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Ballverliebter Illustrator : „Ich denke an mein Spiel, nicht an Neymar“

Allein auf weiter Flur: Neymar nach dem Aus der Brasilianer gegen Belgien bei der Fußball-WM. Bild: Reuters

Philip Waechter zeichnete schon als Kind Spielszenen und spielte die Partien anhand der Bilder nach. Im Interview spricht der Illustrator über seine Arbeit – und den Einfluss des kleinen und großen Kicks auf sein Alltagsleben.

          6 Min.

          Was ist Ihre älteste Erinnerung an den Fußball?

          1974, die erste WM in Deutschland, da habe ich das erste Mal Fußball wahrgenommen. Hauptsächlich über meinen älteren Bruder, der mich rangeführt hat. Wir haben uns Spielerpässe gebastelt. Ich war Franz Beckenbauer, mein Bruder Bernd Hölzenbein. Dann ging es los. Ich war sechs. Ich kann mich gar nicht erinnern, dass wir Spiele geguckt hätten. Aber das Drumherum, das Selberspielen: Du bist der, ich bin der. Und zusammen sind wir bei der WM.

          Haben Sie selbst Fußball gespielt?

          Da ging es los. Auf der Wiese und dann sehr bald im Verein, im Zuge der WM. Und dann immer, mit ein paar Päuschen, dabei geblieben. Vereinsfußball – bis heute. Ich bin immer noch Mitglied, spiele aber nicht mehr. Ich habe als Stürmer angefangen, wie alle, und dann bin ich immer weiter zurück. Auch wie alle. Ich spielte lange im Mittelfeld und auf die alten Tage den klassischen Libero, den es nicht mehr gibt, den Ballverteiler mit Übersicht.

          Was verbinden Sie mit Fußball über die Zeit im Verein hinaus?

           Die Spiele mit dem Vater, mit dem Bruder im Park und in einem großen Schulraum. Wir hatten ein Wochenendhaus, eine alte Schule. Da gab es den alten Klassenraum, so groß wie eine kleine Turnhalle. Da haben wir verschiedene Spiele gemacht: Ball hoch halten, Volleys geübt, da lernten wir kicken. Aber auch ganz viel zeichnen, Fußball zeichnen.

          Als Kind schon?

          Es gab so Spiele: Wir überlegen uns zwei Vereine, die gegeneinander spielen sollen, und jeder, der mitmacht, zeichnet ein Tor und notiert: Torschütze für den VfB Stuttgart, soundsovielte Minute, Hermann Ohlicher. Und dann zeichnet man den Spielverlauf, spielt die Spiele anhand von Zeichnungen nach. Das hat Riesenspaß gemacht. Und wir haben mit der ganzen Gruppe, mit den Jungs, mit den Brüdern und meinem Vater Linolschnitte geschnitzt, Fußballszenen. Es gab das Tornetz als Druckvorlage, und wir haben die einzelnen Spieler geschnitzt und Spielszenen kreiert. Es gab eine ganze Palette an Spielern, da kamen immer neue hinzu. Das war super. Irgendwo liegen sie noch, aber ich habe keine Ahnung, wo.

          Kindercomic „Toni. Und alles nur wegen Renato Flash“

          Gibt es diese Art von Kreativität noch, gibt es dafür Raum?

          Insgesamt haben die Kinder heute wohl weniger Freiraum und Zeit. Mein Sohn macht andere Sachen. Er spielt Schlagzeug, geht zum Training, liest viel – das habe ich nicht. Oder er ist verabredet. Wir waren fünf Jungs. Wir haben uns gegenseitig ganz anders angestachelt. Einer hat angefangen, der andere hat weitergemacht. Das ist bei ihm nicht so.

          Ihr Sohn ist zwölf. Wie war das damals für Sie, den Fußball Mitte der Siebziger als Kind wahrzunehmen, und wie ist das heute für ihn, der in der Postsommermärchen-Fußballatmosphäre aufgewachsen ist? Heute kommen Jungs ab drei, vier Jahren mit einem Trikot in die Kitas.

          Das hat sich verändert, diese Verfügbarkeit an Zubehör, an Accessoires. Als ich mir mal ein Torwarttrikot gewünscht hatte, war es schwierig, überhaupt eins zu bekommen. Im Kaufhof gab es eins. Heute ist alles jederzeit verfügbar von sämtlichen Klubs mit Beflockung und allem Pipapo. Das ist – anders. Die Kinder, mein Sohn auch, sind scharf auf diese Sachen. Das Spiel ist immer noch das Spiel. Wie er spielt, wie ich gespielt habe, auf dem Bolzplatz, im Verein, das ist nicht sehr viel anders. Aber ich stehe auch auf diesen ganzen Kram, Trikots mit Rückennummer und so. Ich mache diesen ganzen Quatsch mit, Panini sammeln zum Beispiel. Ich weiß, dass das alles viel zu teuer ist, aber ich finde das auch irgendwie gut.

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