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Kroatische Einzelkritik : Rakitic wie Neymar – Mandzukic im Pech

Zwei Tore, aber nur eines auf der richtigen Seite: Mario Mandzukic. Bild: Reuters

Subasic wird auf dem falschen Fuß erwischt. Perisic ist bester Kroate. Rakitic und Modric sind nicht so stark wie sonst. Mandzukic trifft ins eigene und gegnerische Tor. Die Kroaten in der Einzelkritik.

          Erstmals steht Kroatien im WM-Finale. Doch den Titel gewinnt am Ende Frankreich nach einem 4:2-Sieg. Die kroatischen Spieler in der Einzelkritik:

          Fussball-WM 2018
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Danijel Subasic: Der Italiener Enrico Albertosi war 1970 der letzte Torwart, der vier Gegentore in einem WM-Endspiel kassierte. Subasic gab eine unglückliche Figur ab, obwohl ihn bei keinem Treffer eine große Schuld traf. Wurde zuerst von Mario Mandzukic, seinem eigenen Kollegen, bezwungen, beim Elfmeter von Antoine Griezmann verladen. Dann zweimal, von Paul Pogba und Kylian Mbappé auf dem falschen Fuß erwischt. Ließ kurz vor der Pause einen Rückpass unter dem Fuß durchrutschen und hatte Glück, dass der Ball nur wenig Schwung hatte. Starke Fußabwehr später gegen Mbappé (52. Minute).

          Sime Vrsaljko: Der Rechtsverteidiger von Atlético Madrid ließ über seine Defensivseite kaum etwas anbrennen, wurde aber auch kaum gefordert von der französischen Defensive. Schaltete sich daher immer wieder in das eigene Offensivspiel ein. Versuchte sich zweimal als Distanzschütze. Ein Volley landete weit neben (50.), ein weiterer Versuch deutlich über dem Tor (76.). Sah in der Nachspielzeit als einziger Kroate noch die Gelbe Karte nach einem Frustfoul gegen seinen Madrider Teamkollegen Griezmann.

          Dejan Lovren: Der Chef der Abwehr vom FC Liverpool kassierte mit seiner Mannschaft vier Tore, an denen er kaum etwas ausrichten konnte. Gab immer wieder Kommandos, konnte aber mit der verbalen Hilfe die Partie nicht mehr drehen. Versuchte sich nach einer eigenen Ecke mit einem wuchtigen Volleyschuss, der aber abgeblockt wurde (43.). Hatte seine auffälligste Szene, als er dem Kollegen Marcelo Brozovic nach einem resoluten Kopfball in den Hacken landete (42.).

          Domagoj Vida: Der Innenverteidiger von Besiktas Istanbul wurde von den russischen Fans, anders als noch im Halbfinale, wegen seines Ukraine-Videos nicht mehr ausgepfiffen. Gab den Zweikämpfer im Verbund mit Lovren und hatte einige gute Szenen wie gegen Mbappé, als er den schnellen Stürmer so weit abdrängte, dass der an Subasic scheiterte (52.). Ihm gelang der erste kroatische Torschuss, als sein Kopfball nach einer Ecke über das Tor ging (23.), traf später nach ähnlichem Muster den Ball nicht richtig (45.). Bewies fußballerische Klasse, als er Ivan Perisic mit Übersicht zum 1:1 auflegte (28.). Wie angewurzelt beim 1:4 von Mbappé.

          Ivan Strinic: Der Linksverteidiger vom AC Mailand galt als Schwachstelle in der Verteidigung der Kroaten. Machte seine Sache gegen den pfeilschnellen Mbappé aber gut, auch wenn er Glück hatte, dass er nach einem Foul nicht die Gelbe Karte sah. Stellte den flinken Franzosen früh und geschickt. Wurde dabei immer wieder von den Kollegen unterstützt und ließ daher über seine Seite erstaunlich wenig anbrennen. Wurde in der Schlussphase gegen den offensiven Marko Pjaca ausgewechselt (81.).

          Ivan Perisic: Wie im Halbfinale der beste Kroate. Der Spieler von Inter Mailand einen unglaublichen Aktionsradius, auch wenn er bisweilen etwas Pech hatte und ihm der Ball in aussichtsreichen Situationen versprang. Versetzte die Franzosen immer wieder in Schrecken mit seinen Torschüssen. Bewies seine Klasse beim 1:1, als er die Ablage mit rechts vorlegte und mit links stramm ins Tor drosch (28.). Wurde aber auch zum Unglücksraben, als ihm der Ball nach einer Ecke an die Hand sprang und der Schiedsrichter mithilfe des Video-Assistenten Elfmeter gab, der zum 1:2 führte (35.).

          Ivan Rakitic: Der Mittelfeldmann vom FC Barcelona versuchte viel, war aber nicht so auffällig, wie man es von ihm gewohnt ist. Verzog einen Torschuss knapp (78.). Hatte seine auffälligste Szene, als er den Neymar machte und vor dem Schiedsrichter einfach zu Boden sank. Der Unparteiische hatte es in der späten Drangphase der Kroaten gewagt, einen Freistoß zurückzupfeifen, weil der Ball noch nicht ganz ruhte (83.).

          Gleich vier Mal bezwungen: der kroatische Torhüter Danijel Subasic. Bilderstrecke

          Marcelo Brozovic: Die unauffällige Lunge des kroatischen Spiels im defensiven Mittelfeld lief und lief und lief. Hatte Pech, als der Schiedsrichter nach seinem Zweikampf auf Griezmanns Schwalbe hereinfiel. Auf dem Freistoß danach resultierte das 0:1 durch Mandzukics Eigentor. Hatte seine spektakulärste Szene, als er vor dem einschussbereiten Griezmann mit einem beherzten Eingreifen rettete.

          Luka Modric: Der Star von Real Madrid spielte wegen des vielen Ballbesitzes der Kroaten offensive und auffälliger als im Halbfinale gegen England. Doch die zündenden Ideen hatte der Kapitän gegen die massive Defensive der Franzosen, die sich ganz auf Modric konzentrierten, nicht. Vor dem 1:3 unglücklich, als er den Ball nicht sah und die Orientierung verlor (60.).

          Ante Rebic: Der Mittelfeldrenner von Eintracht Frankfurt gab wieder alles und warf seine Wucht im Duell Mann gegen Mann in die Waagschale. Hatte zwei Chancen, als er den Ball nach einer Flanke nicht richtig traf (40.) und nach der Pause Torwart Hugo Lloris mit einem Drehschuss zu einer Parade zwang (48.). Rannte sich aber mit zunehmender Dauer öfter fest und haderte. Später daher auch gegen Andreij Kramaric ausgewechselt (71.).

          Mario Mandzukic: Im Halbfinale gegen England war der Stürmer von Juventus Turin noch der Held mit seinem Siegtor. Nun mutierte er zum tragischen Helden. Ihm unterlief mit einer Kopfball-Verlängerung das erste Eigentor in einem WM-Finale. In der Offensive bisweilen unglücklich, wenn seine Pässe nicht ankamen oder er die der anderen nicht erwischte. Wurde aber als erster Störenfried für seinen nimmermüden Einsatz belohnt, als er nachsetzte und Lloris den Ball vom Fuß spitzelte. Das 2:4 reichte aber nicht mehr zur Aufholjagd (69.).

          Andrej Kramaric: Der Hoffenheimer Angreifer kam für gute zwanzig Minuten für Rebic. Hatte einen guten Pass im Fuß, der aber zu nichts führte.

          Marko Pjaca: Der Offensivspieler, der zuletzt an Schalke ausgeliehen war, kam für die letzten Minuten für Strinic. Konnte den Ball von Kramaric nicht stoppen, die Chance war dahin.

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