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DFB-Elf und der Bundestrainer : Jung, jünger, Jogi

Energieschub nach über elf Jahren als Bundestrainer: Joachim Löw. Bild: dpa

Während der deutsche Fußball seine Trainer frisst und Jupp Heynckes vom Denkmal steigt, erneuert der Bundestrainer die Nationalelf und sich selbst. Im DFB ist Joachim Löw inzwischen die populärste Figur.

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          Am Samstag saß Joachim Löw geduldig auf dem Podium im Mainzer Mannschaftsquartier. Er musste lange warten, bis er dran war. DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte vor dem letzten WM-Qualifikationsspiel, das am Sonntag mit 5:1 gegen Aserbaidschan gewonnen wurde, die Nähe zum Bundestrainer und der Nationalmannschaft gesucht, um vor der Pressekonferenz des Weltmeisters selbst erst einmal eine halbe Stunde lang sehr ausführlich über die gesellschaftspolitischen Aktivitäten des Verbandes im Zuge der WM in Russland, die Menschenrechtslage in Aserbaidschan, die DFB-Pokalregelungen und das Bewerbungslogo für die Europameisterschaft 2024 zu sprechen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Eine schriftliche Pressemeldung hätte es in manchen dieser Fälle natürlich auch getan. Aber die Versuchung, den Bundestrainer als Zugpferd für die eigene Agenda zu nutzen, war zu verlockend. Beim Hinausgehen versicherte sich der Präsident dann noch mal schnell, ob der gemeinsame Auftritt so in Ordnung gewesen sei. Der Bundestrainer nickte. So weit ist es gekommen: Der Trainer ist so groß geworden, dass er dem Präsidenten ein Podium bietet. Nicht umgekehrt. Nach elf Jahren als Bundestrainer hat sich Joachim Löw zur populärsten Figur im Deutschen Fußball-Bund (DFB) entwickelt, sogar zur potentiell mächtigsten und einflussreichsten – falls Löw mit seinem zurückhaltenden Temperament diese Rolle tatsächlich ausfüllen wollte. Man kann sich aber auch so kaum einen Wunsch vorstellen, der ihm vom DFB nicht erfüllt würde, wenn er ihn äußerte.

          Zur Erinnerung: Als Löw vor vier Jahren die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Brasilien hinter sich gebracht hatte, war er trotz neun Siegen und einem Unentschieden ein angeschlagener, auch umstrittener Trainer. Das 1:2 im Halbfinale der EM 2012 gegen Italien steckte ihm noch in den Knochen, auch das 4:4 gegen Schweden nach einer irrwitzig verspielten 4:0-Führung. Überall schien es in der Bundesliga plötzlich Trainer zu geben, die es besser konnten als Löw. Im Herbst 2013, wenige Monate nach dem deutschen Finale der Champions League zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund, träumte Deutschland noch von der Bundesliga als der besten Liga der Welt. Auch wegen seiner Trainer. Jupp Heynckes hatte mit dem FCB das Triple geholt, Jürgen Klopp begeisterte schon seit Jahren beim BVB, und Lucien Favre hatte Gladbach zu neuer Blüte geführt – und dann war da ja auch noch Pep Guardiola, das angehimmelte Trainergenie.

          Und heute? Der FC Bayern war nach drei Jahren froh, als der anstrengende Guardiola ging, der ihnen den großen Sieg dann doch nicht geliefert hatte. Jürgen Klopp musste nach einem Sturz auf die Abstiegsränge Dortmund unter Tränen verlassen und kommt nun beim FC Liverpool auch im dritten Jahr dem Titel in der Premier League nicht näher. Lucien Favre hängt mit Nizza irgendwo im Mittelfeld der französischen Liga fest, während die Bundesliga auch schon Thomas Tuchel ausgespuckt hat. Und selbst den großen Carlo Ancelotti, der mit drei verschiedenen Teams die Champions League gewann, hat der deutsche Fußball klein gemacht, und zwar so klein, als wäre die Zeit über den 58 Jahre alten Coach vollständig hinweggegangen.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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