https://www.faz.net/-gtl-7qi5v

Belgiens Trainer Marc Wilmots : „Angst steht nicht in unserem Wörterbuch“

  • Aktualisiert am

Neue Begeisterung: Marc Wilmots und die „goldene Generation“ lassen Belgien hoffen Bild: REUTERS

An diesem Dienstag (18.00 Uhr) beginnt für Belgien mit dem Spiel gegen Algerien die Fußball-WM. Im F.A.Z.-Interview spricht Trainer Marc Wilmots über Perfektionismus und Bequemlichkeit.

          4 Min.

          Mit dem Gruppenspiel gegen Algerien an diesem Dienstag in Belo Horizonte endet eine zwölfjährige WM-Pause für die belgische Nationalmannschaft, und schon gelten die „Roten Teufel“ manchem als Geheimfavorit des Turniers in Brasilien. Teilen Sie diese hohe Wertschätzung?

          Zweifellos haben wir Topfußballspieler wie Hazard, Fellaini, de Bruyne, Witsel oder Dembelé. Die können wahnsinnig gut kicken. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, die genauso ernsthaft und mit Freude trainiert, wie sie spielt. Ich gebe aber zu bedenken, dass es uns mit unserem jungen Team noch an Erfahrung fehlt. Eine Weltmeisterschaftsendrunde haben meine Jungs mit Ausnahme von Daniel van Buyten noch nicht mitgemacht. Deshalb streben wir fürs Erste das Erreichen des Achtelfinales an. Ganz sicher aber hat dieser Kader ein großes Potential, das bis zur EM 2016 und zur WM 2018 weiter reifen wird.

          Sie selbst waren als Spieler zwischen 1990 und 2002 bei vier WM-Turnieren dabei und haben mit Ihrer „goldenen Generation“ schon während der WM-Qualifikation, die Belgien als unbesiegter Gruppenerster souverän schaffte, eine neue Begeisterung in Ihrem Land geweckt. Was fasziniert Ihre Landsleute an den „Diables Rouges“ der Neuzeit?

          Jeder, der von uns eingeladen wird, muss nur für Belgien kommen und darf nicht zuerst an sich denken. Das „Wir“ wird bei uns ganz großgeschrieben. Das ist unsere Stärke. Wer das nicht kapiert, spielt nicht mehr mit. So einfach ist das. Die Bereitschaft, alles für Belgien zu geben, kommt sehr gut an - in Flamen und in Wallonien.

          Wie macht sich das bemerkbar?

          Spielen wir daheim, dann immer in ausverkauften Stadien. Dazu feiern die Menschen in den Städten, etwa beim Public Viewing auf den großen Plätzen Antwerpens, Lüttichs oder Brüssels, mit. Die Belgier sind, wenn es um ihre Nationalmannschaft geht, wieder eins. Sie spüren, dass sich auch die Spieler, von denen die meisten im Ausland, vor allem in der englischen Premier League, unter Vertrag sind, mit Belgien identifizieren.

          Was auffällt, sind die exzellenten Bedingungen, unter denen Sie mit Ihren Profis arbeiten können.

          Wer eine erstklassige Leistung erwartet, muss auch erstklassige Konditionen anbieten. Das heißt konkret: Wir sorgen für Tophotels, Topplätze, eine Topbetreuung und Topstrukturen. Das Team Wilmots besteht aus 18 Leuten, die zu den 23 Spielern kommen, die hier in Brasilien sind. Wir haben alle Details bedacht, die für den Erfolg unserer Mannschaft wichtig sind.

          Zehn Neulinge: Bis auf Daniel van Buyten (2.v.r., obere Reihe) feiern alle Spieler Premiere bei einer Weltmeisterschaftsendrunde
          Zehn Neulinge: Bis auf Daniel van Buyten (2.v.r., obere Reihe) feiern alle Spieler Premiere bei einer Weltmeisterschaftsendrunde : Bild: AP

          Sind Sie ein Perfektionist?

          Das kann man wohl sagen. Ich bin dazu sehr zielstrebig. Darum muss jeder unseren Weg mitgehen, denn nur so kann es immer weiter vorangehen. Meine Spieler sind alle potentielle Stammspieler. Reservespieler kenne ich nicht.

          Wie haben Sie es geschafft, in Ihren Spielern bei aller Begabung die Siegermentalität zu wecken, die den Belgiern über ein Jahrzehnt abging?

          Die Mannschaft, die ich 2012 übernahm, kannte ich ja schon sehr gut aus meinen zweieinhalb Jahren als Co-Trainer. Wir vertrauen einander. Ich bin sehr geradeheraus und akzeptiere es nicht, wenn hinter dem Rücken über andere geredet wird. Wenn die Spieler auf dem Platz stehen, müssen sie wohl Respekt, aber nie Angst vor irgendetwas oder irgendwem haben. Das Wort Angst steht nicht in unserem Wörterbuch, denn im Fußball kannst du nur siegen, verlieren oder unentschieden spielen, mehr nicht.

          Sie selbst als einer der herausragenden „Eurofighter“ in der Schalker Uefa-Cup-Gewinnermannschaft von 1997 können Ihren jungen Spielern aus Ihrer Erfahrung in der Bundesliga und aus achtzig Länderspielen gewiss hilfreich zur Seite stehen, oder?

          Das hoffe ich doch. Ich weiß jedenfalls noch, dass ich nach dem Uefa-Pokal-Endspiel gegen Inter Mailand, als ich im entscheidenden Elfmeterschießen den Strafstoß zum Sieg verwandelte, im Kopf viel freier und stärker wurde. Auch bei meiner Mannschaft baue ich darauf, dass sie die Erfolge der letzten Zeit beflügelt haben.

          Weitere Themen

          Heftige Kritik an geplanter Super League Video-Seite öffnen

          UEFA : Heftige Kritik an geplanter Super League

          Nach den Plänen der Vereine, die die Super League wollen, soll der Spielbetrieb so bald wie möglich starten. Bei der UEFA und den deutschen Top-Clubs stießen diese Pläne auf große Kritik.

          Mal wieder Außenseiter

          Basketball beim FC Bayern : Mal wieder Außenseiter

          Als erste deutsche Mannschaft überhaupt steigt das Basketballteam der Bayern in die Play-offs der Euroleague ein. Sie werden von vielen unterschätzt. Doch das treibt sie nur an.

          Topmeldungen

          Kanzlerkandidat der Union : Laschets Feuertaufe

          So hatte Markus Söder nicht gewettet. Doch nun muss er Wort halten und alles dafür tun, dass sein Rivale ins Kanzleramt einzieht. Das hat Armin Laschet sich verdient.
          Ein Frachtschiff im Bosporus wird 2019 abgeschleppt, nachdem es die Küstenstraße der Meerenge gerammt hatte.

          Alternative zum Suezkanal : Erdogans neues Megaprojekt

          Mit der kostenlosen Passage durch den Bosporus lässt sich kein Geld verdienen. Im Kampf um das östliche Mittelmeer soll der „Kanal Istanbul“ nun die Position der Türkei stärken.
          Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour (links) und die damalige Kreativdirektorin Grace Coddington besuchen 2013 die Chanel-Modenschau in Paris.

          Grace Coddington wird 80 : Rockstar der Mode-Branche

          Ein Autounfall zerstörte ihre Topmodel-Träume, doch Grace Coddington legte trotzdem eine steile Karriere hin. Jetzt wird die langjährige amerikanische „Vogue“-Kreativdirektorin 80 Jahre alt – und hofft auf einen Neuanfang ihrer Branche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.