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Kommentar zu den Unruhen in Brasilien : Arroganz und Wirklichkeit

  • -Aktualisiert am

Der Tote bei einem Protestmarsch in Rio de Janeiro belegt: Die Fifa, die während der WM am Ort des Protestes an der Copacabana im besten Hotel residiert, hat noch immer keinen richtigen Umgang mit den Problemen im Gastgeberland.

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          Der Internationale Fußball-Verband (Fifa) kämpft seit einiger Zeit an mehreren Fronten um seine Reputation. Dabei wird immer deutlicher, dass der milliardenschweren Sportorganisation die größte Herausforderung noch bevorsteht. Sieben Wochen vor dem Eröffnungsspiel spitzt sich die Lage im WM-Land Brasilien zu. Der Zeitverzug auf den Baustellen, noch nicht eröffnete Stadien, streikende Bauarbeiter und Polizisten, Organisationschaos, Gewalt auf den Straßen und anhaltende soziale Unruhen könnten ein Fiasko für das Fifa-Turnier bedeuten.

          Der Protestmarsch von Bewohnern eines Armenviertels von Rio de Janeiro, bei dem es einen Toten gab, muss dabei der Fifa besonders weh tun. Es geschah im Stadtteil Copacabana, an einem Ort, der mit seinem weltbekannten Strand-Mythos eigentlich unbeschwerten Lebensstil symbolisieren und während der WM auch für viele Fußballtouristen zum Mittelpunkt einer stimmungsvollen WM-Party werden soll.

          Auch die luxusverwöhnten Fifa-Funktionäre wählten die exklusive Lage und das in Werbebroschüren gepriesene Flair der Copacabana für sich aus und residieren während des Turniers im besten Hotel am Platz. Plötzlich aber gerät die schöne Welt des Weltfußball-Monopolisten in Gefahr.

          Versagen von Ethik

          Auf dieses WM-Turnier könnte ein dunkler Schatten fallen. Fraglich ist, ob die Fifa, wie es von einem Großveranstalter zu verlangen wäre, alle Risiken ihrer Veranstaltung kalkuliert hat. Statt eines abgestimmten Krisenmanagements mit den Brasilianern als Ausrichter und einer durchdachten Informationspolitik sind derzeit (wenn überhaupt) nur gegenseitige Schuldzuweisungen zu erfahren. Als Bürger im vergangenen Jahr den Confederations Cup der Fifa für ihren Protest gegen die sozialen Missstände nutzten, stellte Fifa-Präsident Blatter lapidar die WM-Tauglichkeit des Schwellenlandes in Frage. Vertrauen der Öffentlichkeit lässt sich damit nicht gewinnen.

          Zur Eröffnung dieser WM am 12. Juni im Stadion von São Paulo will Blatter von seiner üblichen Ansprache absehen. Er und Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff verzichten, weil sie vom Volk nicht ausgepfiffen werden wollen. Was der Governance-Experte Mark Pieth in seinem Bericht zum Fifa-Status auf die schwache Reformwilligkeit des Weltverbandes bezieht, kann deshalb ganz generell auf die weitreichenden Problemfelder einer Organisation wie der Fifa übertragen werden. Es geht um nachlässige Führung, Versagen von Systemen und den Mangel an Ethik.

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