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Japans Zeitspiel : Wenn Fairplay zu einer Farce führt

Selbst nicht glücklich mit der Situation: Japan zieht mit Ballgeschiebe ins Achtelfinale ein Bild: Reuters

Die Fairplay-Regel führt bei der Fußball-WM zu Ballgeschiebe. Den Japanern ist es selbst peinlich. Und Senegals Trainer bewirbt sich mit seiner Reaktion für Fairplay-Preise.

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          Niemand käme ernsthaft auf den Gedanken, Deutschland und Österreich nachträglich den Fairplay-Preis für die Fußball-Weltmeisterschaft 1982 zu verleihen. Das Ballgeschiebe von Gijon, das damals zum Abschluss einer aus deutscher Sicht schon ziemlich peinlichen WM-Vorrunde beim Stand von 1:0 für die DFB-Elf über eine Stunde lang die Fußballwelt entsetzte und die algerischen Fans zu Manipulationsvorwürfen verleitete, war einer der Beweise für den Zynismus, der im Profi-Fußball der siebziger und achtziger Jahren Einzug gehalten hatte. Das Ergebnis gab sowohl Deutschland als auch Österreich die Sicherheit, die Zwischenrunde erreicht zu haben. Algerien, dessen Spiel gegen Chile bei Anpfiff der deutschen Partie bereits beendet war, musste tatenlos zuschauen und konnte keine Tore mehr im Fernduell erzielen.

          Fussball-WM 2018
          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist der feine Unterschied zu 2018: Japan leistete sich am Donnerstag ähnlich peinliche Ballstaffetten, um den eigenen 0:1-Rückstand zu „verteidigen“ und über die Zeit zu retten. Da Senegal im Parallelspiel ebenfalls 0:1 zurücklag, war Japan Gruppenzweiter aufgrund der Fairplay-Regel, die bei dieser Weltmeisterschaft bei Punkt- und Torgleichheit über die bessere Plazierung entscheidet. Senegal hatte sechs Gelbe Karten im Turnierverlauf erhalten, Japan nur vier. Der edle Gedanke, Fairplay zu belohnen führte nun zu dem Dilemma, dass die Japaner mit wenig edlen Motiven das Spiel gegen die mit dem Sieg als versöhnlichem Abschluss nach dem frühzeitigen Ausscheiden vollauf zufriedenen Polen verzögerten, verschleppten und zu einer Farce werden ließen. Senegal hätte freilich anders als einst Algerien mit einem Torerfolg in der Schlussphase das japanische Treiben bestrafen können. 

          Der japanische Nationaltrainer Akira Nishino versuchte immerhin nach dem Spiel erst gar nicht, seine Taktik schön zu reden. „Die Situation hat mich dazu gezwungen, die riskante Entscheidung zu treffen, sich auf das andere Spiel zu verlassen“, sagte Nishino. „Ich bin nicht glücklich darüber, aber das ist eine WM – und da passieren solche Dinge eben.“

          Während die Diskussion darüber begann, ob die Fairplay-Regel angesichts einer solchen Folge denn wirklich fair ist, zeigte der Trainer der betroffenen Mannschaft Sportgeist. „Das sind nun einmal die Regeln des Spiels. Das wussten wir alle vorher. Der Senegal ist nicht weiter, weil es der Senegal nicht verdient hat“, sagte Trainer Aliou Cisse. Der 42 Jahre alte ehemalige WM-Teilnehmer könnte sich mit dieser Reaktion für diverse Fairplay-Preise beworben haben.

          Die Fifa, die mit der Einführung der Fairplay-Regel durch die Regelhüter des International Football Association Board (Ifab) ihr Bemühen im Kampf um Fairplay unterstreichen wollte, dürfte sich derweil in ihren innovativen Plänen für die WM 2026 bestätigt sehen. Bei der dann auf 48 Teams aufgestockten WM soll in den Dreiergruppen der ersten Runde im Fall eines Unentschiedens ein Elfmeterschießen über den Sieger entscheiden. Dann wird die Notwendigkeit einer Plazierungsregelung im Fall von Punkt- und Torgleichheit ungleich unwahrscheinlicher.

          Zumindest bis 2026 aber wollen die Regelhüter an der Fairplay-Wertung festhalten, weil es schlicht und ergreifend auch keine bessere Lösung gibt. “Was wir vermeiden wollten, ist ein Losentscheid", sagte Fifa-Turnierdirektor Colin Smith am Freitag: "Wir werden das nach dem Turnier überprüfen. Bisher können wir nicht sehen, warum diese Regel verändert werden sollte."

          Bei Fußballturnieren vor 2015 wurden eine durch Koeffizienten errechnete Rangliste oder die Fifa-Weltrangliste als Entscheidungsfaktor genutzt, die in ihrer sportlichen Gerechtigkeit indes eher fragwürdiger sind als die Fairplay-Wertung. Vor dieser Regelung entschied in früherer Instanz das Los wie beispielsweise 1990 über die Plazierung in einer Vorrundengruppe, wodurch die Niederlande per Ziehung hinter Irland Gruppendritter und somit Achtelfinalgegner Deutschlands wurde.

          „Natürlich ziehen wir es vor, dass die Mannschaften aufgrund von Toren und Resultaten weiterkommen. Dieses Fairplay ist nur ein zusätzliches Kriterium", sagte Smith. Die 2015 eingeführte Fairplay-Wertung passe darüber hinaus zum Selbstverständnis der Fifa. "Wir glauben an Fair Play, und deswegen haben wir das eingeführt."

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