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Granit Xhaka bei Schweiz-Sieg : Obszöne Geste und Trikot-Aktion sorgen für Ärger

  • -Aktualisiert am

Zum Schreien: Xherdan Shaqiri (links) und Granit Xhaka freuen sich über den Schweizer Sieg. Bild: EPA

Durch einen Sieg in einem turbulenten Spiel zieht die Schweiz ins WM-Achtelfinale ein. In der Partie kommt es zu serbischer Aufregung um Granit Xhaka. Auch danach steht er mit einer Aktion im Fokus.

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          Grani Xhaka hatte es vorher beteuert. „Wir sind professionell genug, dass wir uns auf Fußball konzentrieren“, sagte er. Es sollte um Doppelpass und Doppelpack gehen, Begriffe aus der Fußballsprache, die harmlos sind. Aber natürlich schwebten über dem Spiel zwischen Xhakas Schweizern und den Serben am Freitag auch die Worte Doppeladler und Doppelbürger.

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          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Denn die Geschichte vom Duell der Teams von 2018 ist nicht vergessen. Nicht bei den Spielern und Fans vom Balkan, nicht bei den Eidgenossen. Deswegen fügte Xhaka seinem Zitat auch noch ein Wort hinzu, das sagte, dass seine Aussage ohne Gewähr sei: „Hoffentlich.“ Nach den extrem emotionalen 90 Minuten plus üppiger Nachspielzeit weiß man: So ganz klappte das nicht. Xhaka stand im Mittelpunkt.

          Die erste provozierende Geste gab es, für die meisten Zuschauer im Container-Stadion 974 und an den Bildschirmen in der 65. Minute. Xhaka stand nahe der serbischen Auswechselbank. Seine Mannschaft führte mit 3:2 Toren, der Gegner brauchte mindestens deren zwei und einen Sieg, um noch eine Chance auf das Weiterkommen ins Achtelfinale zu haben. Es kam zu Wortgefechten – und einer obszönen Geste.

          Shaqiri und Xhaka im Mittelpunkt

          Xhaka drehte sich zur Bank um und griff sich mit einer Hand kurz in den Schritt. Das blieb beim Gegner nicht unbemerkt, plötzlich standen etliche Serben, die eigentlich nicht auf dem Rasen stehen sollten, dort. Der Ersatztorwart regte sich besonders auf und bekam vom Schiedsrichter die Gelbe Karte. Es war eine von insgesamt elf. Auch diese Statistik zeigt, wie aufgeheizt die Stimmung war.

          Neben Xhaka stand auch Xherdan Shaqiri im Mittelpunkt. Der war vor viereinhalb Jahren beim Ursprungsduell der Verwerfungen ebenfalls aufgefallen, als er nach seinem Tor den Doppeladler zeigte, wie zuvor schon Xhaka. Es ist das Wappentier der ethnischen Albaner. Seinerzeit gewannen, wie am Freitag, die Schweizer die Partie und zogen ins Achtelfinale ein, unterlagen dort aber den Schweden.

          Granit Xhaka im Trikot von Mitspieler Ardon Jashari: Nur eine nette Geste oder mehr?
          Granit Xhaka im Trikot von Mitspieler Ardon Jashari: Nur eine nette Geste oder mehr? : Bild: EPA

          Nun war es ausgerechnet Shaqiri, der in Doha den ersten Treffer der Partie für die Schweiz erzielte. Xhaka und Shaqiri wurden beim Verlesen der Mannschaftsaufstellungen von den serbischen Fans ausgepfiffen. Shaqiri bejubelte sein Tor zum 1:0, indem er sich den Finger auf die Lippen hielt. Xhaka wiederum könnte für seine obszöne Geste vom Weltverband FIFA nun möglicherweise noch nachträglich bestraft werden.

          Das wird für eine Aktion nach der Partie indes kaum möglich sein. Denn es ging nicht nur um Doppeladler und Doppelbürger, sondern auch Doppeldeutigkeit. Beim Jubel der Schweizer über den Einzug ins WM-Achtelfinale zog Xhaka das Trikot seines Teamkollegen Ardon Jashari mit dem Namen nach vorn an. Der gehört in Qatar zum Aufgebot der „Nati“, kam in den drei Vorrundenspielen aber nicht zum Einsatz.

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          Um zu erkennen, warum die Aktion pikant war, muss man die Hintergründe des politischen Konflikts kennen: Jashari ist auch der Name eines Unabhängigkeitskämpfers, der bereits in den 1990er-Jahren für die Loslösung des Kosovo von Serbien kämpfte. Adem Jashari gründete die albanische Separatistenmiliz „Kosovo Liberation Army“ (KLA) und kam 1998 bei einer Operation serbischer Anti-Terror-Einheiten ums Leben.

          Auf seine Aktion angesprochen, beteuerte Xhaka in der Nacht zu Samstag bei der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Das war definitiv keine politische Botschaft.“ Jashari sei ein junger Spieler, mit dem er jeden Tag zusammen trainiere und der ihn an die Anfänge seiner eigenen Karriere erinnere. „Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, dass ich sein Trikot anziehe, wenn ich ein Tor schieße oder wir gewinnen“, sagte Xhaka.

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