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Im Gespräch: Managementberater Frumau und Visscher : „Man liebt van Gaal oder man hasst ihn“

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Ein Trainer, der polarisiert: Louis van Gaal Bild: dpa

Die Niederländer sind geprägt vom neuen Stil ihres Trainers Luis van Gaal. Bisher funktioniert das System perfekt. Im Interview sprechen zwei Managementberater vor dem Achtelfinale gegen Mexiko (18 Uhr) über den „Bondscoach“.

          Die beiden Niederländer Jeroen Visscher und Jurgen Frumau haben sich zwei Jahre lang intensiv mit Louis van Gaal, seiner Fußballstrategie und der Arbeit in der Nationalmannschaft beschäftigt. Darüber haben die beiden Managementberater ein Buch unter dem Titel „Louis van Gaal - Hoe smeed je wereldkampionen?“ geschrieben. Ihre Frage, wie Weltmeister gemacht werden, bekommt nach den starken Leistungen des holländischen Teams vor dem Achtelfinale gegen Mexiko (18 Uhr/ live in ARD und F.A.Z.-Liveticker) eine besondere Aktualität. In Brasilien analysieren beide Autoren WM-Spiele für Medien in ihrer Heimat.

          Die niederländische Mannschaft ist mit drei Siegen in einer schwierigen Gruppe durchgestartet. Sie zeigt sich unter Trainer Louis van Gaal mit einer ungewohnten Defensivstrategie, schießt aber viele Tore und hat in Robben sowie van Persie ein Weltklassepaar im Angriff. Kann Holland Weltmeister werden?

          Jeroen Visscher: Der Weg der Mannschaft erscheint etwas einfacher als der der Konkurrenten. Im Achtelfinale kommt erst Mexiko, danach trifft das Team auf den Gewinner der Partie zwischen Griechenland und Costa Rica. Wenn die Mannschaft ihre Strategie spielen kann, wird es schwer sein, sie zu besiegen. Van Gaal hat selbst gesagt, dass der Gegner nur eine bis drei Torchancen pro Spiel bekomme, man selbst aber vier bis sechs eigene produziere. Bei einem Stürmer wie van Persie bedeutet diese Annahme, dass er zwei Tore schießt, weil er eben 50 Prozent seiner Chancen verwertet. Jeder Gegner der Holländer müsste also fast 100 Prozent seiner Torchancen nutzen, um da ranzukommen.

          Was steckt hinter van Gaals neuer Taktik - mit fünf Abwehrspielern, einem Dreiermittelfeld und einem Wesley Sneijder hinter den beiden Stürmern Robben/van Persie?

          Jurgen Frumau: Ganz einfach: Es geht fast ausschließlich um die Verteidigung. Alle drei Spiele der Holländer teilten sich bisher in zwei Abschnitte. Den bis zur 65. Minute und den Rest. Über eine Stunde geht es nur um Abwehrarbeit. Selbst ein Stürmer wie Kuijt spielt als Außenverteidiger, weil er über eine solch starke Physis verfügt. Das Dreiermittelfeld hat ebenso nur defensive Aufgaben zu erfüllen. Sneijder soll nicht wie sonst den entscheidenden Pass auf die Angreifer spielen oder aufs Tor schießen, sondern ist der erste holländische Verteidiger in der gegnerischen Hälfte. Dafür läuft er sich eine Stunde die Lunge aus dem Leib. Es ist daher falsch, bei dieser WM von einem goldenen Offensivdreieck mit Sneijder, Robben und van Persie zu sprechen. Sneijder greift nicht an.

          Van Gaal hat sich vom traditionellen holländischen 4-3-3-System verabschiedet. Wie funktioniert die WM-Taktik konkret?

          Frumau: Das Einzige, was die Mannschaft in den ersten 65 Minuten macht, ist, lange Bälle nach vorne auf die starken Angreifer Robben oder van Persie zu schlagen. Die holländischen Außenverteidiger kommen 50 Prozent seltener in die gegnerische Hälfte als Außenverteidiger anderer, offensiverer Mannschaften, die 20 bis 30 Mal vorne mit Ball auftauchen. Das zeigt die dramatischen Veränderungen in der holländischen Strategie. Wenn der Gegner müder wird, kommt allerdings der Moment des Ballbesitzfußballs für Holland. Es gibt einen Spieler, Memphis Depay, der für den Strategiewechsel in der zweiten Halbzeit steht. Er ist sehr kreativ, stark im Zuspiel und nutzt die größeren Räume in der gegnerischen Hälfte, wenn die Gegenspieler nicht mehr so nachsetzen. Wenn Depay um die 60. Minute herum hereinkommt, wird bei Holland zum Angriff geblasen.

          „Van Gaal ist einer der wenigen, die die Leistungen von Topspielern wie Robben oder van Persie wirklich verbessern können“

          Was erwartet van Gaal noch von den Spielern?

          Visscher: Es soll Druck auf den Gegner gemacht werden. Er lässt pressen, aber geht anders vor als andere Spitzenteams, die sehr früh auf den Gegner zugehen. Die Holländer lassen die andere Mannschaft mehr auf die Mittellinie zukommen. Damit schaffen sie im Rücken des Gegners einen größeren Raum, in dem sich Robben und van Persie wie Haifische bewegen und bei Balleroberung mit einem guten Zuspiel zuschnappen können. Ein weiteres Prinzip bei van Gaal dreht sich um die Einhaltung der Abstände - zwischen den verschiedenen Reihen in Abwehr und Mittelfeld und zwischen den einzelnen Spielern. Das ist wie am Computer. Die Reihen dürfen sich nicht mehr als zehn Meter auseinanderbewegen, die Spieler nicht weiter als acht Meter auseinanderstehen. Ein Vorbereitungsspiel gegen Kolumbien, das nur 0:0 ausging und, von außen betrachtet, eher enttäuschte, war für van Gaal in dieser Hinsicht fast die Perfektion. Die Abstände wurden von den Spielern so eingehalten, wie er das designt hat. Das wird ständig über die Videoanalyse kontrolliert.

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