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Fußball-WM-Vergaben : Der Kaiser will der Fifa doch antworten

Franz Beckenbauer Bild: REUTERS

Erst erheitert, jetzt einsichtig: Franz Beckenbauer will die Fragen der Fifa-Ethikkommission nun doch beantworten. Das heißt aber nicht automatisch, dass seine 90-Tage-Sperre sofort aufgehoben wird.

          Der Anti-Korruptions-Experte und ehemalige Reformbeauftragte beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa), Mark Pieth, hat Kritik an Franz Beckenbauers Verhalten geübt. „Beckenbauer sollte den Warnschuss ernster nehmen. Es wird ihm zwar kein materieller Verstoß gegen das Ethikreglement vorgeworfen, allerdings demonstriert seine Haltung, dass er noch nicht verstanden hat, wohin der Zug fährt. Er reiht sich damit bei den Bremsern ein“, sagte der Strafrechtsprofessor aus Basel auf Anfrage.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hintergrund ist die von der Fifa-Ethikkommission auferlegte 90-Tage-Sperre als Fußballfunktionär für die deutsche Sportikone, die am Freitagabend von der Ethikkommission veröffentlicht worden war. Beckenbauer soll sich innerhalb der Untersuchung des Fifa-Ermittlers Michael Garcia zur korruptionsverdächtigen WM-Vergabe an Qatar 2022 und auch zum WM-Zuschlag Russlands für 2018 nicht kooperativ gezeigt und einen Fragenkatalog nicht beantwortet haben. Zuletzt war der Governance-Kodex der Fifa verschärft worden.

          Am Sonntag kündigte Beckenbauers Management an, er wolle nun doch bis zum 27. Juni auf alle Fragen der Ethikkommission antworten, nachdem er zuerst die Sanktion der Fifa-Ethiker als „Aprilscherz“ abgetan hatte. Beckenbauer ist noch Ehrenpräsident beim FC Bayern. Das heißt aber nicht automatisch, dass seine Sperre sofort aufgehoben wird. „Diese Angelegenheit wird komplett von der rechtssprechenden Kammer der Fifa-Ethikkommission behandelt“, sagte Fifa-Sprecherin Delia Fischer am Sonntag in Rio de Janeiro.

          Die Fifa-Ermittler hatten nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auch dem Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge einen Fragebogen zugeschickt, nachdem dieser Anfang Februar 2013 in offizieller Fußballmission mit zwei „geschenkten“ Luxusuhren aus Qatar zurückgekommen und vom deutschen Zoll bei der Einreise erwischt worden war.

          „Berater und Botschafter“

          Beckenbauer, der bei der Entscheidung für die beiden Weltmeisterschaften 2018 und 2022 im Dezember 2010 als stimmberechtigtes Mitglied im Fifa-Vorstand gesessen hatte, schloss nach der Wahl zwei Beraterverträge ab. Diese sollen wohl jetzt auch von Garcia hinterfragt werden.

          Der eine machte Beckenbauer zum „Sportbotschafter“ des Verbandes Russischer Gasproduzenten, der andere verband ihn zwischen April 2011 und März 2014 als „Berater und Botschafter“ mit der Hamburger E.R. Capital Holding, die eine Zusammenarbeit mit einem qatarischen Investment-Fonds im Schifffahrtsbereich anpeilte. Nach den Ethikregeln der Fifa geht es um mögliche Interessenkonflikte.

          Scharfe Reaktion aus Qatar

          Pieth, ein anerkannter Schweizer Kriminologe, glaubt nicht, dass Fifa-Präsident Blatter hinter der Sanktion gegen Beckenbauer steht, um sich an den europäischen Fußballvertretern zu rächen, die sich gegen den Fifa-Chef gestellt hatten. „Dass Blatter seine Hände im Spiel gehabt haben könnte, sehe ich nicht: Die Ethikkommission entscheidet unabhängig von ihm“, sagte Pieth.

          Unterdessen reagierte das WM-Organisationskomitee aus Qatar am Sonntag erstmals überraschend scharf auf die anhaltenden Korruptionsvorwürfe. „Diese Vorwürfe sind haltlos und voller rätselhafter Unterstellungen, um dem Ruf unseres Organisationskomitees zu schaden“, heißt es mit Blick auf Berichte englischer Medien. Man vermute in der Berichterstattung eine Kampagne gegen die erste WM in einem arabischen Land.

          Qatar verlangt „faire Untersuchung“

          „Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist kein Zufall. Sie begann in der gleichen Woche der Befragung durch Michael J. Garcia und eine Woche vor dem Treffen des Exekutivkomitees sowie dem Fifa-Kongress.“ Das qatarische Organisationskomitee verlangt eine „faire Untersuchung“. Es wies darauf hin, dass der inzwischen lebenslang im Fußball gesperrte frühere Fifa-Vizepräsident Mohamed Bin Hammam aus Qatar kein Mitglied des WM-Bewerbungskomitees gewesen sei. Bin Hammam soll vor der WM-Vergabe an Qatar afrikanische Fußballfunktionäre, die damals allerdings nicht im Fifa-Vorstand saßen, mit Geldgeschenken bedacht haben.

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