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Frankreichs Ausnahme-Stürmer : Warum Mbappé der bisher beste Spieler der WM ist

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Zeigte bei der WM neben seinem Können auch seine Muskeln: Frankreichs flinker Kylian Mbappé Bild: Reuters

Kylian Mbappé ist gereift und befindet sich auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Keiner prägt das Turnier in Qatar bisher so wie der Franzose – auch nicht Lionel Messi.

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          Es gibt diese sehr spezielle Kategorie der Supersuperstars auf der Bühne des WM-Fußballs. Spieler, die sich gerade während der Tage von Qatar noch ein Stück weiter oberhalb der Sphären bewegen, in denen ihre Mitspieler unterwegs sind. Denn das Publikum ist hier noch stärker auf Einzelspieler fokussiert als bei früheren Turnieren, man merkt das an den Reaktionen der Leute im Stadion und an den Gesprächen in den Cafés. Spieler wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Neymar oder Kylian Mbappé bringen das Publikum selbst mit sehr irdischen Alltagsaktionen zum Kreischen. In der Frage, wer die prägende Figur dieses Turniers wird, sind allerdings wohl nur noch zwei ernst zu nehmende Kandidaten übrig.

          Fußball-WM 2022

          Weil Neymar fast die gesamte Vorrunde verpasste und der altersschwache Ronaldo bislang nur ein Elfmetertor geschossen hat, bleiben Messi und Mbappé, der nach seinen zwei Treffern beim 3:1 im Achtelfinale gegen Polen schon fünf Turniertore erzielt hat. Bisher reichten in diesem Jahrtausend immer sechs Treffer, um Torschützenkönig zu werden, der 23 Jahre alte Franzose hat also beste Chancen auf den „Goldenen Schuh“ für den erfolgreichsten Torjäger.

          Aber darum gehe es ihm nicht, versicherte Mbappé am Sonntagabend. „Das einzige Ziel ist für mich, die WM zu gewinnen. Das ist der einzige Traum, den ich habe.“ Sollte Frankreich ins Finale kommen oder gar Weltmeister werden, ist jedoch kaum noch zu verhindern, dass Mbappé auch persönlich ausgezeichnet wird. Aus einem einfachen Grund: Er ist der Beste.

          „Er kann ein Spiel von einem auf den anderen Moment verändern“

          Anhänger des Messi-Kultes mögen widersprechen, aber der mittlerweile 35 Jahre alte Argentinier hat seinen Leistungszenit überschritten, während Mbappé gereift ist und sich auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Schaffenskraft befindet. Mit einer auf den ersten Blick sehr einfachen Spielweise. „Wir wissen: Wenn wir ihn in eine gute Position bringen, wird er den Rest erledigen“, sagte Verteidiger Raphaël Varane während der Vorrunde. Gegen Polen bereitete Mbappé das 1:0 von Olivier Giroud vor, die anderen beiden Tore schoss er selbst, längst führt er mit sieben Punkten auch die Scorerliste an.

          „Er kann ein Spiel von einem auf den anderen Moment verändern“, sagte Trainer Didier Deschamps nach dem gewonnenen Achtelfinale, dem in der nächsten Runde ein Duell mit den Engländern folgt. „Frankreich brauchte einen großartigen Mbappé und hat einen bekommen.“

          Zwar merkte der Trainer auch an, dass er „nicht sein bestes Spiel“ gemacht hatte, aber seine Effizienz war unglaublich. Mbappé selbst sagte: „Wir haben es geschafft, die Tore in den wichtigen Momenten zu schießen.“ Er war tatsächlich auf der Pressekonferenz erschienen, wo der zum „Player of the Match“ gekürte Spieler laut den FIFA-Regularien erscheinen muss. Nach der ersten Partie blieb Mbappé diesem Termin noch fern. Auf dem Podium im Trainingscamp, wo an den meisten Tagen zwei Spieler Fragen beantworten, ist er ebenfalls noch nicht aufgetaucht.

          „Das ist nicht persönlich gemeint, ich habe nichts gegen Journalisten“, sagte er nun: „Ich musste mich auf die Spiele konzentrieren, das ist der Grund, warum ich bis jetzt nicht zu den Pressegesprächen gekommen bin.“

          Drei sportliche Fragen

          Vielleicht hat seine öffentliche Zurückhaltung auch damit zu tun, dass er Fragen fürchtet, die sich um seine Verbindungen zu Qatar drehen. Er spielt schließlich für den mit Geld aus dem Emirat gefütterten Klub Paris Saint-Germain. Sein Gehalt von angeblich 250 Millionen Euro für drei Jahre wird damit indirekt von den Qatarern bezahlt, und davon beglich er auch die Rechnung, die der französische Verband von der FIFA zugestellt bekam, weil Mbappé zuvor nicht sprechen wollte.

          Sein Auftritt am Sonntag war auf drei Fragen beschränkt, die sportlich blieben. „Das ist der Wettbewerb meiner Träume“, erzählte der Franzose, seit Monaten fiebere er diesem Turnier entgegen: „Ich habe mich schon die ganze Saison sowohl körperlich als auch mental auf dieses vorbereitet. Aber wir sind noch weit weg von unserem ultimativen Ziel: die WM zu gewinnen.“

          Das waren keine besonders gehaltvollen Aussagen, da es aber die einzigen Worte waren, die Mbappé bislang in Qatar öffentlich sprach, hatten sie schon eine gewisse Relevanz. Deschamps stellte jedoch klar, worum es ihm wirklich geht: „Kylian spricht auf dem Fußballplatz.“ Das macht er schnörkellos und mit einer geradezu umwerfenden Klarheit. Mbappé ist ja kein Dribbler klassischer Ausprägung, sein „signature move“ speist sich weniger aus Kreativität und Eleganz: Er legt den Ball an seinen Gegnern vorbei und ist dann einfach schneller.

          Erst auf den zweiten Blick ist zu sehen, was für ein faszinierendes Gespür für Raum und Zeit hinter seinen Aktionen steckt, die er oft mit einer nicht minder faszinierenden Schusstechnik vollendet. Sie trägt viel dazu bei, dass die Franzosen sich von einem Kandidaten für ein Vorrunden-Aus zu einem großen Titelfavoriten entwickelt haben.

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