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Fußball-WM : Wie wird man Weltmeister?

4. Echte Stürmer

Der Fußball entwickele sich „vom klassischen Stürmer weg“, sagt Miroslav Klose über seinen Job. „Echter“ und „falscher“ Neuner als Glaubensfrage. Dabei ist die Frage eher, welcher Spielertyp gerade zur Verfügung steht. Und Deutschland hat gerade keinen fitten Top-Stürmer im besten Alter. Spanien dagegen, Erfinder der „falschen“ Neun, setzt wieder auf echte Stürmer - weil es sie hat. Während die Deutschen nur Klose haben und die Brasilianer den alternden Fred, hofft Spanien auf Costa, Italien auf Balotelli - und Argentinien auf eine ganzes Quartett unterschiedlicher Torjäger: Aguero, Higuain, Messi, di Maria. Offensiv gilt: Vorteil Argentinien.

Das spanische Verteidiger-Doppel: Pique (links) und Sergio Ramos proben den Nahkampf.

5. Echte Verteidiger

Der moderne Fußball sucht Verteidiger, die auch das Spiel „eröffnen“. Die wichtigere Aufgabe bleibt: keine Chancen zu eröffnen. Meisterhaft versteht das ein Team, dessen defensive Klasse oft übersehen wird: die Spanier. EM, WM, EM, drei Turniere gewannen sie, dreimal scheiterte Deutschland nach eigenem Empfinden knapp. Dabei ist der Unterschied nicht knapp, sondern krass. In neun K.-o.-Spielen seit 2008 kassierte Deutschland 13 Gegentore. Und Spanien? Zehn Spiele, null Gegentore. Zur Innenverteidigung Ramos/Piqué hat nur Brasilien mit Thiago Silva/Luiz Vergleichbares zu bieten. Auch die Außenverteidiger Spaniens und Brasiliens sind eine Bank, die deutschen eher nicht. Hinten solide wie immer die Italiener. Der defensiv am schwächsten besetzte Favorit ist Argentinien - ein Defizit, das die Titelchance kosten könnte.

6. Verteidiger als Torjäger

Je länger das Turnier, desto wichtiger die Tore der Abwehr. Fällt der Offensive nichts mehr ein, schlägt die Stunde der stürmenden Verteidiger. So wie Lilian Thuram, der in 141 von 142 Länderspielen für Frankreich nie traf, sein Team aber 1998 auf dem Weg zum WM-Sieg beim 2:1 im Halbfinale gegen Kroatien mit zwei Toren rettete. 2006 beendete der italienische Verteidiger Fabio Grosso deutsche WM-Träume, 2010 Spaniens Abwehrchef Carles Puyol. Die Standardstärke ihrer Verteidiger macht Spanier und Italiener auch 2014 hochgefährlich.

7. Torhüter als Retter

Endlich eine Wertung, die eindeutig für Deutschland spricht. Wenn Manuel Neuer fit wird. Selbst dann, wenn Roman Weidenfeller ihn vertreten muss. Brasiliens Torwart Julio Cesar spielt in Kanada, der Argentinier Sergio Romero ist in Monaco nur zweite Wahl, der Spanier Iker Casillas bei Real Madrid nur noch Teilzeit-Torwart. Mit 36 hat der Italiener Gianluigi Buffon den Zenit hinter sich. Neuer spielt in einer eigenen Liga.

8. Trainer als Regisseure

Nationaltrainer können sich kaum auf Automatismen verlassen - keine Zeit zum Einstudieren. Sie müssen improvisieren und brauchen deshalb einen direkten Draht zu den Spielern: durch Charisma oder Coaching. Charisma haben Vicente del Bosque und Luiz Felipe Scolari, die mit Spanien und Brasilien schon Weltmeister waren - vielleicht auch der weniger bekannte Argentinier Alejandro Sabello, worauf zumindest sein Beiname „El Mago“, der Magier, hindeutet. Ein Meister des aktiven Coachings ist der Italiener Cesare Prandelli, der Löw im EM-Halbfinale ausmanövrierte. Und Löw? Immer noch unklar, ob er eher ein charismatischer oder coachender Trainer ist. Bei dieser WM hoffentlich beides.

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