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Spiel mit politischer Ebene : USA zerstört Irans WM-Traum – Sorge um Pulisic

Verletzte sich beim Tor zum 1:0: Amerikas Christian Pulisic Bild: AP

Im mit Spannung erwarteten Fußball-Duell beider Länder geht das Team der USA als Sieger hervor und zieht so in das Achtelfinale der WM ein. Der Torschütze aber muss ausgewechselt werden.

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          An dem Abend, an dem die iranische Nationalmannschaft aus sportlicher Sicht die wichtigsten 90 WM-Minuten in ihrer Fußball-Geschichte spielte, stand der Sport natürlich nicht im Mittelpunkt.

          Fußball-WM 2022
          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Das wusste man schon vor dem ersten Vorrundenspiel gegen England, als die Spieler ihre Stimmen gegen das Regime einsetzen, indem sie sie nicht einsetzten – und die Nationalhymne nicht mitsangen. Und das wusste man dann auch vor dem dritten Vorrundenspiel gegen die USA, als CNN meldete, dass den Familien der iranischen Spieler Folter und Haft angedroht worden sei, falls sich die Spieler, die sich mehrheitlich mit der Protestbewegung in Iran solidarisieren, nicht „benehmen“ sollten. Wie bitte soll da selbst in so einem Spiel der Sport im Mittelpunkt stehen?

          Es waren auch wieder Momente und Symbole des politischen Protests, die man am Dienstagabend im al-Thumama-Stadion in Doha sehen konnte. Das fing an mit iranischen Fans in Trikots von Ali Daei, Ali Karimi oder Mehdi Mahdavikia, den früheren Fußballgrößen, die sich gegen das Regime positionierten. Und das hörte auf mit dem Stürmer Sardar Azmoun, der später mit seinem eigenen Trikot auf dem Rasen stand, wo er die Nationalhymne mitmurmelte. Es sah so aus, als würde er leiden. Und wahrscheinlich tat er es auch.

          Iran konnte eigentlich nichts richtig machen

          Es waren aber weniger Momente und Symbole des Protests als am ersten Spieltag (2:6-Niederlage gegen England), als man im Stadion mehrere Flaggen und Shirts mit der Aufschrift „Women Life Freedom“ sah. Das passte zu dem CNN-Bericht, wonach das Regime schon am zweiten Spieltag (2:0-Sieg gegen Wales) ausländische Arbeiter mit Iran-Flaggen ausstatte und ins Stadion schickte. Und angeblich auch Journalisten.

          Das soll kein Beweis dafür sein, aber im Shuttlebus, der vom Main Media Center ins Stadion fuhr, saß auch ein akkreditierter Iraner im Nationaltrikot, der im Bus seine These vom Ende des Liberalismus in Europa diskutierte. Politik, wohin man hörte und schaute. Und die politische Ebene, die ein Spiel Iran gegen USA an sich schon hat, war da noch nicht erwähnt.

          Damit aber doch zum Sport. Und den wichtigsten 90 Minuten in der iranischen WM-Geschichte, die dann nicht die erfolgreichsten wurden. Sie endeten mit einem 0:1 und dem Vorrunden-Aus.

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          Am Dienstagabend sahen die 42.127 Zuschauerinnen und Zuschauer von Anfang an, mit welcher Strategie die Iraner sich ins Achtelfinale spielen wollten. Sie stellten sich in ihrem 4-2-3-1-System vor dem eigenen Strafraum auf. Die Iraner wollten verteidigen. Weil sie das können. Und weil das reichen würde. Mit einem 0:0 wären sie weiter, solange Wales nicht gegen England gewinnen würde. Die USA, die siegen mussten, machten das Spiel. Schon in der elften Minute spielte Christian Pulisic den Ball mit dem Kopf über das iranische Tor. Der Druck wurde größer und größer – und in der 39. Minute war er dann zu groß.

          Ein fantastischer Angriff – Chipball des Mittelfeldspielers Weston McKennie, Kopfball des in den Strafraum eingelaufenen Außenverteidigers Sergino Dest, Schuss des Stürmers Pulisic – führte zum 1:0. Als er den Ball schon ins Tor geschossen hatte, prallte Pulisic mit dem iranischen Torhüter Alireza Beiranvand zusammen. Er konnte sein Tor nicht bejubeln, blieb im Tor liegen und musste mehrere Minuten behandelt werden. Später wurde er in ein Krankenhaus gebracht und dort am Bauch untersucht, wie ein Sprecher des US-Fußballverbandes nach der Partie bestätigte.

          Durch diese Unterbrechung kam es zur minutenlangen Nachspielzeit, in der zweimal fast das 2:0 gefallen wäre. Erst kombinierten sich Josh Sargent und Weah durch den Strafraum, bis ein Iraner den Ball mit dem Bein blockte. Dann schoss Weah den Ball ins Tor, aber dieses wurde aberkannt: Abseits.

          In der zweiten Halbzeit fingen die Iraner an, sich in die Hälfte der USA zu drücken und zu drängeln. Sie machten das nun mit Saman Ghoddos statt Sardar Azmoun im Sturm und der Neue hatte schnell eine gute Gelegenheit: Aus guter Position köpfte er den Ball aber über das Tor. Danach verging Minute um Minute. Jetzt verteidigten die USA, die das ebenfalls sehr gut können, wie sie beim 0:0 gegen England, das da übrigens schon deutlich gegen Wales führte, gezeigt hatten.

          Und plötzlich war das Spiel schon in der neunminütigen Nachspielzeit. Da köpfte der iranische Innenverteidiger den Ball knapp am Tor vorbei. Da forderten die Iraner einen Strafstoß, nachdem Mehdi Taremi hingefallen war. Doch der Schiedsrichter gab ihn nicht. Kurz danach pfiff er das Spiel ab. „Das Ende des Spiels war Wahnsinn. Wir sind zufrieden mit unserer Leistung und müssen vor keinem Gegner Angst haben“, sagte der amerikanische Trainer Gregg Berhalter nach der Partie. Die USA treffen nun als Gruppenzweiter am Samstag im Achtelfinale auf die Niederlande, die nach einem 2:0 gegen Turnier-Gastgeber Qatar ihre Gruppe gewannen. Und Angreifer Weah meinte schließlich: „Für uns ist ein Traum wahr geworden.“

          Die iranischen Spieler lagen da auf dem Boden. Und in dem Moment, kurz bevor Trainer Carlos Queiroz in aller Kürze resümierte: „Uns hat ein Tor gefehlt. Der Traum ist vorbei“, sah man eine Mannschaft, die aus sportlicher Sicht in diesem WM-Tagen viel richtig gemacht hat, aber trotzdem eigentlich nichts richtig machen konnte.

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