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Italiens frühes WM-Aus : Raus ohne Applaus

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Das war nichts: Prandelli gab seinen Rücktritt bekannt Bild: dpa

Zwei Tore, ein Sieg – zu wenig für den früheren Weltmeister Italien, um die WM-Vorrunde zu überstehen. Der Trainer schimpft auf den Schiedsrichter, die heimische Presse spottet, die Spieler können das frühe Aus nicht fassen. Zugleich herrscht Einsicht.

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          Als Mario Balotelli mit seinem zweiten Treffer das Ausscheiden der deutschen Mannschaft im EM-Halbfinale 2012 besiegelte, ging ein Bild um die Welt: Balotelli riss sich sein Trikot vom Leib, posierte wie ein Gladiator – und sprach hinterher vom „schönsten Abend“ seines Lebens. Zwei Jahre später sieht die Fußball-Welt ein anderes Bild: Ein fassungsloser Balotelli verharrte noch lange nach dem 0:1 gegen Uruguay am Spielfeldrand. Untröstlich, das Gesicht in die Hände vergraben. So wie alle Italiener.

          Leere Blicke: der Italiener Mario Balotelli Bilderstrecke

          „Es tut weh, so aus der WM auszuscheiden“, sagte Trainer Cesare Prandelli, der unmittelbar nach dem frühen WM-Aus seinen Rücktritt erklärte. „Ich übernehme die gesamte Verantwortung“, so Prandelli. Italien muss damit wie schon vor vier Jahren bei der WM in Südafrika die Heimreise antreten. Auch Verbandschef Giancarlo Abete war zum Heulen zumute – und nahm seinen Hut. „Wenn wir zurück sind, werde ich eine Verbandssitzung einberufen. Ich hoffe, dass Cesare seine Entscheidung zurücknimmt“, sagte Abete in Richtung Prandelli, der jedoch klarstellte: „Mein Rücktritt ist unwiderruflich.“

          Gegen Uruguay präsentierten sich die Italiener zumindest etwas frischer als im Spiel gegen Gruppensieger Costa Rica (0:1), Andrea Pirlo überzeugte als Ballverteiler. Die Squadra Azzurra konnte aus der Überlegenheit in den heißen Gefilden Brasiliens aber kein Kapital schlagen, zu zwingenden Torchancen kam die Prandelli-Elf nicht. „Azzurri harmlos und ohne Ideen“, lautete das Urteil der „Gazzetta dello Sport“. Die italienische WM-Bilanz wird mit dem Auftritt 2014 getrübt - zwar hat Italien schon viermal den Titel gewonnen, zugleich scheiterte das Team bei 18 WM-Teilnahmen nun bereits zum siebten Mal in Vorrunde.

          Knackpunkt der Partie gegen Uruguay war der Platzverweis, der für die Italiener eine halbstündige Unterzahl bedeutete: Claudio Marchisio ging mit offener Sohle in einen Zweikampf – und bekam als harte Konsequenz die Rote Karte vor die Nase gehalten. „Es ist absurd, so eine Partie zu zehnt zu beenden. Es gab keine bösartigen Fouls. Man kann ein Spiel nicht so beeinflussen, der Schiedsrichter hat die Partie ruiniert“, schimpfte Prandelli hinterher über den mexikanischen Schiedsrichter Marco Rodríguez und nannte die Beißaktion von Luis Suarez gegen Giorgio Chiellini eine “Schande“. „Wir hatten viel Ballbesitz, wir hätten anders um die Qualifikation spielen und das Achtelfinale erreichen können“, war sich der italienischer Nationaltrainer sicher.

          Godin zerstört italienische Hoffnungen

          Torhüter Gianluigi Buffon, erfahrener Kapitän der Italiener, suchte die Schuld dagegen nicht nur beim Schiedsrichter, zumal dieser auch Uruguay benachteiligt hatte, als er einen Elfmeter verweigerte. „Auch wir haben Fehler gemacht“, räumte der Schlussmann ein, der sein wahrscheinlich letztes Turnierspiel in schlechter Erinnerung behalten wird . „Das ist ein sehr, sehr trauriger Tag für mich, für die Mannschaft und für die ganze Nation.“ Eine Nullnummer hätte den Italienern im Gruppenfinale zum Weiterkommen gereicht, doch Uruguays Diego Godin zerstörte die italienischen Hoffnungen in der 81. Minute mit seinem kuriosen Rückentreffer.

          Nach dem erfolgreichen Turnierstart mit dem (2:1 gegen England) wähnten sich die Italiener auf dem besten Weg Richtung Achtelfinale. Doch gegen das überraschend stark auftrumpfende Team aus Costa Rica und Uruguay lief es nicht rund, das musste auch der Trainer trotz aller Kritik am Schiedsrichter eingestehen. „Wir hatten nicht viele Torchancen“, so Prandelli. „Vielleicht lag das an unseren technischen Grenzen oder an der fehlenden Qualität“, sagte der Sechsundfünfzigjährige, der damit die Offensivabteilung um den harmlosen Stürmer Balotelli rüffelte.

          Beim 23 Jahre alten Angreifer vom AC Mailand dürfte diese Schelte aber noch nicht angekommen sein – er war nach dem vorzeitigen WM-Aus nicht wirklich aufnahmefähig. Ein Blick in die italienischen Zeitungen dürften da nicht gerade aufbauend sein: Vor allem das „totale Vertrauen in Balotelli“ habe zu der „Katastrophe“ geführt, schrieb die Sportzeitung „Corriere dello Sport“.

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