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Jérôme Boateng im Gespräch : „Ich war sehr stolz auf meinen Bruder“

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Uns ist es ja ganz gut gelungen, Ronaldo immer wieder zu doppeln und ihm die Lust am Spiel zu nehmen. In den anderen Spielen werde ich vielleicht ein bisschen offensiver sein können, aber mein Hauptaugenmerk liegt darin, dass wir defensiv gut stehen. Wenn uns das gelingt, kann ich auch mal mit nach vorne. Bei den Temperaturen werde ich wohl nicht alle zwei Minuten zum Flankenlauf ansetzen.

Kevin hatte davon gesprochen, dass Ghana den Titel gewinnen kann. Glauben Sie das etwa auch?

Das ist seine Meinung. Für den afrikanischen Fußball wäre es toll, wenn eine Mannschaft ins Finale oder sehr weit kommt. Vor vier Jahren ist Ghana unglücklich im Viertelfinale ausgeschieden. Da ist es doch klar, dass man solche Wünsche äußert.

Sie haben sich Ghana, das Geburtsland Ihres gemeinsamen Vaters, auf den Arm tätowieren lassen. Was bedeutet Ihnen das Land?

Viel, ich habe diese Wurzeln. Man sieht ja, dass ich nicht nur deutsche Wurzeln habe. Ich habe auch diese afrikanische Lockerheit in mir, aber die sieht man von mir in der Öffentlichkeit nicht, sondern nur im Privaten.

Bei der Fifa ist viel von Respekt und Kampf gegen Rassismus die Rede. Haben Sie den Eindruck, dass Kevins Aktion, nach rassistischen Beleidigungen in Mailand den Platz zu verlassen, und seine Rede vor den Vereinten Nationen diesen Kampf tatsächlich vorangebracht haben?

Zunächst einmal war ich sehr stolz auf meinen Bruder. Seine Rede war gut, und es war toll, wie er sich gegen Rassismus gestemmt hat. Das Problem ist vielen Menschen dadurch eindeutig bewusster geworden. Viele prominente Fußballer, aber auch andere Leute haben ihre Stimme erhoben. Ich bin überzeugt, dass sich dadurch etwas verändert.

Sie engagieren sich auch selbst für das soziale Projekt „Mitternachtssport“ in Ihrer Heimatstadt Berlin, aber auch hier in Brasilien. Woher kommt der Impuls?

Aus unserer Kindheit, auch bei Kevin. Er ist in einem schwierigen Viertel großgeworden, ich etwas anders. Aber mir war es schon als Jugendlicher klar, dass ich mal etwas zurückgebe an Kinder, wenn ich es wirklich schaffen sollte. Als ich als Jugendlicher mit meiner Mutter und Schwester mal im Senegal in Urlaub gewesen bin, habe ich das Land gesehen, wie es wirklich ist. Da weiß man, was wirklich wichtig ist. Ich wollte da schon helfen. Und das tue ich jetzt bei dem Projekt „Mitternachtssport“, das übrigens in diesem Jahr mit dem Integrationspreis des DFB ausgezeichnet wurde.

Vermutlich haben Sie es hier gar nicht mitbekommen: Der Verfassungsschutzbericht hat gerade mitgeteilt, dass es in Deutschland wieder zu mehr rassistischen Gewalttaten gekommen ist.

Das überrascht mich nicht. Ich glaube, weil derzeit so viele Menschen gegen Rassismus aufstehen und auch immer wieder Spots gegen Rassismus zu sehen sind, dass genau diese Leute, die rassistisch denken, sprechen und handeln, gerade deswegen aktiv werden. Sie wollen nicht, dass sich die Dinge ändern. Wenn Kevin und wir alle gegen Rassismus aufstehen, dann kann das auch einige Leute anspornen, genau diese Dinge zu tun, um uns zu zeigen: Rassismus wird nie ein Ende haben. Und deswegen ist es so wichtig, dass man dagegenhält. Ich habe mit zehn oder elf meine erste Erfahrung mit Neonazis gemacht. Das ist eine Erfahrung, die man nie vergisst.

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