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Brasilien bezwingt die Schweiz : Casemiro gelingt nun auch das Außergewöhnliche

Schoss das Tor des Abends für Brasilien: Casemiro Bild: AFP

Lange tut sich der Rekordweltmeister gegen wacker verteidigende Schweizer schwer. Spät jubelt Brasilien dann aber doch noch über das 1:0 – und den Einzug in die K.-o.-Phase.

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          An Möglichkeiten mangelte es Tite eigentlich nicht. Da war Antony, 22, Stürmer von Manchester United. Oder Gabriel Martinelli, 21, Stürmer vom FC Arsenal. Oder Rodrygo, 21, Stürmer von Real Madrid. Am Ende entschied sich Tite, der Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft, dann aber für Fred, 29, Mittelfeldspieler von Manchester United.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Er durfte die Position einnehmen, die seit der Verletzung von Neymar vorerst frei ist – und musste sich mit seinen Mitspielern im Gruppenspiel gegen die Schweiz sofort der Frage stellen: Wie stellt sich diese Mannschaft ohne Neymar, den Mann der außergewöhnlichen Momente, an?

          Die Antwort: Sehr solide – und an der entscheidenden Stelle auch noch spektakulär. Das reichte für einen 1:0-Sieg.

          Fußball-WM 2022

          Man müsste meinen, dass man Neymar, den Stürmer aus Paris, mit einem der Stürmer aus London, Manchester oder Madrid ersetzen sollte. Doch in der Nationalmannschaft stimmt das so nicht. Dort spielt Neymar in einer Sonderrolle, die im 4-3-3-System schematisch im Mittelfeld angeordnet ist, aber so künstlerisch interpretiert wird, wie wahrscheinlich nur Neymar sie interpretieren kann.

          So stellte Tite – trotz der Tatsache, dass er mit Casemiro den vielleicht stärksten sogenannten Sechser des Turniers in seiner Mannschaft hat – nicht die Stürmer Antony, Martinelli oder Rodrygo in die Startelf, sondern den Mittelfeldspieler Fred. Man könnte sagen: Es war die konservative Lösung.

          Wenn sich in der zweiten WM-Woche ein Trainer Konservatismus erlauben kann, dann wohl Tite. Sein Team hat das erste Spiel gegen Serbien (2:0) so solide und zugleich spektakulär entschieden, dass es im Duell mit der Schweiz (erstes Spiel: 1:0 gegen Kamerun) etwas vorsichtiger sein durfte. Was, by the way, keine schlechte Idee ist, weil die Schweizer als Mannschaft so stabil sind, dass sie in Qatar weiterkommen könnten, als viele sich momentan vielleicht vorstellen können.

          In den ersten Halbzeit sah man, warum das so ist. Sie stoppten die Brasilianer schon vor dem Strafraum. Sie sind sowieso eine Mannschaft, die sich über die Defensive identifiziert. Ein Beleg: Djibril Sow, der in Frankfurt ein Defensivspezialist ist, startete im 4-2-3-1-System als Spielmacher hinter Breel Emobolo, dem einzigen Stürmer. Die Schweizer Widerstandsfähigkeit führte dazu, dass die Brasilien dem Tor nur einmal halbwegs nahe waren: durch Vinicius Júnior (27. Minute).

          Fussball-WM 2022

          So musste die Stadionregie in der ersten Halbzeit für einen  Höhepunkt sorgen, als sie den Brasilianer Ronaldo, der als Gast da war, einblendete – und danach einen Fan, der mit der früheren Ronaldo-Frisur (die Kopfhaare überall abrasiert, nur vorne nicht) auf der Tribüne stand.

          In der Pause passte Tite seinen Plan dann aber doch an. Er wechselte Rodrygo für Lucas Paqueta, den Mittelfeldmann von West Ham United, ein. Später auch Antony und Gabriel Jesus (FC Arsenal). Die Brasilianer erhöhten den Druck Minute für Minute.

          Fast hätte das Duo, das im ersten Spiel für den spielerischen Höhepunkt des Turniers gesorgt hatte, Erfolg gehabt: Als Vinicius Júnior den Ball mit dem Außenrist zu Richarlison gepasst hatte, der ihn in der Luft gestoppt, sich um die Achse gedreht und ihn mit einem Seitfallzieher ins Tor geschossen hatte. Jetzt flankte der eine den Ball wieder mit dem Außenrist, doch der andere rutschte mit ausgestrecktem Bein an diesem vorbei (56.).

          Und nachdem ein Tor von Vinicius Júnior wegen Abseits aberkannt wurde (64.), war es in der 83. Minute soweit: Mit einem sehenswerten Außenristschuss machte Casemiro das 1:0. Was zu einer Frage führte, die nichts mit Neymar zu tun hat: Wer soll Brasilien stoppen, wenn nun sogar schon Casemiro, der Meister des Gewöhnlichen, das Außergewöhnliche macht?

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