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Fußball-Kommentar : Fifa-Sponsoren des Grauens

Fifa-Präsident Gianni Infantino. Bild: KOCHETK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Im Skandal um das russische Doping-System zeigt die Fifa mal wieder ihr Unvermögen. Sponsoren, die Druck ausüben könnten, schweigen und machen damit alles noch schlimmer. Eine Hoffnung aber gibt es.

          Jahr für Jahr pumpen Großkonzerne Hunderte Millionen Dollar in die Weltorganisation des Fußballs. Als Sponsoren halten sie die Fifa damit maßgeblich am Laufen. Konkrete Ansprüche an das Geschäftsgebaren des Verbands haben die Unternehmen damit allerdings nie verbunden. Sie fokussieren die Werbepartnerschaft vor allem auf das kurze WM-Spektakel alle vier Jahre, wenn die besten Nationalmannschaften und die größten Stars um den wichtigsten Titel kicken. Das ist dann für sie die kommunikative Sternstunde, welche den Absatz der eigenen Produkte nach vorne bringen soll – Getränke, Trikots, Sportschuhe, Autos, Flugtickets, Kreditkarten, Fastfood.

          Wie an einer harten Droge hängen die Sponsoren am Turnier der Turniere und blenden die vielen Defizite auf Seiten des Vertragspartners aus, als wäre das nicht ihre Sache. Dabei zählte jetzt wieder Mitverantwortung, die schaurig unvermögende Fifa ein halbes Jahr vor der WM im ungeklärten russischen Sportskandal zum konsequenten Handeln zu bewegen. Statt Transparenz und Aufklärung zu fordern, zögern die Sponsoren, schweigen und machen damit alles noch schlimmer. Es sind dieselben Konzerne, gerade jene aus Westeuropa oder den Vereinigten Staaten, welche Millionen für PR-Kampagnen ausgeben, in denen sie gerne die Bedeutung einer nachhaltigen Unternehmenspolitik und die Verantwortung für das Unternehmensumfeld (Stakeholder) herausstellen.

          Die Realität sieht oftmals anders aus. Im Fall der Fifa hat dies gar keinen Belang. Dabei wäre wirtschaftlicher Druck seitens der Sponsoren auf das defektive Fifa-System vonnöten. Nur dann würde sich wahrscheinlich etwas verändern. Von solchen Werbepartnern sollte man erwarten können, dass sie ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden und Missstände nicht ignorieren, sondern benennen, notfalls auch ihr Engagement beenden. Denn eine Selbstregulierung des reformunwilligen Fußball-Monopolisten ist gescheitert. Von der Fifa ist in diesem Zustand nichts zu erwarten. Von den Sponsoren, die sich gerne als soziale Wohltäter mit gesellschaftlicher Verantwortung gerieren, allerdings auch nicht. Aber wo bleibt die Hoffnung?

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Vielleicht in einer vergangene Woche von der EU-Kommission veröffentlichten Entscheidung: Die betraf zwar die Internationale Eislaufunion (Isu). Die europäischen Wettbewerbshüter fordern die Organisation auf, Sanktionen gegen Sportler zurückzunehmen, die an Veranstaltungen außerhalb der Verbandshoheit teilnehmen. Die Isu habe damit die unternehmerische Freiheit der Sportler beschränkt. Die Entscheidung ist jedoch weitreichender und hat Präjudizcharakter. Es könnte insgesamt das Machtmonopol der großen Sportverbände zum Wanken bringen und die Fifa unter den dann zu erwartenden negativen wirtschaftlichen Auswirkungen zum Handeln zwingen. Denkbar wären gar Fußballturniere außerhalb des Fifa-Regimes, ganz neue Konstellationen, ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern und der Untergang maroder Sportverbandssysteme. So eine Öffnung böte keine Garantie für mehr Anstand und Sauberkeit, aber eine Chance.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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