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0:2 gegen Argentinien : Polen verliert und zittert sich weiter

  • -Aktualisiert am

Polens Held: Wojciech Szczęsny hielt gegen Lionel Messi einen Elfmeter und trug so maßgeblich zum Weiterkommen der Polen bei. Bild: AP

Fröhliche Sieger und erleichterte Verlierer: 0:2 verlieren die Polen gegen Argentinien – und kommt dennoch weiter. Die „Albiceleste“ um Lionel Messi zeigt zum ersten mal bei dieser WM ihre Überlegenheit.

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          Jedem Scheitern wohnt eine besondere Tragik bei, die Geschichte des argentinischen Fußballs ist voll von solchen Momenten. Bei der Weltmeisterschaft 1994 wurde Diego Maradona des Dopings überführt, ohne ihn wirkte seine Mannschaft hilflos. Vier Jahre später besiegelte ein Traumtor des Niederländers Dennis Bergkamp das Aus, 2006 zog Jens Lehmann beim Elfmeterschießen einen Spickzettel aus seinen Stutzen und verunsicherte damit die Schützen Argentiniens. Für einen kurzen Moment sah es am späten Donnerstagabend so aus, als würde eine weitere Episode dazugekommen. Aber das war nur eine Momentaufnahme. Mit einer starken Leistung und durch einen ungefährdeten 2:0-Sieg gegen Polen zog Argentinien als Gruppensieger ins Achtelfinale ein. Dort trifft das Team auf Australien.

          Fußball-WM 2022

          Das Stadion 974 in Doha liegt direkt am Wasser, so wie la Bombonera, das legendäre, Pralinenschachtel genannte Stadion der Boca Juniors in Buenos Aires. Bauart und Aussehen der Arenen mögen unterschiedlich sein, aber wer es nicht besser wusste, der konnte den Eindruck gewinnen, in der Hauptstadt Argentiniens gelandet zu sein. Keine Mannschaft erfährt in Qatar eine zahlenmäßig größere Unterstützung als Argentinien. Und zu diesem entscheidenden Spiel waren sie alle gekommen. Auch die Gastarbeiter aus Südostasien, die sich in Qatar voller Begeisterung das himmelblau-weiße Trikot mit der Nummer zehn überstreifen, das von Lionel Messi.

          Das Stadion war also fest in argentinischer Hand, rund 99,7 Prozent bejubelten die Selección. Unterstützung war auch nötig, viel stand auf dem Spiel. Eine Niederlage – und Argentiniens Buch des Scheiterns wäre um eine Seite reicher gewesen. Auch ein Unentschieden hätte unter Umständen das Aus bedeuten können. Polen konnte sich dagegen eine Niederlage leisten, je nachdem was im Parallelspiel zwischen Mexiko und Saudi-Arabien passiert.

          Der Druck des Gewinnenmüssens hat schon viele Generationen argentinischer Fußballer bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Umso überraschender, wie die aktuelle Auswahl reagierte. Mochte der Beginn noch etwas zaghaft gewesen sein, entwickelte die Mannschaft von Trainer Lionel Scaloni eine Überlegenheit, die spätestens nach einer halben Stunden zum Dauerdruck wurde. Jeder Zweikampf ging an Argentinien, Polen wurde um den eigenen Strafraum gedrängt wie eine Handballmannschaft. Zuspiel um Zuspiel reihte Argentinien aneinander, immer auf der Suche nach der einen, freien Lücke.

          Nur tat die sich lange nicht auf. Schüsse aus der Distanz sollten helfen. Acuna versuchte es (29. Minute), Angel di Maria trat einen Eckball direkt und gefährlich in Richtung Tor (32.). Als sich doch einmal eine Lücke fand, stand Alvarez plötzlich frei vor Szczesny, aber der wehrte den Schuss ab (35.). Polen tat nichts für das Spiel. Die polnische Mauer hielt zunächst.

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          Sie hielt auch dann, als Schiedsrichter Danny Makkelie aus den Niederlanden sich dran machte, sie in ihren Grundfesten zu erschüttern. Polens Torwart Szczesny hatte bei der Abwehr einer Flanke Lionel Messi im Gesicht getroffen. Messi blieb liegen, und Makkelie machte sich zum Erstaunen vieler auf zur Seitenlinie, um sich die Szene anzusehen. Der Elfmeterpfiff, den er dann von sich gab, war in keiner Form nachvollziehbar. Messi trat an und scheiterte an Szczesny. „Da war schon etwas Glück dabei“, beschrieb der Torhüter seine Parade später. Spätestens in diesem Moment war der Plot für ein tragisches Aus gesetzt.

          Argentinien schüttelte sich nicht einmal, alle machten weiter. Eine Eingabe Messis rauschte knapp am Tor vorbei (43.). Polen hangelte sich in die Pause, wurde aber direkt nach Wiederanpfiff erwischt. Eine Eingabe von der rechten Seite erreichte Alexis Mac Allister gerade noch gut genug, dass der Ball aufs Tor flog und mit Hilfe des Pfostens auch darin landete (46.). Mac Allisters Vater Carlos hatte vor 29 Jahren drei Länderspiele bestritten. Eines davon war das entscheidende auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in den USA. Damals ging es gegen Australien. Den gleichen Gegner, auf den Mac Allister Junior nun am Samstag (20 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM) im Achtelfinale trifft.

          Dass Argentinien die Gruppe C gewinnen würde, zeichnete sich mit zunehmender Spielzeit immer mehr ab. Der Druck blieb groß, Polen kam kaum mehr aus der eigenen Hälfte. Alvarez zirkelte den Ball sehenswert zum 2:0 in die obere Ecke. „Das ist ein wahnsinniger Moment für mich und das ganze Volk“, sagte der Torschütze nach Abpfiff.

          Polen tat auch im Anschluss nichts, was sich fast als fatal herausgestellt hätte. Mexiko schoss zwei Tore, Polen war dem dritten Gegentor näher als einem eigenen Treffer. Weil Saudi-Arabien aber noch einen Treffer gegen Mexiko erzielte, durften sich Robert Lewandowski und seine polnischen Kollegen freuen. „Das erste Mal in meinem Leben bin ich nach einer Niederlage zufrieden“, sagte Lewandowski nach dem Spiel. „Wir sind weiter. Das ist ein großer Erfolg.“

          Sie treffen im Achtelfinale am Sonntag auf Weltmeister Frankreich (16 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM). Am Ende standen in Doha verdiente Sieger und glückliche Verlierer auf dem Platz.

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