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Final Four erreicht : Italiens bittere Freude

  • -Aktualisiert am

Freuen oder nicht freuen? Federico Dimarco, Torschütze gegen Ungarn, scheint unentschlossen. Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Mit dem Sieg über Ungarn zieht Italien ins Final Four der Nations League ein – doch die verpasste WM bleibt eine offene Wunde. Besonders weil die Mannschaft zeigt: Es geht doch.

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          Es war Halbzeit, Ungarn lag am Montagabend mit 0:1 gegen Italien zurück. Da also die Lage noch keineswegs aussichtslos war, ließen sich die Veranstalter in der Budapester Puskás-Arena eine kleine Gemeinheit anlässlich des letzten Spiels der Gruppenphase in der Nations League einfallen. Auf der Videoleinwand im Stadion waren bewegte Bilder zu sehen, auf denen ein Spieler in Azurblau einen Elfmeter verschießt.

          Die Situation hat in Italien das Potential für ein kollektives Trauma. Denn hätte der in Brasilien geborene Italiener Jorginho im vergangenen November im Stadio Olimpico von Rom den Ball im Spiel gegen die Schweiz nicht über das Tor gedroschen, wäre Italien im Winter wohl bei der WM dabei. Als Gastgeber diese Szene einzuspielen war also kein Akt der Freundlichkeit.

          „Das ist kein Trost“

          Man muss die Mannschaft von Roberto Mancini allerdings gar nicht explizit an ihre selbstgemachten Dramen erinnern. Dass der viermalige Weltmeister und amtierende Europameister zum zweiten Mal hintereinander eine WM verpasst, daran hatte die Nation zu knabbern. Sogar der etwas überraschende Einzug in das Final Four der Nations League, den Italien mit einem verdienten 2:0-Sieg gegen Un­garn bewerkstelligte, kann nicht über diese Tatsache hinwegtäuschen.

          Man musste am Dienstag nur die Titel der Zeitungen in Italien lesen, um zu verstehen, wie tief der Stachel trotzdem sitzt. „Wie traurig!“ titelte der Corriere dello Sport und schrieb: „Der Schmerz über die verpasste WM-Qualifikation ist größer.“ „Italien, bittere Freude“, war auf der ersten Seite der Gazzetta dello Sport zu lesen und darunter: „Wir sind bei den Final Four, aber das ist kein Trost.“

          Donnarummas Paraden

          Es ist tatsächlich eine kaum zu beantwortende Frage, warum die italienische Nationalmannschaft ihre Anhänger mit derartig unterschiedlichen Leistungen um den Verstand bringt. Erst der EM-Titel, dann Unentschieden gegen Bulgarien, die Schweiz und Nordirland in der WM-Qualifikation. Zuletzt ein 0:1 im Playoff gegen Nordmazedonien und damit die fußballerische Apokalypse.

          Gegen Ungarn und zuvor gegen England war ein engagiertes Team zu sehen, das mit jungen Spielern den Gegner stark unter Druck setzte und gekonnt langes Passspiel mit Ballstafetten abwechselte. Während der EM ließ Mancini die „squadra azzurra“ noch im 4-3-3-System als ballsichere Zaubergruppe antreten. Nach dem Absturz hat Mancini auf ein vertikaleres und defensiv stabileres 3-5-2 umgestellt. Das Sicherheitsdenken machte sich in der Schlussphase gegen Ungarn bezahlt, als Torwart Gigi Donnarumma sein Team mehrfach mit Glanzparaden rettete.

          Auch ohne die verletzten oder noch nicht wieder genesenen Stammkräfte wie Federico Chiesa, Marco Verratti oder Ciro Immobile machte die Mannschaft von Roberto Mancini einen lebendigen Eindruck. Der 22-jährige Giacomo Raspadori (SSC Neapel) erzielte innerhalb von vier Tagen zwei Treffer für das Nationalteam. Mancinis Männer bedrängten Ungarns Abwehr zu fünft, der in der zweiten italienischen Liga spielende Adam Nagy gab zu kurz zu Torwart Peter Gulasci (RB Leipzig) zurück, Raspadori erzielte das 1:0 (27. Minute). Am Freitag in der Neuauflage des EM-Finales gegen England (1:0) hatte der Stürmer auch schon getroffen.

          Über die linke Seite Italiens kam ein gewisser Federico Dimarco (24) immer wieder gefährlich vor das Tor von Gulacsi. Dimarco macht nicht nur Robin Gosens bei Inter Mailand Konkurrenz, sondern erzielte auch das 2:0 in der 57. Minute. „Die wachsende Bitterkeit über die zweite verpasste WM in Folge – je näher sie rückt, desto mehr schmerzt sie – wird angesichts dieses Ergebnisses fast zur Wut“, schrieb La Repubblica. Denn: Es geht doch. Italien hätte ohne Weiteres das Zeug zur im November beginnenden WM, ist aber schlicht nicht dabei.

          Erst im März beginnt die EM-Qualifikation. Acht Monate muss die Mannschaft von Mancini nun warten, um das Finalturnier der Nations League in den Niederlanden gegen Holland, Kroatien, und Portugal oder Spanien auszuspielen. „Dass wir nicht zur WM fahren, bleibt eine offene Wunde“, sagte Torwart Donnarumma. „Es wird schwer, den Dezember zu überstehen“, fügte Nationaltrainer Mancini nach der Partie hinzu.

          Der Erfolg in der Nations League sei „wichtig, aber die Enttäuschung darüber, dass wir nicht nach Qatar fahren, bleibt“. Es gab auch Stimmen, die die harte Wirklichkeit philosophisch zu nehmen versuchten. Der Corriere della Sera etwa schrieb über den Finaleinzug: „Nicht das Höchste der Gefühle im Jahr der WM, aber besser als gar nichts.“

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