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Ballverliebter Illustrator : „Ich denke an mein Spiel, nicht an Neymar“

Warum eigentlich? Man weiß doch, dass man eine Maschinerie füttert, die genau darauf ausgelegt ist.

Weil es Spaß macht. Ich habe noch nie ein Album voll bekommen. Dieses Jahr haben wir gesagt: Dieses Jahr schaffen wir es. Ich habe mir aber auch gesagt: Dieses Mal ist es das letzte Mal. Diese Summen, das ist nicht vertretbar. Inzwischen hat das Heft 600 Bilder und mehr.

Sind Ihre Bücher Weiterentwicklungen der Kindheitszeichnungen?

Es ist vielmehr der Blick zurück in die eigene Kindheit. Das hat weniger mit dem Zeichnen von damals zu tun. Der Blick darauf, wie ich gedacht habe, wovon ich geträumt habe.

Im neuen Buch geht es um einen Jungen, der geht an einer Werbetafel vorüber, auf der ein Star, Renato, Werbung für einen neuen Schuh macht.

Er möchte diese phantastischen Fußballschuhe unbedingt, kommt nach Hause, erzählt es seiner Mutter. Und sie sagt nein. Solange die alten noch passen, gibt es keine neuen. Er argumentiert und sagt: Das ist wichtig, jetzt sind die entscheidenden Jahre. Und sie sagt: Quatsch. Und er: Du wirst sehen, ich organisiere mir das Geld selbst.

Ist das auch aus dem eigenen Erfahrungsschatz?

Zum Teil. Das fließt natürlich immer mit ein. Damals wie heute gibt es drei Kategorien Fußballschuhe: günstig, mittel, teuer. Wir hatten immer die mittleren, Hennes Weisweiler oder Beckenbauer Libero. Und bei unserem Sohn ist es das Gleiche. Dann gibt es die mit dem Strumpf. Letztes Mal mussten es welche mit der Knöchelsocke sein.

Der Illustrator Philip Waechter beim Zeichnen im Januar 2017.

Die Vermarktung funktioniert.

Ja. Klar. Ich verstehe das total. Aber irgendwie bleibt es gleich: Bei manchen sage ich: Kommt gar nicht in die Tüte.

Hätte es grüne Schuhe früher schon gegeben – jede Generation hätte sie toll gefunden.

Wahrscheinlich schon. Wir waren eben auf Schwarz gepolt. Vor zwanzig Jahren kam Weiß und man dachte: Voll hässlich. Dann Gelb, dann Grün, Neon, inzwischen mit Verläufen und Mustern. Ich finde die total hässlich, aber die Kinder finden sie gut. Und jetzt eben mit Socke, weil es heißt, die Knöchel werden geschützt. Wir hatten Schienbeinschoner mit Knöchelschutz. Unser Sohn hat nur ein Paar. Das ist alles im Rahmen. Alles hat Grenzen.

Ihre Fußballspieler wirken glücklich und unbelastet. Wer Fußballspieler im Fernsehen sieht, bekommt sie, beim Torjubel meistens, unbelastet zu sehen, aber meistens ist doch alles mit einer wahnsinnigen Bedeutung aufgeladen. Zeichnen Sie Fußballspieler, an die Sie sich erinnern oder wie Sie sich Fußballspieler wünschen? Oder schauen Sie Fußball und achten auf einen Augenblick, in dem Sie bei einem Profi etwas entdecken und denken: Da war jetzt was!

Überhaupt nicht. Wenn ich zeichne, dann denke ich an mein Spiel. An Fußball, wie ich ihn erlebt habe. Nicht an Neymar oder Thomas Müller. Das speist sich aus der Vergangenheit. Wenn ich einen einzelnen Fußballer zeichne, empfinde ich das kaum als Arbeit. Ich schaue mir eine Spielszene an, vielleicht, und zeichne drauflos. Und der Erste wird nichts, und der Zweite wird nichts, aber beim Fünften denke ich: Der ist jetzt so, wie ich ihn gerne habe. Wenn ich eine Szenerie zeichnen muss und mir überlegen muss, wie die Perspektive ist: hier das Tor, dahinter der Spieler, und dort ist noch einer und noch ein paar Fans – dann ist das Arbeit und nicht so frei und locker. Dann muss ich planerischer vorgehen.

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