekommen. Welcher Anzug? Welche Schuhe? Welche Hemden? Früher kam eine exklusive Ausstattung nur großen Schauspielern vor Filmpreisen zugute. Heute genießen das wie selbstverständlich auch Fußballspieler.

          Aber wie hat die Modewelt den Fußballsport entdeckt? Hätte Jürgen Klinsmann 1990 zugegeben, dass er Prada trägt - man hätte es für einen Versprecher gehalten. Als Oliver Bierhoff pionierhaft für Shampoo warb, hielt man ihn für weichgespült. Auch noch zur WM 1998 war das Interesse für das Aussehen der Profis gering. Dann wurde David Beckham zur Mode-Ikone, Metrosexualität wurde zum Modewort, und die Jahrtausendwende war auch eine Stilwende im Fußball.

          Seitdem ist nach dem Spiel vor dem Stil. Heute cremt sich Bundestrainer Joachim Löw im Werbespot faltenfrei. Seine Spieler sehen seit 2006 modisch tadellos aus - seitdem die Modemarke Strenesse mit dem DFB zusammenarbeitet. Während die Nationalspieler bis in die Neunziger vor Turnieren peinliche Fußballlieder im Trainingsanzug singen mussten, posieren die besten deutschen Spieler nun für Strenesse schon zum dritten Mal für einen Starfotografen, dieses Mal für Ellen von Unwerth. Hugo Boss ist verantwortlich für das Auftreten des FC Bayern München oder von Real Madrid. Dolce und Gabbana statten das Nationalteam von Italien aus, Giorgio Armani den FC Chelsea.

          Der Alptraum jedes Stylisten: der portugiesische Star Cristiano Ronaldo (im Bild als Wachspuppe bei Madame Tussauds)

          Die Spiele werden immer noch auf dem Platz gewonnen. Früher waren dabei aber weder Vokuhila-Frisur noch ungetrimmte Augenbrauen ein Problem. Heute stellt sich die Frage nach dem Aussehen auch auf dem Rasen. Von der durchgestylten Rasur bis zum plakativ plazierten Tattoo am Unterarm: Der Look ist auch ein Ausdruck des Kampfgeistes. Der Fußball hat auch Frauen als neue Zielgruppe erreicht und der Werbeindustrie mehr Profitmöglichkeiten als je zuvor eröffnet.

          Die deutschen Lieblingstypen sind zur Zeit Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez, der gerade den Duft „Boss Bottled“ bewirbt. Nicht nur Versicherungen, Prinzenrollen oder Minisalamis lassen sich gut durch Sportsmänner verkaufen. Bei der Weltmeisterschaft 2010 sucht vor allem die Modeindustrie am Rasen nach Vorbildern. Wie gut sich jemand als Werbe-Idol eignet, dafür ist der eigene Stil maßgeblich. Denn beim Stil hört der Teamgedanke auf. Abseits des Platzes sind Fußballer Ich-AGs. Je sorgfältiger das Outfit, desto mehr Sicherheit gibt es den Sportlern im Auftreten. Das wiederum überträgt sich auf den Platz. Mode ist also bei Fußballprofis gleichzeitig Zeichen und Grundlage für den nächsten Erfolg.

          Cristiano Ronaldo - Albtraum eines jeden Stylisten

          Beispiel Christoph Metzelder, der gerade von Real Madrid zu Schalke 04 wechselt. Seit zwei Jahren berate ich ihn in Stilfragen. Im Jahr 2007 gründete er die „Christoph-Metzelder-Stiftung“, die sich um Bildungsprojekte für sozial schwache Jugendliche kümmert. Wenn er Sommerpause hat, wirbt er für sein Projekt, mal bei der Bundeskanzlerin, mal bei Kirchenvertretern, mal in den Medien, mal bei Modenschauen. Sein Outfit bei der Berliner Hugo-Schau 2008 - weißes Hugo-Hemd, grauer Cardigan, schmale Krawatte - brachte ihm den Titel „Stilvorbild“ ein und wird immer noch häufig kopiert.

          Seither sehen große Modefirmen einen Fußballstar wie Metzelder gerne in der ersten Reihe bei ihren Schauen. Auch andere Kollegen von Mario Gomez bis Jens Lehmann waren schon bei Boss zu Gast. Von den Marken bekommen sie Outfits gestellt, die Stylisten stellen sie zusammen.

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