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Klinsmann und Vogts gegen Löw : Wir gegen uns

Vogts und Klinsmann, die Köpfe des „Team USA“ Bild: dpa

Zwei ehemalige Bundestrainer gegen Löws Jungs: Doch Jürgen Klinsmann und sein Helfer Berti Vogts sehen sich nicht als Feinde ihrer Heimat, im Gegenteil. Ein amerikanisches Tor etwa will Vogts nicht bejubeln.

          4 Min.

          Die Emotionen am Spielfeldrand wirken wie ein fernes Echo des Sommermärchens. Bei den bisherigen amerikanischen WM-Auftritten gegen Ghana und Portugal war Jürgen Klinsmann wieder ganz in seinem Element, ein Trainer voll sprühender Energie, gestikulierend, motivierend, gewinnend. Im festen Glauben, den Sieg erzwingen zu können, getrieben von unbändiger Willenskraft. Ein paar Dinge fehlten allerdings bei den Bildern, die sich in diesen Augenblicken über das Sommermärchen legten bei diesem ebenso überraschenden wie glücklichen 2:1-Sieg des Klinsmann-Teams gegen Ghana sowie dem 2:2 gegen die Portugiesen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Trainer geriet wie in seinen besten Tagen als deutscher WM-Projektleiter aus dem Häuschen, diesmal aber coacht Klinsmann meist allein, ein Solo an der Seitenlinie sozusagen, denn Joachim Löw, sein Pendant bei der WM 2006, war natürlich nicht mehr in seiner Nähe - und sein neuer Helfer saß nur auf der Tribüne und freute sich still über den ersten Erfolg: Berti Vogts.

          Vogts gibt sich bescheiden

          Der Vorgänger Klinsmanns und Löws, einst großer Förderer des Spielers „Klinsi“ sowie Wegbereiter seiner späteren Trainerkarriere beim DFB, ist bei dieser WM so etwas wie der unsichtbare Teil des deutschen Duos in amerikanischen Diensten. Sein Einfluss allerdings ist nicht zu unterschätzen, eine große Sache macht Vogts daraus nicht. „Wenn Jürgen Fragen hat, beantworte ich sie. Das ist alles“, sagt Vogts über seine Rolle.

          Klinsmann mobilisiert die Vereinigten Staaten
          Klinsmann mobilisiert die Vereinigten Staaten : Bild: dpa

          Berti Vogts ist so etwas wie der Urs Siegenthaler des amerikanischen Fußballs, der Mann für die Gegnerbeobachtung. Nur beim deutsch-deutschen Trainerduell wird er nicht allzu viel beitragen. „Jürgen kennt die Spieler doch viel besser als ich“, sagt er. Auch wenn Vogts gegen das DFB-Team sozusagen spielfrei hat, schließt sich beim dritten Gruppenspiel zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland an diesem Donnerstag (18 Uhr / ZDF und WM-Liveticker) ein Kreis, der nicht weniger umfasst als die Entwicklung der deutschen Nationalelf der vergangenen zwanzig Jahre; ein ganz spezielles und einmaliges Treffen dreier deutscher Bundestrainer, eine Zeitreise mit ganz unterschiedlichen Charakteren und Temperamenten in den Hauptrollen.

          Aber bevor sich die drei Bundestrainer begegnen, die zusammen auf rund 250 Länderspiele kommen (dazu noch bei Klinsmann und Vogts über 200 Länderspiele als Spieler), hat zumindest der 67 Jahre alte Vogts seine Hauptarbeit in der Vorrunde erledigt. Vor dem Turnierstart sagte der ehemalige Mönchengladbacher Verteidiger in einem Interview mit der „Rheinischen Post“, dass die amerikanische Auswahl wegen der spielerisch stärkeren Gegner in der Gruppe G „läuferisch top sein muss“. Der Vorteil sei, „dass die Amerikaner die Hitze kennen. Darum habe ich Jürgen in der Vorbereitung zu einer hohen Laufintensität im Training geraten. Sie müssen diesen Vorteil ausspielen.“

          Vogts auch 2006 schon Klinsmann-Flüsterer

          Die Entscheidung, auf Vogts zurückzugreifen, mag überraschend erschienen sein. Die Fußballkenntnisse seines ehemaligen Trainers aber schätzt Klinsmann schon lange. „Er bringt ein großes Fachwissen mit ein. Er weiß, worauf es ankommt, auf höchstem Level erfolgreich zu sein“, sagt Klinsmann. Schon vor der WM 2006 wollte er den ehemaligen Bundestrainer zum Sportdirektor machen, aber Vogts’ Berufung scheiterte damals an internen und externen Widerständen. Während der WM 2006 band Klinsmann seinen früheren Förderer dennoch ein. Während des Turniers sammelte und lieferte Vogts als Koordinator der beobachtenden DFB-Trainer neben Siegenthaler und dem damaligen U-21-Trainer Dieter Eilts zusätzliche Informationen über die deutschen Gegner.

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