https://www.faz.net/-gtl-93rbi

Joachim Löw : „Italiens WM-Aus spielt nicht die große Rolle“

  • Aktualisiert am

„Italien ist schon ein großer Name, steht bei einem Turnier für gewisse Qualität“: Joachim Löw. Bild: dpa

Der Angstgegner fehlt bei der WM. Durch die verpasste Qualifikation trifft das deutsche Team nicht auf Italien. Bundestrainer Joachim Löw und Toni Kroos reagieren ausgesprochen nüchtern.

          3 Min.

          Joachim Löw sieht durch das WM-Aus für Italien keine größeren Auswirkungen auf die eigene Weltmeisterschafts-Aufgabe im kommenden Sommer in Russland. „Italien ist schon ein großer Name, steht bei einem Turnier für gewisse Qualität“, hatte der Bundestrainer bereits vor der verpassten WM-Teilnahme der Squadra Azzurra am Montag erklärt. Mit dem Sieg im EM-Viertelfinale 2016 habe sein Team überwunden, dass die Italiener bei einer EM- oder WM-Endrunde von Deutschland zuvor nicht zu schlagen waren. „Daher spielt es nicht die große Rolle“, meinte Löw. Für die Italiener selbst sei es ein „Desaster“.

          Mit dem 0:0 im Playoff-Rückspiel gegen Schweden hat der viermalige Weltmeister Italien erstmals seit 60 Jahren eine WM-Teilnahme verpasst. Die Schweden, die das Hinspiel 1:0 gewannen, hätten das WM-Ticket auch verdient, bemerkte Löw: „Sie haben eine sehr gute Mannschaft, auch gute Individualisten. Da muss man auch gratulieren.“

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          „Mir ist es egal, eine starke Nation mehr oder weniger – da kommt es nicht drauf an. Es wird schon ein hochkarätiges Turnier“, hatte Nationalspieler Toni Kroos bei der Pressekonferenz des DFB am Montag schon vor dem Fußball-Drama in Mailand erklärt. Frankreich, Spanien, Brasilien, Argentinien und England ordnete der Real-Madrid-Star als ärgste Kontrahenten des DFB-Teams um den WM-Titel 2018 ein.

          Die Pressestimmen zum italienischen WM-Aus:

          Italien:

           „Tuttosport“: „Die Wahrheit tut weh, ja, und noch nie so sehr wie dieses Mal: Denn die Wahrheit ist, dass es zu Recht so ist. Italien fährt nicht zur Weltmeisterschaft, weil es das verdient hat: Angefangen bei dem Teil des Volkes, (...) der gepfiffen hat, als die schwedische Nationalhymne angestimmt wurde. Man kann weinen wie Buffon und weitere Millionen von Italienern. Man kann fluchen wie De Rossi auf der Bank (...). Man kann schweigen wie Ventura, der selbstgerechteste Nationaltrainer (...). Alle ab nach Hause, ja. An den Ort, wo man am besten reflektieren kann, wenn wir dazu überhaupt noch in der Lage sind.“

          „Corriere dello Sport“: „Es ist die Wirklichkeit eines italienischen Fußballs, der es zu der schmerzhaftesten Demütigung seiner Geschichte gebracht hat, eine Beschämung, eine sportliche Schande, die keinen Vergleich kennt. (...) Die Tränen von Buffon, aufrichtig und passioniert, bezeugen den Absturz, der viele Väter hat und dem niemand, wirklich niemand, entkommen kann.“

          „Gazzetta dello Sport“: „Am day after ist das entscheidende Spiel grausam, aber unvermeidlich. Ventura kann schon aus persönlicher Würde nicht anders als zu gehen. (...) Für Buffon und die anderen großen Alten ist die Vergeltung ungleich härter: Sie wurden von einer unwiderrufbaren Niederlage zum Abschied getrieben, nach so vielen erinnerungswürdigen Siegen.“

          Schweden:

          „Göteborgs Posten“: „Was sollen wir sagen? Wunder in Mailand? Die Heldentat von San Siro? Die schwedischen Fans sangen: „Wir fahren zur WM und ihr nicht.“ Kaum zu glauben, dass das stimmt. Wir. Fahren. Zur. WM.“

          „Svenska Dagbladet“: „Ein 0:0 reichte für das Ticket nach Russland. Mamma Mia! [...] Was Janne Andersson und seine Leute mit dieser Nationalmannschaft gemacht haben, ist sensationell. Sie haben ein Kollektiv aufgebaut, in dem kein Spieler größer ist als das Team. Alles geben alles füreinander.“

          „Dagens Nyheter“: „Es gibt nichts, was dies hier schlägt. [...] Es war nicht schön, aber es war ein Match biblischer Dimensionen. [...] Die Voraussetzungen und der Gegner machen dies zu einem Erfolg, der eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Schweden hätte nicht zur WM fahren dürfen. Jetzt ist Schweden da. Der Hauptgrund ist, dass sie dachten, es könnte klappen.“

          Großbritannien:

          „The Independent“: „Es zeigt Buffons Großartigkeit, dass selbst die Assoziation mit einem so traumatischen Ereignis – Italien verpasst das Turnier zum ersten Mal seit 60 Jahren – seine beachtliche Karriere nicht trüben kann.“

          „The Sun“: „Die viermaligen Weltmeister werden nach der beschämendsten Nacht ihrer glorreichen Geschichte im nächsten Sommer von zu Hause zuschauen.“

          „Mirror“: „Der italienische Fußball erleidet eine seiner größten Katastrophen, weil die italienische Mannschaft zum ersten Mal seit 60 Jahren die Teilnahme an der WM-Endrunde verpasst. Trotz unablässigen Drucks und zahlreicher Chancen konnten die Azzurri das 0:1 aus dem Hinspiel nicht umkehren und stürzten die fußballverrückte Nation in Wut und Verzweiflung.“

          „The Telegraph“: „Ein langer frustrierender Abend in Mailand endet in einem Meer der Tränen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Familie flieht am Samstag auf einem Motorrad aus der Region um die Stadt Ras al Ain.

          Nordsyrien : Kurden räumen Grenzstadt zur Türkei

          Die brüchige Waffenruhe nutzen kurdische Einheiten zum Rückzug aus einer umkämpften Stadt. Außenminister Maas nennt den türkischen Angriff völkerrechtswidrig, und in der Nato schließt unter anderem Deutschland den Bündnisfall aus.

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.