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Fußball-WM : Wie wird man Weltmeister?

Her mit dem Ding! Am 13. Juli greift eine Hand nach dem Pokal. Fragt sich nur, welche. Bild: picture-alliance / augenklick/La

Elf Trümpfe: Wer den Titel holen will, braucht eine Handvoll davon. Und einen Haufen Glück. Eigentlich kommen nur fünf Nationen beim Turnier in Brasilien für den großen Coup in Frage.

          5 Min.

          Um die WM spielen 32 Teams. Höchstens ein Viertel davon mit einer echten Chance. Klimatisch und organisatorisch wird es die schwierigste WM seit Jahrzehnten. Deshalb kann kaum ein Außenseiter den Titel holen, kaum ein Land ohne die Erfahrung, schon mal Weltmeister gewesen zu sein. Es sind nur acht. Um Brasilien in Brasilien vom Titel abzuhalten, bedarf es eines Gegners in derselben Gewichtsklasse, was den Kandidatenkreis weiter reduziert. Neben dem kleinen Uruguay, dessen letzter Titel 64 Jahre zurückliegt, scheiden aus: England und Frankreich, zwei Länder, die für ihre einzigen WM-Titel den Heimvorteil und die besten Spieler ihrer Historie brauchten - heute haben sie keinen Charlton und Zidane mehr. Es bleiben fünf Teams, die Weltmeister werden können: Brasilien, Argentinien, Spanien, Italien, Deutschland. Und elf Dinge, die einen von ihnen zum Sieger machen werden.

          1. Ein dickes Fell

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          „Brasilien wird eine WM der Toleranz“, sagt Jürgen Klinsmann, dessen US-Team die größten Reisestrapazen bevorstehen - 18 000 Flugmeilen allein in der Vorrunde. „Teams, die wegen Kleinigkeiten anfangen rumzuheulen, werden Probleme bekommen.“ Strom- und andere Ausfälle können Stress bereiten, und beim Confed Cup 2013 wurde die Stimmung der Spanier vom Überfall auf eine Spielerfrau belastet. DFB-Chefscout Urs Siegenthaler urteilte: „Sieger wird der, der sich über diese Dinge nicht ärgert.“ Oder es zumindest nicht zeigt. Seit 1994, als es Stunk wegen Stinkefingern und Spielerfrauen gab, hat bei deutschen WM-Expeditionen keiner mehr die Nerven verloren. Doch begünstigen die nervenden Unwägbarkeiten Brasiliens vor allem Brasilien selbst. Auch Argentinien kennt als Nachbar die Bedingungen und wird dank des großen mitreisenden Anhangs Heimspiele haben.

          2. Einen kühlen Kopf

          Wetterfestigkeit ist ein alter Trumpf deutscher Teams, ob bei Regen- oder Hitzeschlachten. Extremes Wetter wird zum Vorteil, wenn man damit besser zurechtkommt als der Gegner. Die dafür nötige Mischung aus Fitness und Cleverness wird bei den krassen klimatischen Unterschieden entscheidend sein. Deutschland hat drei „heiße“ Vorrundenspiele im tropischen Norden, kann sich aber mit dem Gruppensieg in die kühlere Landeshälfte verabschieden.

          Winterjacke, Mütze und Handschuhe. England, hier Stürmer Daniel Sturridge, probiert es in der Vorbereitung auf die Hitze in Brasilien mit ungewöhnlichen Methoden.
          Winterjacke, Mütze und Handschuhe. England, hier Stürmer Daniel Sturridge, probiert es in der Vorbereitung auf die Hitze in Brasilien mit ungewöhnlichen Methoden. : Bild: REUTERS

          Brasilien spielt in der Vorrunde zweimal heiß, Spanien nur einmal, dafür wohl zweimal in der K.-o.-Runde. Am schlimmsten hat es die Italiener erwischt, die nach fünf Hitzeschlachten zermürbt im kühlen Halbfinale ankommen könnten. Das Glückslos zogen die Argentinier: Gewinnen sie ihre Gruppe, spielen sie die ganze WM im kühlen Süden Brasiliens. Die Gauchos als Gewinner? Zumindest in der WM-Wetterlotterie.

          3. Kleine Künstler

          Schmale, leichtfüßige Spieler liegen im Trend. Kurz und gut: der 1,70er als Top-Modell des modernen Tempofußballs. So wie Andrés Iniesta, der das letzte WM-Finale für Spanien entschied. Die Beweglichkeit und Ballsicherheit der kurzbeinigen Wirbler schaffen jene Spielkontrolle, die bei dieser WM Gold wert sein kann. Sie gibt die Chance, sich am Ball zu erholen, ein Vorteil am Ende der langen Saison, gerade bei Hitze. Spanien liegt in der Kurz-Wertung vorn, vor Deutschland, das ebenfalls schmale, technisch glänzende Spieler aufbieten kann. Auch Brasilien und Argentinien haben einige davon. Nur Italien hat den Trend verpasst. So hofft man auf das Spätwerk von Andrea Pirlo, dem letzten Leichtfuß der alten Spielmacherschule.

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