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Jérôme Boateng im Gespräch : „Ich war sehr stolz auf meinen Bruder“

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Außen statt innen: Jérôme Boateng hat sich wegen seines Positionswechsels in der Abwehr erfolgreich Gedanken gemacht. Bild: SvenSimon

Nationalspieler Jérôme Boateng über den gemeinsamen Kampf gegen Rassismus, Vorurteile in der Öffentlichkeit und seine Abwehrarbeit im WM-Duell mit Kevin und Ghana (21 Uhr).

          5 Min.

          Wie geht es Ihrer Hand?

          Es geht ganz gut so weit. Ich bin blöd auf die Hand gefallen. Das Band ist dabei angerissen. Es ist schmerzhaft, aber es gibt Schlimmeres. Die Manschette muss ich sechs Wochen tragen, aber ich bin nicht eingeschränkt. Für das Spiel bekomme ich vielleicht eine andere, die den Daumen noch ein bisschen besser schützt.

          Wie ist es zur Verletzung gekommen?

          Ich bin in der ersten Halbzeit hochgesprungen, um in einer Situation zu retten. Der Ball kam auch nicht durch, aber danach habe ich nicht mehr richtig darauf geachtet, wie ich lande, und kam mit dem ganzen Gewicht auf dem Daumen auf. Ich habe sofort gemerkt, dass da was kaputt war.

          Und das ausgerechnet vor dem Familienduell mit Ihrem Bruder Kevin-Prince Boateng. Ist Ihr gemeinsamer Vater auch wieder da wie beim letzten WM-Duell in Südafrika?

          Ja, er war am Tag nach unserem Spiel auch hier bei uns im Quartier, die ganze Familie: Mein Vater, meine Kinder, meine Verlobte, auch Freunde. War schön zusammen: tolles Wetter, mit den Kindern im Wasser. Das fanden die natürlich super. Sie werden die ganze Zeit hier in Brasilien sein.

          Hat Ihr Vater auch bei Kevin im Quartier vorbeigeschaut?

          Alle bleiben hier, das Quartier von Ghana ist ja auch woanders. Ich weiß auch gar nicht genau, wo die eigentlich sind.

          Sie hatten noch keinen Kontakt mit Ihrem Bruder bei der WM?

          Nein, noch gar nicht. Jeder macht die WM für sich. Zuletzt hatten wir beim Trainingslager in Südtirol miteinander gesprochen, wie alles so läuft – und haben uns Glück für die WM gewünscht.

          Keinen Kontakt, da wundern wir uns schon ein bisschen. Handy, social media – da gibt es ja heute genug Möglichkeiten. Sie könnten die WM doch auch gemeinsam erleben.

          Jeder macht das Turnier für sich. Wir arbeiten mit unseren Mannschaften. Jeder fokussiert sich auf sein Ding. So ist es im Moment bei uns.

          Sie haben auch nichts ausgemacht für das Spiel: Trikottausch oder eine gemeinsame Geste?

          Ich habe ja schon zwei, drei Trikots von ihm aus Ghana (lacht). Mal sehen, wie das Spiel läuft und was sich daraus ergibt.

          Bruderduell: Jérôme und Kevin-Prince Boateng bei der WM 2010

          Vor vier Jahren war die Situation nach Kevins Foul gegen Michael Ballack, das diesen die WM kostete, sehr angespannt. Wie hat sich das WM-Duell unter Brüdern verändert?

          Es hat sich viel verändert in diesen vier Jahren. Es ist wahnsinnig viel passiert, privat und sportlich. Ich bin Vater von Zwillingstöchtern geworden, Kevin hat den zweiten Sohn bekommen. Im Fußball ist er italienischer Meister geworden, hat mit großen Spielern zusammengespielt, hatte drei tolle Jahre in Mailand, hat sich dort weiterentwickelt und ist nach Deutschland zurückgekehrt und in Schalke gleich zum Publikumsliebling geworden. Er geht voran. Ich denke, dass er glücklich ist. Seit der WM ging es auch bei ihm nur bergauf. Und bei Bayern und mir war ja nun auch einiges los: die verpasste Champions League gegen Chelsea, das Triple, jetzt das Double. Und sehr froh bin ich im Übrigen, dass ich seit der WM eigentlich fast gar keine Verletzung hatte.

          Und die Bürde, mit dem Namen Boateng zu spielen, wie Sie immer wieder gesagt haben, ist jetzt auch weg?

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