https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball-wm/fussball-wm-mexiko-und-saudi-arabien-gemeinsam-ausgeschieden-18501473.html

Ein WM-Spiel – zwei Verlierer : Martino „sehr traurig“ – Renard „sehr stolz“

  • Aktualisiert am

Einträchtig ausgeschieden: Saudi-Arabien Trainer Hervé Renard (l.) und Mexikos Gerardo Martino Bild: EPA

Nach einem Spiel ohne Happy-End laufen bei den Mexikanern die Tränen. Trainer Martino erklärt seinen Rücktritt. Dagegen blickt Saudi-Arabiens Renard trotz des Ausscheidens zufrieden auf die WM-Tage zurück.

          2 Min.

          Edson Álvarez und Luis Chávez vergossen nach Mexikos ersten WM-Vorrunden-Aus seit 1978 vor laufenden Fernsehkameras Tränen, Trainer Gerardo Martino erklärte sich wenig später zum Alleinschuldigen. „Ich übernehme alle Verantwortung für dieses Scheitern“, sagte der sichtlich enttäuschte Martino. Álvarez rang direkt nach dem 2:1 gegen Saudi-Arabien, das nicht zum Weiterkommen reichte, um eine Erklärung. „Es ist ein harter Schlag, es gibt keine Worte dafür“, sagte der Mittelfeldspieler. Nur ein Tor hätte für den Einzug ins Achtelfinale gefehlt. Dort steht nun Polen trotz eines 0:2 gegen Argentinien.

          Fußball-WM 2022

          Hervé Renard dagegen lächelte beim Gedanken zurück an einen letzten Moment in der Kabine. „Ich habe sie zu dieser Weltmeisterschaft beglückwünscht“, antwortete der Nationaltrainer Saudi-Arabiens nach dem WM-Aus seines Teams auf die Frage, was er seinen Spielern nach dem Schlusspfiff gesagt habe.

          „Wir haben unser Bestes gegeben“, sagte der 54 Jahre alte Franzose im Medienraum des Endspielstadions Lusail. „Aber wir haben es heute nicht verdient, dieses Spiel zu gewinnen.“ Das habe als Ansprache gereicht nach dem 1:2 gegen Mexiko, das beiden Teams nicht für den Einzug ins Achtelfinale genügt hatte.

          Renard: „Ich bin stolz“

          Der Trainer betonte aber: „Wir dürfen nicht vergessen, was wir zusammen erreicht haben. Ich bin stolz.“ Nach dem 2:1 gegen das klar favorisierte Argentinien zum WM-Start war für die Saudis im dramatischen Finale der Gruppe C die Sensation möglich gewesen – dafür hätte Renards Team aber gewinnen müssen. Letztmals hatte Saudi-Arabien 1994 das Achtelfinale erreicht.

          Die Aufarbeitung des mexikanischen WM-Debakels muss unterdessen ohne Coach Martino erfolgen, der seinen Abschied ankündigte. „Ich bin der Hauptverantwortliche für diesen Frust und diese Enttäuschung. Das macht mich sehr traurig“, sagte der 60-Jährige, dessen Vertrag ausläuft. „Wir werden sehen, wie es weitergeht und wer die Mannschaft verlassen muss“, sagte Chávez. Zumindest Guillermo Ochoa und Andres Guardado, die in Qatar ihre fünfte WM spielten, dürften künftig nicht mehr dabei sein. „Wir gehen traurig, aber stolz“, sagte Ochoa.

          Martino stand in Mexiko zuletzt heftig in der Kritik, auch der frühe WM-K.o. wurde nun vor allem ihm angelastet. „Er hat kein Vermächtnis hinterlassen. Er konnte mit dem Paket Mexiko nicht umgehen“, urteilte der TV-Sender „Azteca Deportes“ nach der dreijährigen Amtszeit des Argentiniers. Sein größter Erfolg war der Gewinn des Gold Cups 2019. „Wir haben gegen Argentinien nicht wirklich verstanden, was er von uns sehen wollte“, sagte Chávez.

          Geknickte Mexikaner: gewonnen, aber doch verloren
          Geknickte Mexikaner: gewonnen, aber doch verloren : Bild: dpa

          Bei den vergangenen sieben WM-Turnieren war Mexiko stets im Achtelfinale ausgeschieden, nun reichte es nicht einmal dafür. „Wir wissen natürlich, dass das nicht passieren darf“, sagte Chávez. „Wir hatten uns das fünfte Spiel zum Ziel gesetzt, jetzt haben wir es nicht einmal bis ins vierte Spiel geschafft.“ Vor allem die schwache Leistung in den ersten beiden Partien, als beim 0:0 gegen Polen und beim 0:2 gegen Argentinien nicht mal ein Tor gelang, brachte das Team am Ende um das Weiterkommen. „Wir haben nicht genug getan“, klagte Chávez.

          Fussball-WM 2022

          Für den Neuaufbau nach der großen Enttäuschung dürfte El Tri aber nicht die schlechtesten Voraussetzungen haben. In Qatar waren die Lateinamerikaner mit einem jungen Team aus zahlreichen Bronze-Gewinnern von den Olympischen Spielen 2021 angetreten. „Im Fußball gibt es Rache und wir werden sehen, was in vier Jahren passiert“, kündigte Chávez an.

          „Heute bleibt uns nur, den Teams im Achtelfinale das Beste zu wünschen und zu hoffen, noch eine Weltmeisterschaft zu spielen“, sagte Renard, dessen Vertrag in Saudi-Arabien noch bis 2027 läuft. Nach dem Aus von Gastgeber Qatar und auch des Iran spielt keine Nation der arabischen Region in der K.o.-Runde.

          „Das WM-Niveau ist sehr hoch, wir hatten drei sehr, sehr gute Teams“, sagte Renard, dessen Auswahl zuvor mit 0:2 gegen Polen verloren hatte. „Es war schwierig, die nächste Runde zu erreichen.“ Vor dem Gruppenfinale habe seine Auswahl „davon geträumt“, im Anschluss noch weiter dabei zu sein. „Aber mit diesem Spiel haben wir es nicht verdient, ins Achtelfinale einzuziehen“, bilanzierte der Franzose.

          Fussball-WM 2022

          Weitere Themen

          NFL-Star Tom Brady hört abermals auf Video-Seite öffnen

          American Football : NFL-Star Tom Brady hört abermals auf

          Der 45-jährige Footballspieler Tom Brady hatte vor einem Jahr schon einmal seinen Rücktritt verkündet. Kurz darauf änderte er seine Meinung. Diesmal sei es aber „für immer“, sagte Brady in einem Video auf Instagram.

          Topmeldungen

          Kaum schweres Gerät: Anwohner und freiwillige Helfer versuchen in Idlib, Verschüttete aus den Trümmern zu bergen.

          Erdbeben in Nordsyrien : Erst die Bomben, jetzt das Beben

          In Nordsyrien trifft das Desaster eine traumatisierte Bevölkerung, die von islamistischen Milizen beherrscht wird. Hoffnung auf internationale Hilfe hegt hier kaum jemand. Auch politisch ist das Land ein Katastrophenfall.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.