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Schlüsselspieler der Schweiz : Shaqiri steht für Vergangenheit und Zukunft

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Xherdan Shaqiri traf bei jeder WM oder EM seit 2014 – wie sonst nur Cristiano Ronaldo. Bild: AP

Xherdan Shaqiri polarisiert – und ist gleichzeitig Schlüsselspieler in der Schweizer Offensive. Gegen Portugal soll ihm die Vergangenheit helfen, die Zukunft seines Teams bei dieser WM zu gestalten.

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          „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“ Das Zitat des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl passt zur Schweizer WM-Kampagne. Dieser Tage spielt immer ein wenig die Vergangenheit in die Gegenwart hinein – verbunden mit der Hoffnung, dass die „Nati“, wie die Mannschaft daheim genannt wird, nach dem Achtelfinale an diesem Dienstag (20.00 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, in der ARD und bei MagentaTV) gegen Portugal eine Zukunft in Qatar hat.

          Fußball-WM 2022
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Vergangenheit I: Das WM-Spiel 2018 zwischen der Schweiz und Serbien ist für Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri ein besonderes. Sie haben kosovarisch-albanische Wurzeln. Nach ihren Toren zeigen die Doppelbürger den Doppeladler, das Wappentier Albaniens, was in Serbien deshalb als Provokation aufgefasst wird. Die Aufregung beschäftigt nicht nur Xhaka und Shaqiri. Die abgelenkte „Nati“ verliert im Achtelfinale gegen Schweden 0:1. Es ist ein unnötiges Aus.

          Gegenwart I: Die Auslosung 2022 führt die Teams wieder in eine WM-Gruppe. Es ist das letzte Spiel der Vorrunde, nur eine Mannschaft kann ins Achtelfinale. Die Schweizer setzen sich im emotionalen Duell mit 3:2 Toren durch. Eines erzielt Shaqiri. Er rennt zu den serbischen Fans und legt den Finger auf den Mund. „Das war für die, die gegen mich gepfiffen haben“, sagte er. Die Geste ist provokant, aber politisch nicht verwerflich. Auch Xhaka fällt auf. Erst greift er sich vor Serbiens Bank in den Schritt, trägt dann das Trikot von Mitspieler Ardon Jashari. So hieß auch ein Unabhängigkeitskämpfer, der von Serben getötet wurde. Wieder eine politische Botschaft? Xhaka verneint.

          Vergangenheit II: Xhaka und Shaqiri sind 2014 dabei, als sich die Schweiz ins WM-Achtelfinale spielt. Dort steht die Auswahl von Trainer Ottmar Hitzfeld gegen den späteren Finalteilnehmer Argentinien vor einer Überraschung. Lionel Messi hat sie im Griff, dann trifft in der 118. Minute Ángel Di María. Für die starken Schweizer bricht eine Fußballwelt zusammen.

          Gegenwart II: Shaqiri geht die dramatische Niederlage auch gut acht Jahre später nicht aus dem Kopf. „Dieses Spiel kommt immer wieder in mir hoch, weil wir die Chance hatten, da weiterzukommen, und wir ein wirklich gutes Spiel gemacht haben“, sagte er. Das soll nicht wieder passieren.

          Zukunft: Wie der Schweizer Blick auf diese WM sein wird, hängt stark vom Achtelfinale ab – und vor allem von Shaqiri. Xhaka ist zwar als zentraler Mittelfeldspieler wichtig für die Balance und Abwehrkraft des Teams, aber der frühere Bayern-Spieler Shaqiri als torgefährlicher Spielgestalter noch ein wenig wichtiger. Bei jeder WM oder EM seit 2014 traf er. Wie sonst nur Cristiano Ronaldo. Ohne eigenen Treffer geht es eben nicht. Das haben nicht nur die 0:1-Niederlagen 2014 und 2018 gezeigt, sondern auch die gegen Brasilien in der Vorrunde, als das nur 1,69 Meter große Kraftpaket Shaqiri fehlte.

          Die Schweiz will erstmals seit der WM 1954 im eigenen Land ins Viertelfinale. Die Serbien-Aufregung ist, anders als 2018, abgeebbt. „Es ist ein Spiel, da ist alles offen“, sagt Shaqiri zum Duell mit Portugal. „Wir haben Qualität, das haben wir oft bewiesen.“ Zum Beispiel im Juni in der Nations League, als die Schweizer mit 1:0 siegten. Shaqiri kennt die Vergangenheit, er versteht auch die Gegenwart – und möchte nun die Schweizer WM-Zukunft gestalten.

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