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Etwas andere WM-Vorbereitung : Fiesta Mexicana

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Hier feierten sie noch den Treffer von Giovani dos Santos im Freundschaftsspiel gegen Schottland, später ging die Party dann im Privathaus weiter: Mexikos Fußballnationalmannschaft Bild: AFP

Mexikos Trainer Osorio stand schon vorher unter Druck. Nachdem die ausgelassene Feierei seiner Spieler öffentlich wurde, wird es noch enger für ihn. Und die Fans machen sich lustig.

          Zumindest die Fans im Aztekenstadion haben ihr Urteil bereits gefällt. Trotz eines 1:0-Sieges über Schottland im „Abschiedsspiel“ vor der Abreise nach Europa ließen sie ihrem Unmut freien Lauf. „Fuera Osorio“ (Osorio raus) hallte es auf den Rängen. Den kolumbianischen Trainer machen die Fans von „El Tri“ für die zuletzt schwachen Vorstellungen verantwortlich. Hinzu kommen Debatten über die Kaderzusammenstellung, die Spielweise und die Außendarstellung. Kurzum: Die Abschiedsvorstellung der mexikanischen Nationalmannschaft, am 17. Juni in Moskau Auftaktgegner des deutschen Nationalteams bei der WM, geriet zu einem kleinen Desaster. Und es sollte noch schlimmer kommen.

          Genau in diese Gemengelage platzen nun Meldungen der Yellow-Press über eine angebliche Orgie einer Gruppe von Nationalspielern unmittelbar nach dem Testspielsieg gegen Schottland. Osorio hatte den Kickern einen Tag frei gegeben, bevor es über den großen Teich zum nächsten Testspiel am Samstag in Kopenhagen gegen Dänemark ging. Während die Mexikaner in der Luft waren, verbreitete sich in der Heimat die Geschichte des Magazins „TV Notas“ in Windeseile. Die Illustrierte behauptet, dass gleich neun Nationalspieler, darunter Carlos Salcedo und Marco Fabián vom DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt, die freie Zeit dazu nutzten, um sich mit 30 Escort-Damen zurückzuziehen und eine ausgelassene Party zu feiern.

          Gefeiert wurde in einem Nobelviertel der mexikanischen Hauptstadt. Bilder des Magazins zeigen die einzelnen Spieler, die unabhängig voneinander eintrafen. Ergänzt wurden die Paparazzi-Fotos von anreisenden Frauengruppen. Die mexikanischen Medien spekulierten daraufhin über anstehende Auseinandersetzungen in den Familien der Spieler, da ein Teil der Profis verheiratet sei und Familien habe. Keine gute Voraussetzung für eine störungsfreie WM-Vorbereitung.

          Dem Verband bleibt wenig Spielraum bei der Bestrafung

          Der mexikanische Verband zog sich zu Beratungen zurück, wohlwissend, dass eine Sanktionierung wegen unprofessioneller Vorbereitung kaum möglich wäre. Weil die Meldefrist der Fifa am Montag ablief und nur noch Spieler nachnominiert werden können, wenn sich ein anderer Spieler verletzt. Die Party fand also zum aus Spielersicht optimalen Zeitpunkt stand. Verbands-Generalsekretär Guillermo Cantu wollte das bunte Treiben am freien Tagen nicht bestätigen und schaltete in den Verteidigungsmodus: Eine Bestrafung sei ausgeschlossen, weil die Spieler „kein Training verpasst haben“. Für die Freizeitgestaltung der Spieler sei der Verband nicht verantwortlich, und darauf habe er auch keinen Einfluss.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Hinter den Kulissen wurde allerdings Tacheles geredet. Trainer Osorio und die wichtigsten Funktionäre des Nationalteams sollen eine Brandrede gehalten und die Spieler an ihre Verantwortung gegenüber der mexikanischen Nationalmannschaft erinnert haben. Die an der Party angeblich beteiligten Spieler äußerten sich zunächst über die Vorwürfe nicht gegenüber der Öffentlichkeit. Die Fans machen so ihre Späße mit den Nachrichten aus dem Trainingscamp.

          Mexikos kolumbianischer Trainer Osorio: Verzweifelt offenbar an der Disziplinlosigkeit seiner Mannschaft.

          In den sozialen Netzwerken wird „El Tri“ wegen unprofessioneller Vorbereitung attackiert. Für Osorio ist der Vorfall höchst problematisch. Zwar ist der Kolumbianer nicht für das Freizeitverhalten seiner Spieler verantwortlich, haften bleibt aber, dass es Osorio offenbar nicht geschafft hat, den Spielern eine professionelle Einstellung vor dem Turnier zu vermitteln.

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