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Niederlande im Viertelfinale : „Das waren phantastische Tore, das war Schönheit“

  • -Aktualisiert am

Mann des Tages: Denzel Dumfries bereitet zwei Treffer vor und erzielt ein Tor selbst. Bild: Reuters

Die Niederlande bezwingen die USA und erreichen das Viertelfinale in Qatar. Bondscoach Louis van Gaal schwärmt über herrliche Treffer seines Teams – nimmt es sich aber auch zur Brust.

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          Louis van Gaal will den ganz großen Coup bei dieser Weltmeisterschaft, daraus macht er kein Geheimnis. Der Trainer der Elftal hat vor, den Goldpokal zu gewinnen, und der 3:1-Sieg gegen die USA, mit dem die Niederlande als erste Nation das Viertelfinale dieses Turniers erreichten, ist da natürlich nur ein kleiner Schritt. Kaum mehr als eine Selbstverständlichkeit.

          Also veranstaltete der Altmeister der Trainerkunst keine große Show nach diesem Erfolg, von dem Kollegen wie der Deutsche Hansi Flick nur träumen können. Van Gaal kam ohne Jubelposen aus, er schüttelte ein paar Hände, spendete seiner Mannschaft nicht einmal Applaus, der 71 Jahre alte Fußball-Lehrer will mehr.

          „Wir haben sehr gelitten in der ersten Halbzeit, das ist nicht akzeptabel bei einer WM“, zürnte er über das Spiel seiner Mannschaft vor der Pause. So eine Leistung könne man sich „gegen die Topnationen nicht leisten.“ Matthias Sammer, dieser ausgewiesene Spezialist für alle Fragen der Gewinnermentalität würde wohl sagen: „So klingen Sieger.“

          Fußball-WM 2022

          Denn die Niederländer müssen sich steigern nach einer souveränen aber keinesfalls glanzvollen Gruppenphase und diesem Achtelfinale, das kein besonders gutes Fußballspiel gewesen ist. Die Amerikaner waren anfangs sogar stärker, bereits nach drei Minuten kam Christian Pulisic zu einer guten Chance. Doch der ehemalige Dortmunder traf mit seinem Schuss aus bester Position das Bein von Andries Noppert im Tor der Holländer.

           „Wir haben darüber gesprochen, dass es ein Spiel der Momente ist, und die erst Halbzeit ist ein gutes Beispiel dafür“, sagte der amerikanische Trainer Gregg Berhalter. Aber nach guten Anfangsminuten holperte und stockte es auch im Spielfluss der Amerikaner, beide Teams wirkten matt und müde, aber die Niederländer waren besser in der Sache mit den Momenten.

          Sie zauberten eben drei Spielzüge auf den Rasen, die van Gaal bei allem Ärger geradezu entzückten. „Das waren phantastische Tore, das war Schönheit“, sagte er und hob ganz besonders den ersten Treffer hervor, als die Niederländer einen herrlichen Spielzug auf den Rasen malten, den ein Lehrbuch für niederländischen Traumfußball kaum besser hätte präsentieren können.

          Eine Kombination aus der eigenen Hälfte heraus erreichte irgendwann den rechten Flügel, von wo Denzel Dumfries ins Zentrum zu Memphis Depay im Rücken der Abwehr passte, der den Ball präzise ins Tor schob (10.).

          Wright trifft eher zufällig

          Genau diese Art des Flügelspiels ist ein Kernstück des „Total Football“, der immer noch das Ideal für niederländische Ästheten darstellt. Und als der rechte Flügelspieler Dumfries auch noch das 2:0 des linken Flügelspielers Daley Blind (45.+1) aufgelegt hatte, war das Glück fast perfekt, zumal die Amerikaner nicht mehr viel entgegen zu setzen hatten.

          Und so war das 3:1 schon ein Ergebnis, das den Spielverlauf ganz gut wiedergab. Zwar kamen die Amerikaner noch zu einem etwas glücklichen Anschlusstor, dass Haji Wright eher zufällig als so gewollt gelungen war (76.), aber Dumfries gelang nach zwei Vorlagen schließlich das 3:1 und entschied die Partie endgültig (81.).

          Die Amerikaner, die ja beim Turnier 2026 einer von drei Gastgebern sein werden, hatten das Kunststück vollbracht, in der Gruppenphase mit einem mageren Torverhältnis von 2:1 fünf Punkte zu erspielen und das Achtelfinale zu erreichen.

          Sie sind damit so etwas wie die Minimalisten der Gruppenphase gewesen und nun zeigte sich woran das liegt: Seinem Team fehle ein Typ wie Memphis Depay, der auch in der Champions League Tore schieße, sagte Trainer Berhalter. Und einen wie Dumfries haben sie auch nicht.

          Dumfries, der Held des Abends erhielt schließlich sogar einen dicken Kuss auf die Wange von seinem Trainer van Gaal. Der 26 Jahre alte Flügelspieler hatte seine Landsleute schon bei der Europameisterschaft vor eineinhalb Jahren begeistert und war im Anschluss von der PSV Eindhoven zu Inter Mailand gewechselt. Einen Vereinswechsel dürfte er diesmal nicht anstreben, die Niederländer wollen etwas anderes: Weltmeister werden.

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